Speyer
Abfallwirtschaftshof: Neue Theke für Elektroschrott
„Heizdecke, auch schön“, sagt Jürgen Wölle und schmunzelt. Ein älterer Speyerer lädt immer mehr alte Elektrogeräte auf die Theke, die in einem angemieteten Zelt auf dem Abfallwirtschaftshof der Entsorgungsbetriebe Speyer (EBS) am Sonnenberg eingerichtet wurde. Werkleiter Wölle ist zufrieden mit der zum Jahresanfang neugeregelten Annahme von Elektrogeräten. Die Bürger dürfen ihre ausrangierten Geräte nicht mehr selbst sortieren, sondern müssen sie geschultem Personal übergeben. Zwei der vier Container, auf die die einzelnen Sammelgruppen aufgeteilt werden, sind seither abgesperrt. Alle Kunden müssen sich an der Theke melden, deren Überdachung im Lauf des Jahres noch vom Zelt zur festen Installation werden soll.
„Jeder Zweite, der auf den Abfallwirtschaftshof kommt, gibt Elektrogeräte ab“, sagt Daniel Hofmann. Er ist einer der sechs Mitarbeiter und an diesem Tag zusammen mit Sascha Andrejic im Zelt zuständig. Die Umstellung sei bislang gut gelaufen, sagt er. Der Betrieb werde aber noch zunehmen, wenn die Grünschnitt-Saison beginnt und die Bürger neben Ranken und Rasenresten auch Rasierapparate und Reiskocher vorbeibringen. Die Liste mit Elektro- und Elektronik-Altgeräten ist lang, sagt Wölle. Einige Positionen überraschen, neben der Heizdecke etwa manche Scheckkarten, medizinische Sonden, Möbelstücke mit eingebautem Licht oder blinkende Turnschuhe. Der Werkleiter ist kein Freund dieser Sneaker: „Stellt uns logistisch vor Herausforderungen.“ Er rät zu „verantwortungsbewusstem Einkaufen“.
Viele kleine Geräte
193,5 Tonnen Elektroschrott sind im vergangenen Jahr am Abfallwirtschaftshof abgegeben worden. Wölle ist gespannt, ob das neue System dabei für signifikante Änderungen sorgt, weiß aber, dass es auch in der Vergangenheit schon Schwankungen gab. 2024 waren es 196,9 Tonnen gewesen, 2023 mit 187,2 Tonnen vergleichsweise geringe Mengen. Die Erfassung und Annahme erfolgt dabei getrennt nach den Sammelgruppen Wärmeüberträger (1), Bildschirme/Monitore (2), Lampen (3), Großgeräte (4), Kleingeräte (5) und Photovoltaikmodule (6). Bundesweit entfielen rund 50 Prozent der Abholvorgänge auf Gruppe 1.
Mit dem Inkrafttreten der strengeren Rücknahme-Regeln im bundesweiten Elektro- und Elektronikgerätegesetz hat die Arbeit für das EBS-Team in Speyer zugenommen. Die geschulten Mitarbeiter sortieren das, was vorher einfach von den Bürgern abgestellt wurde. Wenn noch Akkus oder Batterien darin sind, müssen sie diese gleich ausbauen. Ausnahme: größere Geräte mit Kantenlängen über 50 Zentimeter. Hofmann hat ständig den Schraubendreher in der Hand und findet jeden noch so versteckten Energielieferanten in den Plastikgehäusen. Dieser kommt dann je nach Typ in verschiedene Boxen. Die immer wieder enthaltenen Glühbirnen sind Restmüll. „Wäre schön, wenn die Kunden das alles schon zu Hause rausholen würden“, so Wölle.
Bisher erledige das Bestandspersonal die zusätzliche Arbeit mit, es sei jedoch abzuwarten, ob das ausreicht, erklärt Wölle. Der öffentlich-rechtliche Entsorger ist zur kostenfreien Rücknahme der Geräte verpflichtet, ebenso wie neuerdings alle Handelsbetriebe, die sie verkaufen. Für sie gelten neue Beschilderungsregeln, sodass mehr Kunden auch auf sie zukommen und die EBS dann wieder ein Stück weit entlasten könnten. „Wir hoffen, dass die Lasten möglichst gleichmäßig auf mehrere Schultern verteilt werden“, sagt Wölle. Kosten, die an den EBS hängen blieben, müssten auf die allgemeinen Müllgebühren umgelegt werden. Der weitere Weg der eingesammelten Geräte sei über die Stiftung Elektroaltgeräteregister organisiert. Einige Kleingeräte könnten in Eigenregie verwertet werden, weil es Betriebe gebe, die dafür wegen der enthaltenen Kupfer- und Wertstoffreste Geld bezahlten.
Sicherheit soll zunehmen
Mehr Wiederverwertung ist eines der Reformziele, mehr Sicherheit ein anderes. Stichwort: Brandgefahr. E-Zigaretten mit verbauten Akkus stellen dabei eine besondere Gefahr dar. Sie sind bei Entsorgungsbetrieben regelrecht gefürchtet. Bisher seien sie allzu oft fälschlicherweise im Restmüll gelandet. „Sie können etwa durch die Kräfte in den Sammelfahrzeugen beschädigt werden und Feuer fangen“, beschreibt Wölle eine Gefahr. Dank Daniel Hofmann und Sascha Andrejic ist diese gebannt: Gewissenhaft bauen sie Akkus aller Art aus und lagern sie sicher. Werkleiter Wölle ist wieder zufrieden: „Toi, toi, toi, hatten wir noch keinen Brand hier.“