Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Achtung, die Radler kommen!

In Speyer werden mehr Radwege als früher auf die Straße geleitet: Hier ein Beispiel aus der Else-Krieg-/Paul-Egell-Straße.
In Speyer werden mehr Radwege als früher auf die Straße geleitet: Hier ein Beispiel aus der Else-Krieg-/Paul-Egell-Straße.

Schon lange werden Verbesserungen für Radfahrer in Speyer gefordert. Viele Vorschläge des Radverkehrskonzepts von 2016 sind noch nicht umgesetzt. Dennoch tut sich etwas auf den Straßen. Angepackt wurden jetzt drei Maßnahmen, bei denen es immer wieder Unklarheiten zu den Regeln gibt.

1. Fahrradstraßen

Die Premiere dieser Verkehrsform, bei der Drahtesel Vorfahrt haben, gab es 2019 in der Vincentiusstraße. Eröffnung damals: mit dem Start des Stadtradelns. So soll es auch in diesem Jahr in der Mühlturmstraße sein, die die Stadt am 4. September parallel zur sportlichen Beteiligungsaktion freigeben will. Markiert und beschildert wurde dort bereits in den vergangenen Tagen – wobei die Verwaltung auf Anfrage betont, dass die Vorbereitungen noch nicht abgeschlossen sind. Einige Markierungen fehlen, andere sind zu viel. Unter den schon installierten Fahrradstraßen-Schildern verwundert etwa der Zusatz „Anlieger frei“, denn eigentlich dürfen auch Fahrradstraßen von jedem befahren werden.

„Diese Beschilderung war eine ursprüngliche Idee, um die Verkehrsbelastung etwas geringer zu halten“, erläutert die städtische Klimaschutzmanagerin Fabienne Körner. Nun habe sich jedoch gezeigt, dass diese Regelung „nicht ohne Weiteres“ umzusetzen und einzuhalten wäre – unter anderem handelt es sich um die Zufahrt zu einem öffentlichen Parkhaus. Die Verwaltung will deshalb in den kommenden Tagen „nachjustieren“. Körner: „Vermutlich wird die Anlieger-Beschilderung dann gänzlich entfallen.“

Die Vorschlagsliste für weitere Fahrradstraßen in Speyer ist lang. Zweirad-Lobbyisten wünschen sich immer wieder mehr Tempo bei deren Ausweisung seitens der Stadt. Eine weitere Strecke im Umfeld der Mühlturmstraße könnte in diesem Jahr vielleicht noch an die Reihe kommen, berichtet Körner. Sie hat festgestellt: „Allgemein herrscht zum Thema Fahrradstraße des Öfteren Unsicherheit in der Bevölkerung.“ Sie betont, dass in diesen die allgemeinen Verkehrsregeln gelten, es jedoch Zusätze gibt wie: „Keine Behinderung des Radverkehrs durch andere Verkehrsteilnehmer, mit Ausnahme von Fußgängern.“

2. Radwege auf die Straße

Nicht alle Radwege in Speyer sind breit und sicher genug. Aus diesem Grund gibt es die Empfehlung, darauf zum Teil zu verzichten und Radfahrer auf der normalen Fahrbahn „mitrollen“ zu lassen. Stellen, an denen Radwege mit roter Markierung auf die Straße geführt werden und enden, gibt es schon in der Schützenstraße, Iggelheimer Straße oder Wormser Landstraße. Jetzt kommen weitere Strecken hinzu: In der Paul-Egell-Straße und in der Burgstraße werden Radwege auf die Straße geleitet. Stadt-Sprecherin Lisa Eschenbach: „Durch die Tempo-30-Anordnung ist es nun möglich, dass auch der Radverkehr die Fahrbahn nutzt.“ Die für den Radweg freigegebenen Gehweg-Bereiche blieben für unsichere Radler dennoch erhalten. „Hier haben jedoch Fußgänger Vorrang.“ Bei Facebook fürchten Nutzer schon Unfälle und kommentieren mit Blick auf die Paul-Egell-Straße ironisch: „Das Krankenhaus ist ja nicht weit.“

3. Gegenläufiges Fahren in Einbahnstraßen

Auch hierzu hat die Stadt in den vergangenen Jahren erfahren, dass teilweise mehr gefordert wird, als rechtlich möglich ist. Es gelten exakte Regeln, wie breit eine Straße sein muss, damit sie für Radler gegen die Einbahnrichtung freigegeben werden darf. Die Stadt: „Generell sind dabei drei Meter, bei Linienbus- oder stärkerem Lkw-Verkehr mindestens 3,50 Meter nötig.“ Weil das gewährleistet ist, sind jetzt in Speyer-Nord weitere Straßen in diesem Sinne gekennzeichnet worden: „Hierzu zählen unter anderem die Straßen Am Anger, Kiefernweg und Maulbeerstück. Damit sind in Speyer-Nord 14 von 16 vorhandenen Einbahnstraßen für den gegenläufigen Radverkehr freigegeben.“

RHEINPFALZ-Kommentar von Patrick Seiler

Bringschuld für Radfahrer

Wenn sich Verkehrsregeln ändern, müssen viele Speyerer ihre Gewohnheiten ändern. Es ist dringend nötig.

Der Autofahrer, vor dem plötzlich ein Radler auf die Fahrbahn einschert, wird davon nicht in allen Fällen begeistert sein. Solange es der Radfahrer ordnungsgemäß tut, ist das aber natürlich völlig in Ordnung. Aufgrund der ummarkierten Straßen könnte es in Speyer derzeit des Öfteren zu solchen Situationen kommen.

Umgekehrt sind auch die Radfahrer in der Pflicht. Auch die lautesten Verfechter der „Fahrradstadt Speyer“ gestehen ein, dass zu viele Drahtesel-Fans einfach fahren, wie sie wollen, und damit sich und andere in Gefahr bringen. Wenn nun die Bedingungen für sie verbessert werden, sind sie auch in der Bringschuld, um auf mehr Akzeptanz zu stoßen.

Ja, Speyers Straßen werden fahrradfreundlicher – langsam zwar, aber steter Tropfen höhlt bekanntlich den Stein. Und nein, das, was sich tut, ist nicht überzogen, sondern angemessen.

Zwischenstand der Markierung in der Mühlturmstraße: Zusatzschild kommt vielleicht weg.
Zwischenstand der Markierung in der Mühlturmstraße: Zusatzschild kommt vielleicht weg.
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