Speyer
Bauarbeiten gestartet: Hafenstraße erfindet sich mal wieder neu
In der Hafenstraße ist mit einer Asphaltfräsmaschine der alte Belag entfernt worden; damit hat die Umgestaltung des nicht für den Durchgangsverkehr wichtigen Abschnitts zum Rhein hin begonnen. Die zuständige Baufirma Jean Bratengeier aus Dreieich wird laut Stadt nach der Entfernung des Asphalts in die Tiefe graben – unter anderem für die Verlegung neuer Medienleitungen. „Diese Arbeiten müssen auch in der kommenden Woche noch fortgesetzt werden, bevor die Stadtwerke in den vorbereiteten Gräben tätig werden können“, so Annika Siebert von der Stadtverwaltung auf Anfrage.
Zunächst geht es bis Jahresende nur um Teilbereiche des Baufelds ab dem Pegelhaus. Im nächsten Jahr soll sich der Abschnitt von der Erlus-Villa bis zur Kreuzung Hafenstraße/Am Heringsee anschließen. Die neue Hafenstraßen-Gestaltung knüpft an die des angrenzenden Erlus-Bürgerparks an. Das Projekt war politisch umstritten, vor allem wegen der Kosten. Sie waren 2019 mit 1,6 Millionen Euro angesetzt. Jetzt sind es laut Stadt zwei Millionen.
Stadtgeschichte(n): Die Hafenstraße früher
Wenn die Hafenstraße jetzt im Bereich der Sackgasse zum Rhein hin neugestaltet und verkehrsberuhigt wird, ist das auch ein Zeichen dafür, dass sich in diesem Bereich einiges verändert hat. Früher hatte der Verkehrsweg als Straße zum Hafen geschäftlich eine andere Bedeutung.
Noch in den 1950er-Jahren herrschte rund um den „alten“ Hafen (heute Yachthafen) geschäftiges Treiben. Bei Mülbergers gab es Düngemittel. Winterbrand holten sich die meisten Speyerer bei den Kohlenhändlern Dietrich, Jung und Kerner mit dem eigenen Handwagen. Den Schwestern von St. Magdalena wurden Kohlen und Briketts auf einem Ochsenfuhrwerk ins Kloster gefahren. Bretter verkaufte die Holzhandlung Schwind.
Breche Seppel und Schäfer Puffer
Die den Hafen ansteuernden Schiffe, ausnahmslos Schleppschiffe, wurden nach dem meist mehrtägigen Löschen wieder in Richtung Rhein bugsiert. Fürs Entladen zeichnete Fritz Kosian zuständig. Auf dem Dampfkran arbeitete er meist bis in die späten Abendstunden. Kies und Sand gab es reichlich. Auf der einen Seite des Hafens beim Breche Seppel, genannt „Basstrommel“, auf der anderen Seite beim Schäfers „Puffer“. Der Hafen war Mitte des 19. Jahrhunderts ausgebaut worden. 1860 nahm der erste Dampfkran seine Arbeit auf. 1847 ist angrenzend ein Gleisanschluss gelegt worden, und 1883 erhielt die Hafenstraße offiziell ihren Namen. Sie begann an der Rheinstation, einem kleinen Bahnhof, und endete am Pegel.
Wer hier zu Hause war, lebte ausschließlich auf der westlichen Straßenseite – mit Blick über den Rhein (heute stehen auf der östlichen Seite die Hafenvillen). Kinder planschten im Hafenbecken. In der Gaststätte „Zum Rheintal“ trafen sich die Hafensträßler beim Feierabendbier. Hier standen Wilhelm Ebinger und, bis zur Schließung des Lokals, Fred Kerner hinter der Theke. Heringe und Bonbons gab es bei Heinrich Narjes, der einen Tante-Emma-Laden betrieb.
Wer in der örtlichen Geschäftswelt nicht fündig wurde, hatte früher eine Verbindung nach Mannheim: In den 1930er-Jahren legte jeden Mittwoch unterhalb des Hafens die „Beethoven“ an. Diese Fähre brachte morgens die Speyerer in die Quadratestadt und abends wieder zurück.