Speyer Ausgelassene Fasnachtsfeiern: Frauennotruf warnt vor K. o.-Tropfen

Vorsicht, Falle: K. o.-Tropfen lassen sich spurlos in Getränke mischen. Daher sollte man sein Glas nie aus den Augen lassen.
Vorsicht, Falle: K. o.-Tropfen lassen sich spurlos in Getränke mischen. Daher sollte man sein Glas nie aus den Augen lassen.

Mit dem „Schmutzigen Donnerstag“ beginnt die heiße Phase der Fasnacht. Doch das ausgelassene Feiern birgt Gefahren, gerade für Frauen und Mädchen, warnt der Frauennotruf Speyer. Was den Mitarbeiterinnen besondere Kopfzerbrechen bereitet: K. o.-Tropfen.

„Das Tückische an dieser Droge ist, dass ihre Wirkung häufig mit zu viel Alkoholkonsum verwechselt wird“, sagt Ilga Schmitz, Beraterin beim Frauennotruf. Opfer von K. o.-Tropfen verhielten sich ähnlich als wären sie sturzbetrunken. Daher werde oft nicht erkannt, dass diese Substanzen im Spiel seien. Zudem seinen sie „nur sehr wenige Stunden im Blut nachweisbar“, erklärt Schmitz: „Das macht den sexualisierten Übergriff so perfide.“

Eingesetzt werden die sedierenden Mittel, die unter dem Begriff Knockout-Tropfen zusammengefasst werden, um mögliche Opfer zu betäuben und wehrlos zu machen. Häufig nutzen Straftäter diesen chemischen Deckmantel, um Diebstähle, aber auch Sexualdelikte zu begehen. K. o.-Tropfen sind farb- und geschmacklos und können daher spurlos in Getränke oder Speisen gemischt werden. Die meisten Opfer hätten hinterher Erinnerungslücken, sagt Beraterin Schmitz.

Bar, Betriebsfest, Fasnachtsparty

„Klassische“ Tatorte seien Bars oder Clubs, aber auch Betriebsfeste – und eben überschwängliche Feiern wie sie an Fasnacht üblich sind. Diese böten den Tätern viele Gelegenheiten, die schädlichen Mittel unbemerkt in ein Getränk zu träufeln. „Natürlich soll bei der Fasnacht ausgelassen gefeiert werden“, sagt Schmitz. Aber vor allem Frauen und Mädchen sollten auf ihre Gläser achten – und auch auf die Gläser ihrer Mitfeiernden.

Nur sehr wenige Betroffene würden Anzeige erstatten, berichtet Schmitz aus ihrer Beratungspraxis. Zum einen würden viele ihren „Filmriss“ auf ein Übermaß an Alkohol zurückführen. Zudem seien die Laboruntersuchungen von Blut- oder Urinproben, die für den Nachweis von K. o.-Tropfen notwendig seien, sehr aufwendig – und würden daher nicht von den Krankenkassen übernommen. Ausnahme: Sie werden von der Polizei angeordnet. Mögliche Opfer müssten daher die Tat anzeigen, was viele jedoch auch aus Scham nicht tun würden, sagt Schmitz. Es gebe daher leider keine verlässlichen Zahlen. „Die Dunkelziffer ist enorm hoch“, beklagt die Beraterin: „Leider auch in Speyer.“

Vorsicht beim Feiern

  • Achte auf dein Getränk und lass es im Zweifel stehen.
  • Wenn dir irgendwas komisch vorkommt und du dich unwohl fühlst, sprich Freundinnen an oder lass dich abholen.
  • Wenn du mit Freundinnen unterwegs bist, achtet aufeinander.
  • Verlasse einen Club oder eine Party, wenn du dich dort nicht sicher fühlst, am besten nicht allein.
  • Wenn du beobachtest, dass jemand etwas ins Glas gemischt wird, warne die Person.
  • Wenn du einen Filmriss hast oder andere Auffälligkeiten bemerkst, die du dir nicht erklären kannst, vertraue dich jemandem an.
  • Wenn du vermutest, unter K. o.-Tropfen vergewaltigt worden zu sein, wende dich schnell an eine Beratungsstelle, die Polizei oder ein Krankenhaus.
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