Speyer Alte Zeiten mit eigenem Geist

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Rock und Bluesrock wie aus guten alten Zeiten, aber reich durchsetzt mit dem Geist von Heute: Das hat das Trio Hundred Seventy Split am Mittwochabend in der Dudenhofener Festhalle geboten. Dass viele Fans gekommen waren, die die 50 längst überschritten haben, lag sicher am früheren Bassisten der Gruppe Ten Years After, Leo Lyons.

Auch ein alter Hase des Rock wie Lyons möchte nicht nur vom Glanz früherer Tage leben. Nach dem frühen Ausscheiden des vor drei Jahren gestorbenen Frontmanns Alvin Lee war Joe Gooch zehn Jahre Sänger und Gitarrist von Ten Years After. Vor zwei Jahren brach er gemeinsam mit Lyons zu neuen Ufern auf und gründete Hundred Seventy Split. Schnörkellos und grundehrlich kommt dieser Rock daher – nicht nur, wenn Damon Sawyer solide das Schlagzeug knüppelt. Dennoch geht es nicht darum, den Stil der Vorgängerband zu kopieren. Vielmehr haben die Songs einen eigenen Geist. Am ehesten lassen Goochs Soli an Alvin Lee denken. Auch der Jüngere versteht es, sich zu verbeißen, große Fahrt aufzunehmen und die Noten furios wirbeln zu lassen. Variantenreich zupfte er in Dudenhofen die Töne heraus und gab ihnen erregenden Drall. Leo Lyons war schon früher nicht unbedingt ein Mann der Gemütlichkeit. Auch am Mittwoch blieb er seinem druckvollen Stil treu und befeuerte Goochs Gitarrensoli mit prägnanten Kontrapunkten. Immer wieder lieferten die beiden sich wilde Duelle, in denen sie zwischen den Songzeilen nach Herzenslust jammten. Bei allem Elan genoss Lyons es sichtlich, die Fans glücklich zu machen: Unentwegt lächelte er ins Publikum. Seine Bässe wechselte er häufiger als der Gitarrist, um zum bluesigen Traditional „Devil To Pay“ gar den Kontrabass zu zupfen. „Going Home“ war ein großer Hit von Ten Years After, aber auch Hundred Seventy Split hatten einen Song gleichen Titels im Repertoire: einen schwer dampfenden Blues von glühender Schubkraft. Mit großer Beredsamkeit empfahl Gooch sich als instrumentaler Geschichtenerzähler. Verklärte Gesichter gab’s im Publikum, als mit „Good Morning, Little Schoolgirl“ ein Klassiker von Ten Years After zu hören war. Nicht minder prächtig war die Stimmung, als mit „Love Like A Man“ der nächste Hit folgte. Auch mit eigenen Songs konnte das Trio punkten: „Gonna Dance On Your Tombstone“ etwa und das countryselige „Tennessee Plates“. Restlos selig waren die Fans, als am Ende mit dem Original „Going Home“ alte Zeiten ekstatisch aufgepeitscht wurden.

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