Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Becher-Gesellschaft: 2021 Jubiläum, 2022 Feier

Becher-Gesellschaft: Peter Zimmermann vor einer Becher-Büste.
Becher-Gesellschaft: Peter Zimmermann vor einer Becher-Büste.

Universalgelehrter, Erfinder, Konstrukteur, Mediziner, Autor, Europäer und Speyerer: Das war Johann Joachim Becher. Dem Ökonomen und Fürstenberater hat die Domstadt spät, aber dann dreifach ein Denkmal gesetzt: Die Berufsbildende Schule trägt seinen Namen, im Johann-Joachim-Becher-Haus wird sein Werk gezeigt, die Johann-Joachim-Becher-Gesellschaft (JJBG) bewahrt sein Erbe – seit nun 30 Jahren.

Am 11. März 1991 haben im Senatsraum der damaligen Hochschule und heutigen Universität für Verwaltungswissenschaften 17 Mitglieder um die „Väter“ Professor Carl Böhret, Oberbürgermeister Christian Roßkopf und Hermann Wagner die JJBG gegründet. Es war ein würdiger Rahmen. Schließlich war aus Becher ein Hochschullehrer geworden, der zu seinen Lebzeiten in ganz verschiedenen Disziplinen geglänzt und Paradigmenwechsel eingeleitet hatte, die lange Bestand hatten. Hans-Joachim Spengler, 2009 bis 2016 Vorsitzender der JJBG, schreibt dazu in seinem zum 30. Geburtstag der Gesellschaft erschienenen Aufsatz: „Mit diesem Akt kehrte der verloren gegangene Sohn in seine Heimatstadt zurück, in der ihm die Gesellschaft in den Folgejahren mit dem J. J. Becher-Haus sogar eine eigene Gedenkstätte auf dem Gelände des Judenhofes einrichtete.“

In der Würdigung, die der aktuelle Vorsitzende Peter Zimmermann allen 115 JJBG-Mitgliedern zum 30-jährigen Bestehen zur Verfügung stellte, gelingt Spengler ein treffendes Porträt des 1635 geborenen und nach Stationen an Höfen in Deutschland, Holland und Schweden 1682 in London gestorbenen Genies aus Speyer.

Praktische Hilfestellung

Vielseitig war der Mann, Ideen hatte er, praktische Hilfestellung hat er seinen Zeitgenossen, aber auch deren nachfolgenden Generationen geben können. Sägegatter, Mühlen, selbst eine Seidenspulmaschine hat er konstruiert, mit Kanalbau, Kartoffelanbau, Bankenwesen und Besoldungsfragen hat er sich befasst, das Leuchtgas entdeckt, als Experte in Chemie, Bergbau, Handel und Merkantilismus geglänzt, ein fünfgliedriges Schulsystem entwickelt, mehrere Patente gehalten und Grundlagenwerke unter anderem für den Bergbau verfasst.

Seien Idee haben zur Gründung der JJBG geführt. Ziel ist „die Förderung des Austausches von Wissen und Rat“ – wie bei Becher am liebsten interdisziplinär angelegt. Oberstes Ziel sei es, „den Dialog und den Wissenstransfer zwischen den zukunftsrelevanten Gruppen Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Verwaltung zu aktivieren und zu fördern“, erklärt Spengler.

Nähe zur Wissenschaft

Seit 30 Jahren gibt es monatliche Treffen, Vorträge, Seminare, Exkursionen, Ausstellungen und weitere Veranstaltungen mit namhaften externen Referenten aus Wissenschaft, Medizin, Wirtschaft, Politik und Verwaltung zu aktuellen Fragen. So hatte die Gesellschaft zuletzt einen öffentliche Vortragszyklus Industrie 4.0 angeboten, der große Resonanz hatte. Festgehalten werden die Erkenntnisse in einer eigenen Schriftenreihe mit bisher 35 Heften und den „Informationen für Mitglieder der JJBG“. Wichtig in der Vereinshistorie waren unter anderem die Eröffnung des Johann-Joachim-Becher-Hauses 2005 sowie die Namensgebung der Berufsbildenden Schule 2006. Seit 1997 gibt es die gemeinnützige JJB-Stiftung. Auch anderswo wird der Gelehrte gewürdigt: Unter anderem gibt es auf dem Campus der Mainzer Uni einen Johann-Joachim-Becher-Weg. Dort war der Speyerer von 1661 bis 1664 Professor an der Medizinischen Fakultät.

Leider verhindere Covid-19 in diesem Jahr eine angemessene Würdigung der Gesellschaft mit einer Jubiläumsveranstaltung, bedauert Vorsitzender Zimmermann. Er setzt auf 2022. Es ist nicht ganz abwegig anzunehmen, dass J. J. Becher sich auch mit dem Coronavirus befasst hätte, hätte er es erlebt. Er hätte einen Impfstoff oder ein Medikament erfinden können. Zur Impfstoffverteilung hätte er bestimmt eine Idee gehabt. Logistik war schließlich auch sein Thema.

Zur Sache: Johann-Joachim-Becher-Haus

Bei dem Haus in der Kleinen Pfaffengasse (Judenhof) handelt es sich neben dem Feuerbachhaus, dem Purrmann-Museum und dem Sophie-de-la-Roche-Gedenkraum um die vierte Erinnerungsstätte an bekannte Speyerer. Es dient als Treffpunkt für den Austausch zwischen Mitgliedern und Gästen der Becher-Gesellschaft. Werke und Arbeiten Bechers sind zu besichtigen, Originalschriften Bechers zu lesen, Schautafeln, Modelle und Skizzen zu studieren. Derzeit ist es wegen der Pandemie geschlossen. Kontakt: www.johann-joachim-becher.de.

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