Speyer Afrikanische Hitze bei Fest der Kulturen
„Aux Champs-Elysées“: Auf der Pariser Prachtstraße, die der Singkreis der Speyerer Bibliothèque française auf der Bühne im Weidenberg-Garten besingt, feiern die Speyerer ihr drittes Fest der Kulturen nicht. Aber wie im Lied gibt es auch dort „alles was ihr wollt“. Der Besucher-Andrang lässt zwar etwas zu wünschen übrig, Motivation und Idealismus der Mitwirkenden stört das aber nicht. Ruandische Hitze herrscht am Stand der Initiative „Intima mu Ruanda – Herzen für Ruanda“. Selbst aus afrikanischen Stoffen hergestellte Nilpferde, Giraffen oder Elefanten und praktische Brotzeit-Taschen präsentiert die Burgfeld-Schulmanufaktur dort. Gleich daneben steht Mila Staenglen am Stand der „Bolivien-Brücke“. Im August fährt die 20-Jährige für die Freiwilligen-Initiative für ein Jahr in das südamerikanische Land. Sie wolle in einem Kulturzentrum arbeiten, berichtet sie. Aber auch Europa ist auf dem St.-Guido-Stifts-Platz vertreten. „Pulse-of-Europe“-Initiator Bernd Rückwardt eröffnet das Fest mit Oberbürgermeister Hansjörg Eger (CDU), den „Marching Bones“ der Musikschule, Beteiligten und Besuchern. Sie spielen und singen die Europa-Hymne „Ode an die Freude“. Am Stand der Europäer gibt es blaue Freundschaftsbänder und viele Informationen. Eger begrüßt den Stadtvorstand, Stadträte, Nachbarn, Alteingesessene und Neuspeyerer. Besonders hebt er die fortschreitende Begrünung des Platzes hervor, über die auch derzeit noch viel diskutiert wird. „Bis etwas wächst, braucht man Geduld“, zitiert der OB die Experten vom Stadtgrün. Dort einen urbanen Stadtgarten anzulegen, sei jedoch zu aufwendig, sagt Eger und weist damit entsprechende Vorschläge zurück. Das alljährliche Motto des Fests lautet „Vielfalt tut gut“. Sie geht durch den Magen. Couscous-Salate sind beim deutsch-afrikanischen Freundeskreis „Onuado“ und beim türkischen Kulturverein zu haben, kleine (Okashi) und große (Mochi) Süßigkeiten bei „Kopf hoch Japan“, der russische Brottrunk „Kwas“ bei der Partnerstadt Kursk. Ravennaten bieten traditionelle Kuchen und Pizza an. Beim Freundeskreis Gniezno gibt es Suppe und Süßes aus der polnischen Küche. Elisabeth Rossato vom Freundeskreis Speyer-Ningde hat chinesische Teedosen und Nibelungen-Kräutertees wie „Krimhilds Versuchung“ oder „Siegfrieds Leidenschaft“ im Angebot. Wer lieber eine deutsche Bratwurst möchte, kann sich bei der „Currysau“ bedienen. Die Bahai-Gemeinde aus Speyer-Nord ist zum ersten Mal dabei. „Das Fest ist unser Thema. Wir wollen alle Kulturen zusammenführen und Vielfalt fördern“, erklärt Ellen Skupin. Die deutsch-arabische Musikgruppe „Habibis“ singt dazu. Leonhard Cohens „Halleluja“ schallt vom Weidengarten herüber, als Günter Grünenthal die Vision des Weltladens von fairen Arbeitsbedingungen und menschenwürdigem Umgang miteinander in einer gerechten Welt bei fair gehandeltem Kaffee vorstellt. Vielfalt ist auch beim Beirat für Migration und Integration angesagt. Zahlreiche Mitglieder tragen mit ihrer Begrüßung in vielen Sprachen zum Gelingen des Fests bei. Shirts mit Logo teilt der Arbeitskreis Asyl aus. Am Stand der Steuerungsgruppe „Speyer ohne Rassismus – Speyer mit Courage“ lassen sich Frauen ihre Hände mit Henna verschönern. „Ich bin so froh, dass alle Kinder trotz der Hitze gekommen sind“, sagt Frank Arbogast, Leiter von „Zwanzig10 Jugendkultur Speyer“, und lobt seine kleinen Tänzer. Mit der Aussicht auf ein kühlendes Eis legen sie kurz darauf einen fetzigen Hip-Hop-Tanz aufs Pflaster. „Die angekündigte Turmbesteigung fällt aus Sicherheitsgründen aus“, sagt Luise Gründer, Mitglied der katholischen Gemeinde St. Bernhard. Beim zweiten Fest der Kulturen seien Selfies in luftiger Höhe gemacht worden. Die Gefahr der Fotos mit dem Smartphone hätten den Programmpunkt unmöglich gemacht. „Als Ersatz gibt es Kuchen und Orgelspiel in der kühlen Kirche“, verspricht sie.