Speyer Barocke Pracht und Wiener Flair

Mit einem Kammerkonzert von Ensemblemitgliedern der Reihe „Palatina Klassik“ hat das kulturelle neue Jahr in Waldsee begonnen. Im voll besetzten katholischen Pfarrzentrum spielten Susanne Phieler (Violine), Stephanie Phieler (Viola) sowie Leo Krämer (Klavier) am Sonntag Werke des Barock und verbreiteten zudem Wiener Flair.
Die Schwestern Susanne und Stephanie Phieler, beide im Orchester des Mannheimer Nationaltheaters, spielen seit ihrer Kindheit zusammen. Entsprechend traumwandlerisch sicher war ihr Zusammenspiel mit Krämer als optimaler Ergänzung. Antonio Vivaldis „Sonata da Camera a tre“ eröffnete das Programm. Die Kammersonate in drei Sätzen erschien 1705 in Venedig und war als Teil einer Sammlung von zwölf Sonaten das erste veröffentlichte Werk des damals 27-Jährigen. Die Stücke zeigen schon den virtuosen Schwung Vivaldis, der seinerzeit als Violinlehrer das Mädchen-Streichorchester eines Waisenhauses betreute. Weil der Cellist des Ensembles, Roland Kuntze, erkrankt war, integrierte Krämer dessen Part so geschickt in sein eigenes Klavierspiel, dass keine Lücke zu bemerken war. Das galt ebenso für einen Rückblick auf die Feiertage mit Arcangelo Corellis Weihnachtsconcerto. Vier Sätze voller dramatischer Tempowechsel und die einem innigen Wiegenlied ähnelnde Pastorale am Ende verbreiteten nochmals Weihnachtsstimmung. Drei Kirchensonaten Mozarts, in Salzburg entstanden, schlossen den ersten Teil des Programms ab: Diese anmutigen Instrumentalstücke bekamen die Zeitgenossen in feierlichen Gottesdiensten zwischen den Schriftlesungen zu hören. Der zweite Teil des Abends hatte mehr als einen Hauch vom traditionellen Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker. An Heinrich Streckers „Drunt in der Lobau“ in langsamen Dreivierteltakt denken sicher viele, die sich ein Wiener Lied im Heurigenlokal vorstellen. Susanne Phieler bewies, dass es auch als Instrumentalstück mit der Violine anstelle der Singstimme geht. Mit „Liebesfreud“ und „Liebesleid“ komponierte Fritz Kreisler zwei Stücke, die wie kleine Pantomimen auf der Bühne wirken, nur eben in Musik statt im Schauspiel. Der anschließende „Petite marche viennoise“ hatte nichts Militärisches, sondern war ein heiterer Tanz. „Annen-Polka“, „Wiener Blut“ und „Tritsch-Tratsch-Polka“ rissen die Zuhörer in Waldsee zu Begeisterungsstürmen hin.