Speyer
Abteilungen für E-Sport? Das sagen die Vereine rund um Speyer dazu
In der großen Nachwuchsabteilung des FC Speyer 09 ist das Publikum für die FIFA-Zocker vorhanden. „Wir haben uns noch nicht mit dem Thema auseinandergesetzt“, sagt Sebastian Ebeling, Jugendkoordinator vom FCS. Er verweist aber darauf, dass einige zur Dietmar-Hopp-Stiftung gehörende Vereine sich bereits dem Thema angenommen hätten. „Wir müssen uns einfach auch mal gemeinsam abstimmen“, sagt Ebeling und berichtet, dass sich der nicht nur aus Sportspielen bestehende Fachbereich im Nachwuchsbereich noch nicht entscheidend durchgesetzt habe. „Ich spiele auch an der Konsole, aber die Emotionen auf dem Platz sind mir lieber“, betont er, und verweist auch darauf, dass im Verein noch das Wissen fehle, um so eine Abteilung aufzubauen. „Es geht dann auch um finanzielle Mittel, da gibt es auch Hürden in der Gesellschaft. Es wird wohl noch dauern, bis die kleinen Vereine auf das Pferd aufspringen.“
Als Denkanstoß nutzte der Vorsitzende des FV Dudenhofen, Roland Klaus, das Gespräch mit der RHEINPFALZ. „E-Sport hatten wir bislang gar nicht auf dem Schirm. Wir haben 20 Jugendteams. Da ist auch noch keiner von den Spielern an uns herangetreten“, erklärt Klaus, der aber keinesfalls ausschließen will, dass der Fußball-Oberligist ein solches Projekt in Angriff nehmen würde. „Wir sind nach allen Seiten offen. Ich bin mir sicher, dass die Jugendlichen das interessant finden könnten“, erklärt er und will in den vereinsinternen Gremien das Thema E-Sport ansprechen.
„Körperliche Aktivität im Vordergrund“
Beim Judo-Club Speyer ist neben Karate, der Kampfkunst Aikido, dem Vorschulsport, Reha-Sport, der Selbstverteidigung und den sportartübergreifenden Angeboten für das Thema E-Sport allerdings noch kein Platz. „Bislang haben wir uns noch gar nicht mit dem Thema beschäftigt“, sagt der Vorsitzende Michael Görgen und verweist darauf, dass sein Verein gerade die Bewegung fördern möchte. „Bei uns steht die körperliche Aktivität im Vordergrund“, sagt Görgen. Dennoch sieht er den E-Sport durchaus als Leistungssport, für den ebenfalls Training notwendig sei. „Sport ist für mich aber die gesamtheitliche Bewegung, die körperliche Aktivität“, stellt er fest. Dennoch sagt Görgen, der als Lehrer arbeitet, dass seine Schüler durchaus mit dem E-Sport vertraut seien und auch Übertragungen im Fernseher verfolgen.
Beim TuS Mechtersheim ist der E-Sport noch kein Thema. „Wir wissen, dass es in Heiligenstein jemanden gibt, der als TuS Mechtersheim spielt. Der soll auch recht erfolgreich sein“, erzählt Dieter Demmerle, der Zweite Vorsitzende des Vereins. Obwohl sich der TuS für den Computersport offen zeige, habe man im Verein noch nicht darüber nachgedacht, eine solche Abteilung zu gründen. „Wir in der Führung sind aus dem Alter raus. Es ist aber auch noch niemand auf uns zugekommen“, sagt Demmerle.
Zur Sache: Ist das Sport oder nicht?
Ist Spielen am Computer Sport oder nicht? Das ist eine viel diskutierte Frage. Jedenfalls hat der organisierte Sport via Computerspiel, der E-Sport, noch keine Anerkennung als Sport durch den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) erhalten. Auch die Politik hat sich mit dem Thema schon beschäftigt – und positive Signale an die Konsolensportler gesandt. In anderen Ländern (Südkorea, USA und Frankreich) ist die Sportart bereits anerkannt. E-Sport wird immer populärer. Volle Stadien, Preisgelder in astronomischer Höhe und Live-Fernsehübertragungen gibt es. Ebenso kontinentale Wettkämpfe und Weltmeisterschaften, Bundesligen und kleinere Turniere. Es entsteht ein Terminkalender wie auch in vielen anderen Sportarten.
Bereits lange vor der Jahrtausendwende gab es Computerwettkämpfe, die zumeist im Mehrspielermodus ausgetragen wurden. Betrieben wurden diese auf dem PC und Spielekonsolen. E-Sport ist nicht nur auf Sport-simulationen beschränkt, sondern umfasst auch die Genres Jump & Run, Handygames, Shooter- und Strategiespiele. Übertragen werden im Sportfernsehen vor allem Turniere der Fußballsimulation FIFA. Dort engagieren sich auch viele Bundesligisten.
Doch es gibt auch Gegner des E-Sports. Die Fanszene des Rekordmeisters FC Bayern München kritisierte deshalb die Macher des Klubs mit aussagekräftigen Plakaten.
In der Pfalz ist E-Sport keineswegs breit aufgestellt. Beim 1. FC Kaiserslautern denkt man zwar über den E-Sport nach, zu einer Gründung einer eigenen Abteilung hat das allerdings noch nicht geführt.