Speyer
Andacht „Halte.Punkt.Kreuz“
Ganz kurzfristig musste des ersten Lockdowns wegen die für 14. März 2020 im Dom geplante Aufführung dreier Bach-Kantaten abgesagt werden. Es war die erste von unzähligen Absagen kultureller Veranstaltungen in Speyer. Am Samstag wurde eine dieser Kantaten bei der Andacht „Halte.Punkt.Kreuz“ quasi in der geplanten Besetzung nachgeholt: „Sehet, wir geh’n hinauf gen Jerusalem“ BWV 159. Und das exakt am 292. Jahrestag ihrer Uraufführung im alten Leipzig.
Das hochexpressive, kunstvolle und theologisch tiefgründige Werk greift unter anderem Choräle auf, die auch in der Johannes- und der Matthäus-Passion vorkommen. Sollte die Matthäus-Passion doch erst 1729 erstmals erklungen sein (dafür gibt es wieder Argumente), so war diese Kantate die letzte Figuralmusik in der Thomaskirche vor der Aufführung der „Großen Passion“. Bezüge gibt es.
„Ich will hier bei dir stehen“
So erklingt im zweiten Satz zu Worten der gläubigen Seele im Alt, die Jesu am Kreuz umfangen und in sich sein Grab bereiten will, die sechste Strophe des Chorals „O Haupt voll Blut und Wunden“, die mit den Worten „Ich will hier bei dir stehen“ beginnt. Aufgrund der Corona-Verordnung, wonach immer nur eine Stimme in der Kirche singen darf, wurde jetzt im Dom der Choral instrumentaliter ausgeführt. Die zweite Arie in dieser Kantate wiederum greift Jesu Wort am Kreuz „Es ist vollbracht“ auf. In der Johannes-Passion gibt es auch eine Arie über dieses „letzte Wort“ Jesu. Auch hier gab es jetzt eine Corona-bedingte, aber gemäß der flexiblen Besetzungspraxis im Barock völlig problemlose Veränderung: Das Oboensolo übernahm die Solovioline.
„Wenn wir in höchsten Nöten sein“
Teile der Kantate 17 „Wer Dank opfert, der preiset mich“ und zwei Choralvorspiele aus dem Orgelbüchlein „Wenn wir in höchsten Nöten sein“ und „O Lamm Gottes, unschuldig“ passten ebenfalls ideal in den Rahmen und geistlichen Sinnzusammenhang dieser Passionsandacht mit Generalvikar Andreas Sturm als Offiziant, der gemäß der einer Vorgabe des Rats der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) diese gottesdienstliche Feier im Gedenken an die Opfer der Corona-Pandemie hielt.
Interpreten waren die Sopranistin Anabelle Hund, der Altus Matthias Lucht, der Tenor Martin Steffan, der Bassist Lorenz Miehlich, Mitglieder des Ensembles „L’arpa festante“, Domkantor Joachim Weller als Leiter von der Truhenorgel aus und Domkapellmeister Markus Melchiori an der großen Domorgel.
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