Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Ausgewandert nach Irland: Wie es dem früheren Stadtrat Reinhard Mohler geht

Haben ihr Herz an Irland verloren: Reinhard und Karin Mohler.
Haben ihr Herz an Irland verloren: Reinhard und Karin Mohler.

Ein Haus, weites Land, frischer Wind und der Blick auf das Meer. Wer wünscht sich das nicht? Die Speyerer Reinhard Mohler und seine Frau Karin haben 2018 einen solchen Platz für sich gefunden. Auf der „grünen Insel“. Aus Irland wollen die beiden nun nie wieder weg.

Heute sind die frühere OP-Schwester sowie Lehrerin an der Diakonissenschule und der Mediziner zwischen Wiesen, Schafen, Musik und Pubs glücklich und zufrieden. Sie schwärmen von gewonnener Lebensqualität, Entschleunigung, entspannten, offenen, freundlichen Mitmenschen und viel frischer Luft beim Spaziergang an „einem von Irlands schönsten Stränden“ etwa drei Kilometer von ihrem Haus entfernt am westlichsten Punkt der Insel. „Das macht den Kopf frei“, sagt Reinhard Mohler. „Immer just in time wie in Deutschland, das kennt hier niemand. Der Handwerker kommt irgendwann, der Besuch auch. Zum Einkaufen musst Du Zeit mitnehmen, denn ohne Plausch mit dem Personal und den Kunden geht’s nicht“, sagt das Ehepaar beim RHEINPFALZ-Gespräch am Telefon.

Ihre neue Heimat ist Cloghanaculleen , ein 1500-Seelen-Dorf etwa zwei Autostunden von der 120.000-Einwohner-Stadt Cork entfernt. „Seit gut 25 Jahren gibt es hier erst Straßen, die Verkehrsdichte ist gering, aber es gibt einen Lidl und einen Aldi“, geben die Mohlers einen Eindruck von ihrem Alltag. Noch ein Pluspunkt: Gälisch werde erst 60 bis 80 Kilometer weiter nördlich gesprochen. Die Kommunikation in ihrer Region funktioniert auf Englisch. Darüber hinaus gebe es einige Deutsche unter den Nachbarn. „Sie fliehen wie wir vor den immer heißeren klimatischen Bedingungen“, weiß Reinhard Mohler.

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Warum das Ehepaar Mohler ausgewandert ist

Gefallen an Regen gefunden

Dem Speyerer habe die Schwüle im Rheingraben zunehmend zu schaffen gemacht, vor allem nach seinem überstandenen Herzinfarkt. Bei ihnen in Irland an der Küste werde es nie kälter als 5 Grad Celsius und bei 25 Grad werde im Netz gewarnt, nicht zu lange ins Freie zu gehen. „Da muss man als Speyerer schon schmunzeln. Aktuell war es in den vergangenen Wochen hier sehr regnerisch und stürmisch, aber selbst das hat im Kontext mit der irischen Landschaft seinen Reiz.“

Doch nicht alles ist die pure Idylle, als sie aus Speyer auf die Insel ziehen. Zwar verlieben sie sich „auf den ersten Blick“ in das neue Anwesen mit zwei Gebäuden und einem richtig großen parkähnliches Terrain. Sie können es aus dem Erlös für ihr Domizil am Rhein bezahlen. Die Vorbesitzerin, eine Innenarchitektin, hat es aber mit etwas Reparaturbedarf abgegeben. „In den ersten drei Jahren mussten wir viel Arbeit in das Anwesen stecken, um es auf Vordermann zu bringen wie es uns gefällt“, gesteht Mohler. Inzwischen seien das Wohnhaus und das Gästehaus mit zwei Zimmern, Küche und Bad für zwei Personen längst in gewünschten Zustand. Auch die neue Parkgestaltung sei abgeschlossen. „Das ist das Schöne hier. Es gibt keine Vorschriften im Detail. Sie können das selbst nach eigenen Vorstellungen entwickeln“, ist Mohler begeistert.

Hühner und zwei Katzen

Inzwischen hat das Ehepaar Hühner und zwei Katzen zu versorgen. Schafe, Rinder und Esel grasen auf Weiden nebenan. Bei der Wasser- und der Energieversorgung sind Mohlers autark, leben im Einklang mit der Natur. Gerade sei die Arbeit für dieses Jahr draußen fertig geworden. „Wir haben unseren Park winterfest gemacht und das Fundament für einen neuen Schuppen gebaut. Auch war unser Gästehaus noch belegt“, berichtet Mohler am Telefon. Das ganze Jahr über sei die Wohnung stark gefragt gewesen. Interessante Gäste aus Südamerika, Asien, Südafrika, Deutschland, Großbritannien und natürlich aus Irland seien abgestiegen, um den Reiz der Landschaft zu genießen. Auch Freunde und Bekannte aus der früheren Heimat würden gerne vorbeischauen. Sie bringen dann schon mal eine Flasche Pfälzer Riesling mit. Denn sowas bekommt das Ehepaar nicht in Irland. Und einfach an die Haardt oder in die Südpfalz zum Winzer fahren, ist jetzt nicht mehr drin.

Aber auch touristisch habe die Gegend um Cloghanaculleen einiges zu bieten: irische Dörfer mit kleinen Kirchen, die gerade in der Vorweihnachtszeit einen besonderen Charme besäßen. Der Strand, ein Leuchtturm, Schlösser, Seen und Touren mit dem Schiff aufs Meer, um Wale und Delfine vor dem Bug zu beobachten, gehörten dazu. „Wer hierherkommt, sollte schon eine kleine Tour unternehmen wollen“, sagt der 72-Jährige. „Die beste Reisezeit ist Juni“, ergänzt seine Gattin. Beide haben inzwischen neue Hobbys gefunden. Karin Mohler näht Taschen, die auf großes Interesse stoßen. Sie erwägt den Vertrieb über einen Laden. Ihr Mann baut detailgetreue Schiffsmodelle aus Holz.

Irische Kommunalpolitik kein Thema

Mitglieder in Vereinen seien sie noch nicht geworden. Die Kommunalpolitik sei kein Thema für sie. „Das war damals eine interessante, schöne Zeit in Speyer“, sagt Mohler. Aber das tue er sich nicht mehr an in seinem Alter. Vielmehr genössen sie die freie Zeit ohne Reglementierung.

Der Sohn, selbst Arzt in München, kann sie in diesem Jahr nicht besuchen kommen. „Er ist gerade Vater geworden. Das Baby ist noch zu klein für die Reise“, sagt der Opa. Doch dem Neugeborenen bleibt durchaus noch etwas Zeit. Opa und Oma wollen in Irland bleiben, möglichst irische Staatsbürger werden. Nach fünf Jahren sei das möglich. Reinhard Mohler gesteht: „Dass wir den Dom nicht mehr sehen, fehlt uns beiden schon manchmal.“ Wie reimten schon ironisch-wehmütig die „Bläck Fööss“ 1976 auf gälisch, pardon auf kölsch, in ihrem Spanienlied? „He fählt nur vum Balkon. Die Aussich op d’r Dom!“

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