Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel 56-jähriger Dudenhofener leistet Bundesfreiwilligendienst bei der Caritas

Ist unter anderem am Empfang des Caritas-Zentrums in Neustadt tätig: Stephan Abel.
Ist unter anderem am Empfang des Caritas-Zentrums in Neustadt tätig: Stephan Abel. Foto: Caritas/Yvette Wagner

In der Regel sind es junge Menschen, die sich für einen Bundesfreiwilligendienst (BFD) entscheiden. Auf Stephan Abel aus Dudenhofen trifft das nicht zu. Mit seinen 56 Jahren gehört er vermutlich zu den ältesten BFDlern. Das hat einen Grund.

Dudenhofen/Neustadt. Bernhard Kleins Arbeitgeber hatte ihm angeboten, vorzeitig in den Ruhestand zu gehen. Das war allerdings an eine Auflage geknüpft: Der gelernte Fernmeldehandwerker sollte sich mindestens ein Jahr lang sozial engagieren. „Das fand ich gut“, sagt Abel. Er entschied sich für einen Bundesfreiwilligendienst, der allen offen steht – eine Altersgrenze nach oben gibt es nicht. Häufig leisten ihn junge Menschen nach der Schule, um Erfahrungen in der Berufswelt zu sammeln oder Zeit bis zur Ausbildung oder bis zum Studium zu überbrücken.

Kleine Küche eingebaut

Abel bewarb sich bei verschiedenen Stellen, beim Caritas-Zentrum in Neustadt war seine Hilfe willkommen. Seit November vergangenen Jahres unterstützt der Dudenhofener das Personal bei „allem, was geht“. Er übernimmt Hausmeistertätigkeiten, Kopierarbeiten und Botengänge. Seine handwerklichen Fähigkeiten waren gefragt, als Räume renoviert werden mussten. In der Außenstelle Bad Dürkheim baute er zudem eine kleine Küche ein. Der 56-Jährige ist jedoch überwiegend in der Verwaltung tätig, ist beispielsweise am Empfang eingesetzt.

Gegenseitiger Respekt ist Abel besonders wichtig: „Ich behandele andere so, wie ich selbst behandelt werden möchte.“ Auch soziales Engagement gehöre zu seinem Leben dazu, sagt Abel, der sich in zwei Vereinen ehrenamtlich einbringt. Auch die letzten zweieinhalb Jahre seiner Berufstätigkeit waren von sozialer Arbeit geprägt.

Abels Unternehmen lieh ihn an das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) aus. Sein Einsatzort war die Heidelberger Erstaufnahmeeinrichtung, wo er Asylanträge aufnahm. „Ich habe dort sehr viel Respekt erfahren, von Flüchtlingen und vom Personal.“ In der Einrichtung des BAMF hätte er gerne weitergemacht, wie er erzählt. Aus arbeitsrechtlichen Gründen sei das jedoch nicht möglich gewesen. Da traf es sich für Abel gut, dass ihm sein Arbeitgeber mit dem Vorruhestandsprogramm eine Alternative anbot.

Das Caritas-Zentrum zehrt von dem Wissen und der Lebenserfahrung, die Abel in seine freiwillige Tätigkeit einbringt. Gleichzeitig lernt auch der 56-Jährige noch dazu, beispielsweise in den Seminaren, die im BFD vorgesehen sind. Themen waren bisher unter anderem politische Bildung oder Stressbewältigung. Abel bewegte sich für einen Workshop zudem in einem Rollstuhl durch Mannheim, um sich in die Lage von Menschen mit Behinderung hineinversetzen zu können.

Eine Sache stört Abel am BFD

„Der Bundesfreiwilligendienst prägt die Menschen“, meint Abel. Für ihre Tätigkeit würden die Teilnehmer Wertschätzung und Respekt erfahren. „Das ist ein sehr hohes Gut“, betont Abel. Er schätzt die Arbeit mit Menschen und die Chance, trotz Ruhestands die Verbindung zum Arbeitsleben halten zu können. Deshalb hat er seinen Dienst um ein halbes Jahr verlängert.

Eine Sache stört den Dudenhofener am Bundesfreiwilligendienst allerdings sehr: „Ich muss fünf Jahre warten, bevor ich wieder einen Bundesfreiwilligendienst beginnen darf. Das finde ich absolut ungerecht.“ Er könne und wolle helfen, dürfe jedoch nicht. Er nehme niemandem einen Job weg, erklärt er. Es gebe zudem noch zahlreiche BFD-Stellen, die noch unbesetzt seien. „Aber mir und anderen wird es verwehrt.“ Fest steht: Abel möchte auch nach dem BFD, der höchstens anderthalb Jahre dauern darf, weiter für das Caritas-Zentrum Neustadt tätig sein. Beim Leiter Johannes Keuck hat er schon angefragt. Jetzt gilt es, eine Lösung zu finden. |rhp/arh

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