Speyer „Am Ende sind sie alle tot“

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„Achtung, blutig! Nichts für schwache Nerven.“ Die Warnung auf der rückseitigen Hülle des Romans „Märchenblut“ ist durchaus gerechtfertigt. Unter dem Pseudonym Nadja Roth hat die Schifferstadterin Silke Rummel als Debüt einen wahren Reißer von über 400 Seiten verfasst.

Der im Selbstverlag erschienene Krimi um die übergewichtige Kommissarin Elli Werner mit dem gebrochenen Herzen hat ihren Angaben zufolge schon rund 6000 Leser gefunden. Derzeit arbeitet Rummel an Band zwei der Reihe, der in Speyer spielt. „Das musste mal raus, ich bin jetzt blutleer“, sagt Silke Rummel über „Märchenblut“. Wer mit der 1972 in Siegen geborenen Autorin spricht, mag kaum glauben, dass das Geschehen im Buch tatsächlich der verheirateten zweifachen Mutter entsprungen ist. Ähnlich wie bei den Krimi-Kollegen Ingrid Noll und Sebastian Fitzek deutet auch an Rummels Äußeren nicht das Geringste auf die Abgründe der Seele hin, in die sie ihre Leser stößt. Die Handlung von „Märchenblut“: Elli hat ihren Freund in flagranti mit einer Kollegin erwischt. Da kommt die Versetzung der Hauptkommissarin von Köln nach Ludwigshafen wie gerufen. Schon an ihrem ersten Arbeitstag wird in Schifferstadt eine nackte Frauenleiche im Wald entdeckt. Ein mysteriöses Zitat aus „Grimms Märchen“ auf einem Zettel in der Hand der Toten gibt den Polizisten Rätsel auf. Während weitere Frauen spurlos verschwinden, ermittelt Elli gemeinsam mit ihrem attraktiven Chef Tom Brunner in einem Wettlauf gegen die Zeit – und gerät selbst ins Fadenkreuz des Serienmörders. „Märchenblut“ beginnt mit einem Paukenschlag: die Schilderung, wie der psychopathische Killer ein Opfer mit Hilfe von Zement quält und tötet. Für Rummel bedeutet das Schreiben solcher Szenen „eine Art von Kontrolle über das Schreckliche, das in der Welt passiert, ein Ventil“. Dennoch sortiert sie sich genremäßig in den Kriminalroman, nicht in den Psychothriller ein. Trotz des Schauplatzes sei „Märchenblut“ kein typischer Regionalkrimi. „Das könnte überall spielen.“ Band zwei der auf fünf Bücher angelegten Reihe um Elli soll laut Rummel viel weniger blutig werden: Die von ihrem ersten Fall in der Pfalz traumatisierte Elli zieht nach Speyer um. Sie ist immer noch krankgeschrieben, kommt bei der Tante eines Kollegen unter. „Es ist eine umgebaute Garage“, erzählt die Schriftstellerin. Ein kleiner Seitenhieb auf die Speyerer Wohnungsnot. Die Kommissarin ermittelt auf eigene Faust. Allzu nett wird es wohl nicht werden. „Ich kann keine Liebesgeschichte schreiben, am Ende sind sie alle tot“, sagt die Autorin, die an der Hamburger „Schule des Schreibens“ – nach eigenen Angaben Deutschlands größte Autorenschule – ein Fernstudium absolviert hat. Die Idee zu ihrem ersten Krimi sei ihr während dieses Lehrgangs gekommen. Der geht davon aus, dass Schreiben teilweise erlernbares Handwerk ist. So hält Rummel die Charakteristika ihrer Figuren auf Karteikarten fest. Das geht bis hin zur Augenfarbe. Auch das Grundgerüst der Handlung von „Märchenblut“ habe von Anfang an festgestanden, so Rummel. Zwar sei ihr Debüt nicht perfekt, und das Rad habe sie auch nicht neu erfunden, doch „ich selbst finde mein Buch gut“, sagt die gelernte Hörgeräteakustikerin. Ihr Erstlingswerk zeichnet sich durch eine klare, gut lesbare Sprache aus. Lesezeichen Nadja Roth: „Märchenblut“. Erschienen bei „Books on Demand“, Norderstedt 2014. 444 Seiten, 13,99 Euro. ISBN 978-3-734-77633-5.

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