Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Band „Poor Genetic Material“ bringt Erfolgsalbum neu heraus

„Poor Genetic Material“: Bandchef Philipp Jaehne (links) wohnt in Schwegenheim. Auch die anderen Musiker sind aus der Pfalz und
»Poor Genetic Material«: Bandchef Philipp Jaehne (links) wohnt in Schwegenheim. Auch die anderen Musiker sind aus der Pfalz und Kurpfalz.

Die siebenköpfige Progressive-Rock-Formation „Poor Genetic Material“ aus der Pfalz und Kurpfalz hat sich bereits vor 20 Jahren gegründet. Seit 2007 ist sie in der aktuellen Besetzung zusammen, wobei Ex-Beggars-Opera-Frontmann Martin Griffiths nach dem Doppelalbum „Island Noises“ von 2011 seither nicht als „Special Guest“ geführt wird, sondern zum festen Line-up der Band gehört.

„Absence“ (2016) und „Here Now“ (2020) fanden sogar den Weg in die Charts. „Spring Tidings“, ursprünglich 2006 noch ohne Griffiths erschienen, gilt als eines der besten Alben des damaligen Quartetts. „Was den Mix und Sound anbetrifft, ist es jedoch nicht mehr auf dem Stand unserer jüngsten Alben“, so Bandkopf Philipp Jaehne aus Schwegenheim. So entstand die Idee, dieses Album neu zu mischen und zu mastern. „Dieses Unterfangen erwies sich jedoch schwerer als gedacht, da die Drum-Spuren nur mit viel Mühe, die Keyboard-Spuren gar nicht mehr in die heutige Technologie zu transferieren waren“, so Jaehne, der die Keyboards neu einspielte.

Frischer Sound für „Spring Tidings“

Das Ergebnis kann sich hören lassen, denn die acht Songs, die unter anderem „Three Steps Back“, „April“ oder „Watercolours“ (neue Flötentöne von Pia Darmstaedter) heißen, erklingen in einem frischen Sound, den das Album „Spring Tidings“ verdient. Der Tonträger, der vom Heidelberger Label „Quixote-Musik“ Mitte Mai veröffentlicht wird, wurde im Vorjahr im Schwegenheimer „Silent Sound-Tonstudio“ von Christian Dolenga und Dominik Steinbacher recorded. Das herrliche Artwork steuerte Oliver Schollenberger aus Dudenhofen bei.

Eine der kreativsten deutschen Prog- und Artrock-Bands zeigt sich von ihrer besten Seite und ist alles andere als „schlechtes, genetisches Material“. Poor Genetic Material, das sind Sänger und Ex-Alias-Eye-Stimme Phil Griffiths (44) aus Brühl sowie Musikpädagogin Pia Darmstaedter (46, Flöte) und Stefan Glomb (57, Guitars), beide aus Schifferstadt. Jaehne ist 57 und bedient die Keyboards.

Sensationeller Stimmumfang

Dennis Sturm (43, Bass) ist in der Südpfalz zuhause und Gymnasiumlehrer. Musikpädagoge Dominik Steinbacher (40, Drums) lebt in Offenbach. Die Texte stammen von den Bandgründern Stefan Glomb und Philipp Jaehne, die Musik ist ein Gemeinschaftsprojekt. Frontmann Phil Griffiths überrascht einmal mehr durch sensationellen Stimmumfang.

Die Herangehensweise an ein Album erfolgt bei der Band stets nach demselben Muster. Jeder habe freie Hand, mache sich Gedanken über seinen Part, wobei der Entstehungsprozess der Stücke und Alben bis zum Schluss offen und spannend bleibe. Meist kommt ein Literatur-inspiriertes Konzeptalbum heraus, so wie bei „Island Noises“, einer erfolgreichen Umsetzung von Shakespeares „Sturm“ oder „Ulysses“ von Joyce. Das Konzeptalbum „Absence“ beschreibt das vielfältige Gefühl von Abwesenheit und Mangel. „Unsere Songs sollen klingen, wobei wir den gewünschten Sound in einem professionellen Tonstudio perfekt umsetzen.“ So entstehen aus exzellentem Spiel, hoher Musikalität und originellem Songwriting immer wieder Lieder, die vom zerbrechlich Melodiösen zum lärmend Progressiven, von eingängigen Melodien bis hin zu komplexen Arrangements reichen.

Bei der aktuellen Platte mussten in der Vinyl-Version ein paar Songs wegbleiben. Allerdings müssen Vinyl-Liebhaber nicht auf diese verzichten. „Es wird zu jeder Platte die remixte CD-Ausgabe beigelegt“, so Jaehne. Das nächste Album „Possibility“ (Möglichkeit) ist in Arbeit und soll im nächsten Jahr veröffentlicht werden.

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