Speyer 15 Lehrer und ihr wertvoller Dienst
Der Schlüssel zur Integration ist die Sprache. Das ist hinlänglich bekannt, wird immer wieder angemahnt und ist mittlerweile auch gesetzlich verankert. Asylbewerber in Aufnahmeeinrichtungen für die vorübergehende Erstunterbringung (AfA) haben keinen Anspruch auf Deutschkurse, ihre Kinder keinen auf Schulbesuch. Unterricht erhalten Bewohner der Speyerer AfA dennoch.
Für die Sprachstunden hat sich Dagmar Regel seit der Eröffnung der AfA am 24. September 2015 eingesetzt. Die frühere Lehrerin an der Woogbach-Grundschule hat ein Konzept entwickelt, Lehrpläne aufgestellt und Bücher auf Spendenbasis angeschafft. Gestern hat sie den Sprachunterricht gemeinsam mit dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) vorgestellt, das mit dem Betrieb der AfA beauftragt ist. Klaus-Peter Wresch, Vorsitzender des DRK Speyer, berichtete von einer 8000-Euro-Spende des Speyerer Lions-Clubs, die auf dem Spendenkonto zur Förderung der Flüchtlingsarbeit eingegangen sei. „Mit rund 5000 Euro davon wurde die Anschaffung neuer Festplatten und Sprach-Software sowie 600 Lehrbücher finanziert.“ Unter anderem seien 50 von der Polizei gestiftete Computer aufgerüstet worden. An ihnen könnten auch Asylbewerber mit guten Deutschkenntnissen selbstständig weiterlernen. Unterrichtsmaterial zur Alphabetisierung arabischer Flüchtlinge sei ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der inzwischen täglich angebotenen und zeitlich nicht begrenzten Kurse für Kinder und Erwachsene, betonte Petra Klipp, pädagogische Leiterin der AfA. „Wir sind froh, dass wir mit dem Geld Bücher für Syrer, Afghanen, Iraner, Iraker und auch für afrikanische Flüchtlinge aus Somalia und Eritrea kaufen können“, sagte sie. Ziel sei es, den Asylsuchenden zu einem guten Start in Deutschland zu verhelfen, so Klipp. Auch die Verständigung zwischen Flüchtlingen und Mitarbeitern habe sich seit Beginn des Projekts grundlegend verbessert. Die Nachfrage nach Plätzen im Deutschkurs sei groß. Inzwischen blieben die Asylbegehrenden bis zu einem halben Jahr in der AfA, bevor sie einer Kommune zugewiesen würden. „Die Zeit wollen wir nutzen.“ Zwei hauptamtliche und 13 ehrenamtliche Lehrer unterrichteten derzeit täglich im Obergeschoss des ehemaligen Casinos der Kurpfalzkaserne. Seit September hätten rund 850 Kinder und Erwachsene an den Kursen teilgenommen. 1829 Flüchtlinge habe die AfA seit Eröffnung aufgenommen. Aktuell lebten 324 Flüchtlinge in der Einrichtung, rund ein Drittel davon seien Kinder. Jeder regelmäßige Kursteilnehmer erhalte ein Zertifikat, wies Klipp auf einen weiteren Vorteil für die Flüchtlinge hin. Ein 14-jähriger Syrer habe mit der Kurshilfe seine Zulassung in ein Gymnasium geschafft. Für Regel ist wichtig, dass „jedes Kind lesen und schreiben lernt“. Dafür sei die Einstellung einer zusätzlichen Lehrkraft nach den Sommerferien geplant. (kya)