Speyer Auf die Einbürgerung eine Caipirinha

Herzlichen Glückwunsch: Oberbürgermeister Hansjörg Eger (CDU) gratuliert Miryan Kobori Belck aus Brasilien zur Einbürgerung.
Herzlichen Glückwunsch: Oberbürgermeister Hansjörg Eger (CDU) gratuliert Miryan Kobori Belck aus Brasilien zur Einbürgerung.

Für 35 Bürger in Speyer war gestern ein besonderer Tag. Sie stammen ursprünglich aus 22 verschiedenen Staaten. Am Nachmittag wurden sie alle zu Deutschen. Oberbürgermeister Hansjörg Eger (CDU) und Landesintegrationsministerin Anne Spiegel (Grüne) überreichten die Einbürgerungsurkunden samt Grundgesetz im Historischen Ratssaal.

Eine bunt gemischte Runde hatte sich in den Stuhlreihen niedergelassen. Viele Personen wurden ursprünglich viele tausend Kilometer von Deutschland entfernt geboren. Nur zehn kamen aus Europa. Miryan Kobori Belck hatte eine der weitesten Reisen hinter sich. Die 57-Jährige ist Brasilianerin. „Ich bin sehr, sehr froh, heute eingebürgert zu werden“, sagte sie und bekräftigte die Feststellung mit einem Kopfnicken. Ihr Mann Andreas Belck ließ auch keinen Zweifel: „Sie ist glücklich.“ Er selbst ist in Brasilien geboren und aufgewachsen. In dem südamerikanischen Land hat er seine heutige Frau auch kennen und lieben gelernt. 2015 kamen das Paar und die drei Töchter Yasmin Bianca (22), Stephanie (25) und Julia Natascha (18) nach Deutschland, direkt nach Speyer. „Deutschland hat uns super positiv überrascht“, betont Belck und begründet gleich, weshalb: „Wir hatten richtig Angst vor der Kälte – aber angesichts des Klimawandels ist es hier fast noch wärmer als in Brasilien. “ Kobori Belck hat gelernt, mit den Temperaturen in den Wintermonaten klarzukommen, wie sie sagt. Sie hat auch hart gepaukt, um möglichst schnell Deutsch zu lernen. „Ich habe bis zum C1-Kurs viel gelernt“, erzählt Kobori Belck. Dank des Lerneifers fällt es ihr nicht schwer, mit deutschen Landsleuten ins Gespräch zu kommen. Und sie unterstreicht: „Ich liebe Deutschland.“ Freunde hat sie nach eigenen Angaben schnell gefunden. An Speyer mag Kobori Belck zum Beispiel den Weg am Rhein entlang und den Dom. In Brasilien lebte sie mit ihrer Familie in Sao Paulo. „Dort ist ein Viertel der deutschen Einwohner in einer Stadt zu finden – so klein ist das“, warf ihr Mann verschmitzt ein. Offiziell hat Sao Paulo 12,1 Millionen Einwohner, ohne Dunkelziffer. Während Belck als Projektmanager bei SAP tätig ist, sucht seine Frau noch Arbeit. Ihr Beruf als Eventmanagerin ist in Deutschland anerkannt. Das Wichtigste für Kobori Belck ist, mit ihrer Familie dank Einbürgerungsurkunde nun eins zu sein. Alle anderen Familienmitglieder haben bereits den deutschen Pass. Gefeiert wurde gestern ganz brasilianisch – mit Caipirinha nach eigenem Rezept. Das feierliche Bekenntnis und die Nationalhymne wirkten gestern bei allen – ob aus Estland, Nigeria oder Vietnam – lange nach. Musikalisch begleitet wurde die Übergabe der Urkunden von Peter Seiler am Klavier.

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