Speyer „Alles nicht so wild“

Großer Vorteil in der Region: Die Bauern können ihre Felder bewässern. Otterstadt und Waldsee (dort entstand das Foto) sind an d
Großer Vorteil in der Region: Die Bauern können ihre Felder bewässern. Otterstadt und Waldsee (dort entstand das Foto) sind an den Beregnungsverband Vorderpfalz angeschlossen und beziehen das Wasser aus dem Otterstadter Altrhein. In den anderen Gemeinden ist größtenteils eine Bewässerung aus eigenen Brunnen möglich. Mancherorts gibt es lokale Bewässerungsverbände.

Alles nicht so wild, findet Franz Sternberger aus Waldsee. In diesem Jahr habe es in Waldsee 417 Millimeter Niederschlag gegeben, das seien 96 Prozent des langjährigen Mittels. Nur seien die Niederschläge ungleich verteilt gewesen. Das nasse Frühjahr sei gut für das Getreide gewesen. Kartoffeln, Gemüse und Zuckerrüben haben die Waldseer Landwirte beregnet. Neu war die Regelung des Beregnungsverbands Vorderpfalz, dass Wasser aufgrund der niedrigen Wasserstände im Altrhein während der Dürreperiode nur zu festgelegten Zeiten entnommen werden durfte. Nicht weil das Wasser knapp war, sondern um den Wasserdruck stabil zu halten (wir berichteten). Die Waldseer Landwirte durften von 18 Uhr bis 3 Uhr ihre Felder bewässern. „So vier bis fünf Stunden muss die Bewässerung schon laufen, das bringt dann etwa 20 Millimeter“, sagt Sternberger. Als Konsequenz sei er eben nachts noch mal auf dem Feld gewesen. „Ja, wir mussten uns bei der Bewässerungszeit einschränken, aber es hat funktioniert“, bestätigt Walter Flory aus Otterstadt. Das Wasser habe überall gefehlt. In der Niederung im guten Schwemmlandboden sei es nicht so schlimm gewesen, aber im sandigen Hochgestade habe man sogar Mais und Zuckerrüben bewässert. Auch Alois Henkel aus Hanhofen verweist auf große Unterschiede bei der Niederschlagsmenge in der Region: Es könne sein, dass es in Geinsheim schütte und in Hanhofen kein Tropfen ankomme. Ebenso gebe es Unterschiede in der Bodenbeschaffenheit. Leichte Sandböden wie in Hanhofen könnten das Wasser nicht gut speichern. „Ohne Beregnung gäbe es hier Totalausfälle“, sagt Henkel. „Die Beregnung läuft seit drei Monaten ununterbrochen“, sagt Bernd Hellmann aus Lingenfeld. Er könne es schon nachvollziehen, dass es hier keine Entschädigungszahlungen gebe, weil die Landwirte im Norden von Deutschland viel stärker betroffen seien. Er gibt aber zu Bedenken, dass die Bauern hier schon seit Jahren Kosten durch die Bewässerung haben, während es im Norden sonst immer genug Niederschläge gegeben habe. „Ohne Beregnung kann man in der Pfalz keine Kartoffeln und kein Gemüse anbauen“, sagt Walter Ackermann aus Schwegenheim. Es sei wichtig, dass der Acker gleichmäßig feucht sei, damit Nährstoffe aufgenommen werden können. Der Schwegenheimer baut auch Obst an. Seine Apfelbäume tragen dieses Jahr reichlich Früchte. Diese seien wegen des Wassermangels aber klein. Im vergangenen Jahr habe es dagegen durch Spätfröste große Ausfälle gegeben, erzählt Ackermann. Ludwig Herbel aus Römerberg hat als einziger der befragten Landwirte seine Kulturen überhaupt nicht bewässert, weil es sich bei Mais und Zuckerrüben nicht lohne. Die Bewässerung sieht er ohnehin kritisch, weil dadurch die Ackerpacht sehr teuer werde und ein „normaler Bauer“ nicht mehr überleben könne. Herbel hat bereits begonnen, den Mais zu dreschen. Die Bilanz ist ernüchternd: Auf schlechtem Boden hat er nach eigenen Angaben Ernteausfälle von 70 bis 80 Prozent, auf gutem Boden sind es rund 30 Prozent. Ähnlich werde es wohl bei den Zuckerrüben sein. Dass die betroffenen Landwirte hier keine Entschädigung bekommen, findet er nicht richtig. Die Vorsitzender der Bauernvereine in Dudenhofen und Harthausen waren in den vergangenen Tagen nicht zu erreichen.

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