Speyer
AfD-Kandidat: „Ich bin mir für nichts zu schade“
Er lege es nicht darauf an, eine Reizfigur zu sein, betont Benjamin Haupt. Der 44-Jährige ist seit Jahren Kreis- und Fraktionsvorsitzender der AfD in Speyer und weiß, dass er polarisiert. Viel Feind, viel Ehr? Nein, ihm wäre lieber, wenn auch mit seiner Partei mehr geredet würde in Speyer, sagt Haupt. Es hätten sich – teilweise unnötig – „Fronten aufgebaut“, aber auf Angriffe müsse er auch mitunter scharf reagieren. Mehrfach kam es im Stadtrat etwa zu Wortgefechten zwischen Haupt und Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD). Nun tritt Haupt zum dritten Mal als Direktkandidat für den Landtag im Wahlkreis Speyer an und hat mit Listenplatz acht gute Chancen, in das Parlament einzuziehen.
„Es wird dann wohl noch mehr Dreck über mich ausgekübelt werden“, sagt er auf die Frage, was sich für ihn als Parlamentarier ändern würde. Er stünde dann noch stärker „im Feuer“. Er selbst würde mit Mandat kein anderer, denn politische Anträge seien schon länger sein Metier, bis vor Kurzem als leitender Mitarbeiter im Büro der Bundestagsabgeordneten Nicole Höchst (AfD, Speyer). Haupt ist bald nach Gründung der AfD 2013 in die Partei eingetreten und zum Kreisvorsitzenden in der Domstadt gewählt worden. Nach der Landtagswahl 2016 wurde er auch beruflich für die Partei tätig, zunächst als Fahrer und Personenschützer des damaligen Landesvorsitzenden Uwe Junge.
Jobs in Sicherheitsbranche
Der gebürtige Speyerer hat Konditor gelernt und später in verschiedenen Bereichen gearbeitet. Er nennt vier Jahre Bundeswehr als wichtige Station, außerdem sechs Jahre, in denen er teilweise in Vollzeit seine kranke Großmutter gepflegt habe. In dieser Zeit sei seine Enttäuschung über bestimmte gesellschaftliche Entwicklungen, gerade im Umgang mit älteren Menschen, gewachsen. Nach dem Tod der Oma sei er als Expedient, Lagerleiter sowie als Personen- und Werkschützer in der Sicherheitsbranche wieder ins Berufsleben eingestiegen. Seine Erfahrungen daraus und aus der Zeit beim Militär hätten ihm dann auch bei der Organisation von Veranstaltungen als Landessicherheitsbeauftragter der AfD geholfen.
Er stehe hinter dem 15-Punkte-Programm, mit dem seine Partei in den Landtagswahlkampf zieht, betont Haupt. Das reicht von der Abschaffung des Rundfunkbeitrags bis zur „Abschiebeoffensive“, auf die er besonders hinweist: Ausreisepflichtige und schwer kriminelle Migranten müssten konsequent abgeschoben werden – „für Ruhe und Frieden“, aber auch zum Schutz vorbildlicher Migranten, „die sich hier etwas erarbeitet haben“. Er sei zur AfD gekommen, als diese noch Kritik am Euro als Schwerpunkt hatte, berichtet der ledige Speyerer. Seither sei ihm wichtig, „auf allen Ebenen Einblicke zu haben, um zu wissen, ob ich die jeweiligen Ziele vertreten kann“.
Selbsturteil: Heimatverbunden
Haupt ist geblieben und greift zu Rückfragen, wenn er auf die Einstufung seiner Partei als in Teilen gesichert rechtsextrem angesprochen wird: „Wie definiert man rechtsextrem?“ Er weise das für den rheinland-pfälzischen Landesverband zurück. Er selbst bezeichnet sich als heimatverbunden. „Ich habe liberale, aber auch konservative Vorstellungen.“ Er sei ein Demokrat auf dem Boden der Verfassung. Er sehe eine stabile Familie als „kleinste Zelle des Staates“ und wehre sich dagegen, dass Patriotismus teilweise stigmatisiert werde. Für seinen Landesverband schließe er auch aus, dass systematisch „Vetternwirtschaft“ betrieben werde, um die es in aktuellen Schlagzeilen geht. Wenn vereinzelt Angehörige von Abgeordneten als Mitarbeiter angestellt seien, leisteten diese seriöse Arbeit und hätten es nicht verdient, zum Gegenstand von „Wahlkampfgetöse“ zu werden.
Er sei „mit Herz und Enthusiasmus dabei“, sagt Haupt über sein politisches Wirken. In die Parteiverantwortung sei er „reingewachsen“. „Ich bin mir für nichts zu schade“, betont der Koch- und Technik-Fan. Er wolle nicht nur in Wahlkampfzeiten Präsenz zeigen und nah an der Basis sein. Dass er mit einem „Kältebus“ Obdachlose unterstützt habe, nennt er als Beispiel für sein Augenmerk auf „das Soziale“. Das komme ihm in der heutigen Gesellschaft „viel zu kurz“. Hauptzielgruppe dabei: „Die Leute vor Ort, nicht die halbe Welt.“