Speyer Übersetzung steht noch aus

Soll vor zu viel Andrang geschützt werden: die Mikwe, das rituelle jüdische Tauchbad.
Soll vor zu viel Andrang geschützt werden: die Mikwe, das rituelle jüdische Tauchbad.

Nach der erwarteten Zustimmung von Kultur- und Hauptausschuss und der abschließenden Befürwortung des Stadtrats müsse der zweiteilige Antrag ins Englische übersetzt werden, erklärt der städtische Pressesprecher Matthias Nowack. Er stellte gestern den Ablauf der kommenden Wochen und Monate vor. Bis Anfang nächsten Jahres muss der Antrag eingereicht sein. Ausgangspunkt für die Bewerbung sei die Ausstellung „Europas Juden im Mittelalter“ gewesen, die im Historischen Museum 2004 gezeigt worden sei, berichtet Nowack von der Initialzündung. Die Beteiligten hätten das Land schnell von der Idee überzeugt, betont Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD). Speyer trägt mit der nahezu vollständig erhaltenen Mikwe, dem rituellen jüdischen Tauchbad, und den Resten der 1104 eingeweihten Synagoge zu den einzigartigen baulichen Zeugnissen jüdischen Lebens im Mittelalter bei. Speyer, Worms und Mainz gelten als Wiege des aschkenasischen (mittel-, nord- und osteuropäischen) Judentums. Auf der Unesco-Vorschlagsliste zur Aufnahme ins Weltkulturerbe stünden die drei Schum-Stätten an fünfter Stelle, informiert Nowack. „Wir sind in der engeren Wahl und bleiben optimistisch“, sagt Seiler. Der jetzt vorliegende zweiteilige Antrag beinhaltet das unter Federführung des Landes erarbeitete Nominierungsdossier und den vom Schum-Verein entwickelten, rund 500 Seiten umfassenden Managementplan. Darin enthalten sei auch der „sanfte Umgang mit Tourismus“, erklärt Seiler. In enger Zusammenarbeit mit dem Verkehrsverein solle – abhängig von der Titelvergabe an die Schum-Stätten – ein Besucherzentrum eingerichtet werden, das beispielsweise die relativ kleine Mikwe vor zu viel Andrang schützen solle. Seit Jahrzehnten kümmert sich der Verkehrsverein ehrenamtlich um Pflege und Verwaltung des Judenhofs, auf dem seit dem 9. November 2010 auch das „Museum Schpira“ mit beheimatet ist. Zur Antragszustimmung des Stadtrats gehöre die Verpflichtung, das Kulturgut zu schützen, betont Seiler. Damit verbunden sei, finanzielle und personelle Mittel bereitzustellen. Derzeit zahlt die Stadt 30.000 Euro jährlich an den Schum-Verein. Unabhängig davon, zu welchem Ergebnis die Unesco-Kommission in eineinhalb Jahren komme, soll die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten über diesen Zeitpunkt hinaus fortgeführt werden, betont Seiler. „Wir gehen fest davon aus, dass wir den Titel erhalten.“ Um Speyerern das zum Greifen nahe zweite Weltkulturerbe – der Speyerer Dom steht seit 1981 auf der Unesco-Liste – schon vor der Entscheidung im Sommer 2021 näher zu bringen, plane die Stadt mit der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz im kommenden Jahr „Jüdische Kulturtage“, kündigt Nowack eine Kultur- und Vortragsreihe an. Derzeit führten Vertreter der Schum-Städte Kooperationsgespräche. „Die Arbeit der vergangenen vier Jahre war schon ein großer Erfolg, auch in der Außenwirkung“, berichtet Nowack von hoher Sensibilität der Bevölkerung für das Thema „Juden in Speyer“.

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