Schwetzingen RHEINPFALZ Plus Artikel Alexander Lonquichs Klavierabend bei den Festspielen

Alexander Lonquich bei den Schwetzinger Festspielen
Alexander Lonquich bei den Schwetzinger Festspielen

Alexander Lonquich gab einen ebenso anspruchsvollen wie irritierenden Klavierabend bei den Schwetzinger SWR Festspielen.

Für sein Recital im Mozartsaal des Schwetzinger Schlosses wählt der aus Trier stammende Pianist, der sich als sensibler Kammermusiker im Duo mit dem Geiger Frank Peter Zimmermann eine internationale Reputation erspielte, ein ebenso komplexes wie musikalisch beziehungsreiches Programm, das von Carl Philipp Emanuel Bach über Schumann zu Liszt und Schönberg führt. Auflösungstendenzen der Dur/Moll-Tonalität spiegelt es ebenso wieder wie viele, auch unterschwellige Bezüge zum „Vanitas“-Motto der Festspiele.Ein solch ambitioniertes, mit Ausnahme von Schumanns „Davidsbündler Tänzen“ das Populäre meidende Programm hat außerhalb der SWR-Festspiele im Konzertleben Seltenheitswert. Auch Bachs rätselhafte fis-Moll-Fantasie ist eine Repertoireentdeckung, wobei gerade die rezitativischen Passagen unter den Händen des Pianisten mehr Ausdrucksvaleurs verdient hätten.

Dass es vom Spätwerk von Franz Liszt zu Schönberg nicht weit ist, unterstreicht Lonquich mit dem bruchlosen Übergang von Liszts „Bagatelle ohne Tonart“ zum zweiten Klavierstück Schönbergs aus op.11, einem Werk, bei dem der Komponist erstmals den konsequenten Schritt zur „Freien Atonalität“ ging. Dass der Ton des Pianisten indes oftmals spröde, wenig differenziert klingt, das Klangfarbenspektrum eingeschränkt erscheint, verwundert besonders, da Lonquich sich einen Teil seiner Reputation als klangsensibler, nuancierter Künstler erspielte.

„Was bin ich“

Das Dunkele der Liszt’schen „Bagatelle“ liegt im eher, ebenso wie er dem „sanften“ Ostinato von op. 11,2 mehr als einem Hauch von Bedrohlichkeit beigibt. Dass er Schönbergs Original die „Konzert-Bearbeitung“ von op. 11,2 durch Ferruccio Busoni gegenüberstellt, erweist sich als einer der Höhepunkte des Abends. Busoni, bedeutend als Komponist und Theoretiker, galt als der größte Pianist seiner Zeit. Mit relativ geringen Eingriffen in den Notentext verstärkt die Bearbeitung die Aussagekraft des Originals.

Ausdrucksmäßig sehr konzentriert, ja zugespitzt erklingt Liszts „Csárdás obstinée“ die nicht nur klanglich weit ins 20. Jahrhundert vorausweist. Bei „Vallée d'Obermann“ aus den „Années de pèlerinage“ von Liszt steht die Melancholie im Vordergrund, ausdrucksmäßig eng mit dem „Vergänglichkeits“-Motto der Festspiele verwandt. Dass um sich Kreisende der Frage „was bin ich“ löst Liszt im einem grellen Fortissimo-Ausbruch auf, den Lonquich bis an die Grenzen der Belastbarkeit des Flügels steigert. Dass in der Pause der Klavierstimmer eine Menge Arbeit hat verwundert nicht.

Überschwang und Innerlichkeit

Schumanns „Davidbündler-Tänze“ prägt die Dualität der musikalischen Doppelidentität von Florestan und Eusebius, zwischen Überschwang und größter Innerlichkeit pendelnd. Während Lonquich bei den lyrischen Passagen zu beachtlicher Ausdrucksdichte findet, irritieren die bis zum Klirrigen übersteigerten dynamische Attacken auf den Flügel erneut. Die fast zwanghaft wirkende Wucht seines Spiels löst sich indes beim zugegeben zweiten Impromptus von Chopin. Hier zeigt sich der zuvor oft vermisste sensible Klangkünstler.

Info

Ein Mitschnitt des Klavierabends läuft auf SWR 2 am Montag, 22. Mai, ab 20.05 Uhr.

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