Speyer Abschied vom Himmelstelefon: Was man im Sekretariat des Christkinds erlebt

Christkind-Sekretärin: Christa Kiefer am Himmelstelefon.
Christkind-Sekretärin: Christa Kiefer am Himmelstelefon.

Das Himmelstelefon auf dem Speyerer Weihnachtsmarkt ist eine echte Besonderheit. Der direkte Draht zum Christkind steht seit fast 20 Jahren, erfährt jetzt aber eine Änderung.

Es war wieder eine tolle Saison am Himmelstelefon: Als am Freitag die letzten Geschenkwünsche diktiert waren, wurde im Sekretariat des Christkinds kräftig durchgeatmet. Der Zulauf an der blauen Telefonzelle hatte in den vergangenen Jahren zugenommen. Teilweise bildeten sich Schlangen aus Kindern und ihren Eltern, wenn von 15 bis 17 Uhr Wünsche entgegengenommen wurden. Die Aktion – für viele Familien eine zusätzliche Motivation zum Weihnachtsmarkt-Besuch – war 2006 in einer Kooperation der RHEINPFALZ mit dem Schaustellerverband Speyer entstanden.

Die RHEINPFALZ, die die Anrufe protokollierte, muss sich im kommenden Jahr aus organisatorischen Gründen leider aus der Beteiligung zurückziehen. Der Schaustellerverband würde die Aktion jedoch gerne beibehalten, sagt Geschäftsführerin Anja Ruppert-Keller, die zusammen mit ihrem Team das Himmelstelefon jahrelang betreut hat. Nach dem diesjährigen Markt werde das in Gesprächen mit der Stadtverwaltung zum Thema gemacht. Es geht um Personal für das Christkind-Sekretariat und einen Weg, um die Wünsche der Kinder zu veröffentlichen.

Mehr als zehn Jahre im Dienst

Besonders lange treue Dienste am Himmelstelefon geleistet hat RHEINPFALZ-Mitarbeiterin Christa Kiefer: Mehr als zehn Jahre lang hat sie – unterstützt von Kolleginnen und Kollegen – mit wahrer Engelsgeduld die Wünsche entgegengenommen. Sie muss schmunzeln, wenn sie von ihren Erinnerungen berichtet: „Die meisten Kinder, die anriefen, waren sehr lieb.“ Kleinere Kinder hätten wissen wollen, wie das Christkind aussieht. Andere hätten angekündigt, den Himmelsboten zu besuchen. Sie habe sich ihre Antworten auf solche Ansinnen immer gut überlegen müssen, erzählt die Speyererin.

Besonders rührend sei oft gewesen, wenn die Kinder keine materiellen Wünsche hatten, sondern auf dem Umweg übers Christkind ihrer Familie Gutes wünschten. „Andere hatten Wünsche wie Frieden für die ganze Welt“, berichtet Kiefer. Anrufer zwischen drei und fünf Jahren seien hingegen teilweise zu schüchtern gewesen, um ihre Wünsche durchzugeben. „Andere riefen ihre Wünsche gleich ins Telefon, wollten Namen und Alter aber nicht nennen. Manchmal sind die Eltern hilfreich eingesprungen.“

Bericht über Wichtel Pepe

Es gab viele lustige Begebenheiten. Gerade am Freitag, dem letzten Aktionstag 2025, war da etwa das Mädchen, das sich vom Christkind wünschte, dass sein entlaufener Kater zurückkommt. Kurz darauf rief ein anderes Mädchen gleich dreimal an – zweimal, um seine Wünsche durchzugeben und einmal, um ein bisschen vom Advent zu berichten. Da sei bei der Familie nämlich ein Weihnachtswichtel eingezogen, der Pepe heiße. Wenn nicht schon die nächsten Kinder gewartet hätten, hätte das Christkind sicher auch alle Streiche des Wichtels erfahren.

Wieder muss Christa Kiefer aus dem Christkind-Sekretariat schmunzeln. Der Dienst dort sei anstrengend gewesen, aber sie habe ihn immer gerne versehen, betont sie. Besonders stolz ist sie darauf, wie sie zusammen mit einem Jungen die Störung eines Anrufs unterbunden hatte. Das Durchgeben der Wunschliste war nämlich durch Klopfen von außen an die Glasscheibe der Telefonzelle erschwert worden. Kiefer bat den Anrufer: „Sag’ ihm bitte, er soll damit aufhören.“ Die Reaktion hörte sie genau: „Das Christkind hat gesagt, dass du damit aufhören sollst.“ Der Störenfried sei auf der Stelle ruhig gewesen – und ein friedliches Weihnachten konnte kommen ...

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