Speyer Überall für Mitmenschen im Einsatz
Bei wolkenlosem Himmel, bis über 30 Grad im Schatten und laut Deutschem Wetterdienst sehr hohen UV-Werten haben sich gestern Mitglieder zahlreicher Organisationen beim sechsten Tag des Rettungswesens auf dem Parkplatz des Technik-Museums präsentiert. An Ständen gab es Informationen über die Arbeit der Helfer und bei Vorführungen bekamen die Besucher Einblicke in Abläufe bei Einsätzen.
Viele Gäste schauten sich die Vorführungen der Rettungshundestaffel des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Neustadt und der Hundestaffel des Polizeipräsidiums Rheinpfalz an. DRK-Staffelleiterin Cynthia Gresser moderierte die Auftritte von fünf Helfer-Hund-Teams. „Es sind die selben Geschicklichkeitsaufgaben, die wir für Einsätze üben“, sagte sie. Dazu zählten Läufe über horizontale „Leitern“ und Wippen. Grundsätzlich eigneten sich alle Hunderassen für die Arbeit als Spürhund („Mantrailer“) oder Flächensuchhund, sagte Gresser der RHEINPFALZ. Gestern waren die Rassen Husky, Elo, Flat Coated Retriever und Bayerischer Gebirgsschweißhund sowie ein Mischling vertreten. Anlässe für Einsätze in der Vorderpfalz und im Pfälzerwald sind nach Angaben der Staffelleiterin meist Vermisstenfälle – vom Senior bis zum Kleinkind, vom Pilzsammler bis zum Selbstmordgefährdeten. Wer Interesse als Rettungshundeführer habe, könne sich bei Gresser melden (rhs@drk-neustadt.de). Auf einen erfolgreichen Eignungstest folge eine relativ zeitaufwendige Ausbildung. Volker Claus, der Leiter der Hundestaffel der Polizei, erklärte die Situationen, die seine fünf Kolleginnen und Kollegen mit ihren Hunden der Rassen Deutscher Schäferhund, Holländer Herder und Malinois darstellten. Das Repertoire war umfassend: die Unterordnung eines Tieres unter sein Herrchen respektive Frauchen, das Aufspüren eines einzigen Tropfens Benzins auf einer Rasenfläche, das Erschnüffeln einer großen Bargeldmenge („es ist echt, aber wertlos“) in einem Koffer, das Verbellen eines Verdächtigen inklusive Festbeißens in einen (geschützten) Arm. Kurzfristig angekündigt zeigten auch Polizei-Ausbilder des Zentrums für Einsatz- und Schießtraining in Enkenbach ihr Können. Andre Rohde, stellvertretender Leiter der Truppe, demonstrierte mit mehreren Kolleginnen und Kollegen die Festnahme eines aggressiven Zaungasts, die Abwehr eines Angreifers und die Trennung von Streihähnen. Dabei kamen, wie Moderator Dieter Weber sagte, „einfache, aber effektive Techniken“ – Griffe und Hebel – zum Einsatz. Bei einem Messerangriff werde aber gleich zur Pistole gegriffen und das Ablegen der Stichwaffe gefordert. „Mit einem ,Kung Fu’-Griff kommt man gegen ein Messer nicht an“, meinte Weber. Außenstellenleiter Hans-Josef Weiß (Frankenthal) sowie Angelika Wöhlert und Sigrid Horländer informierten erstmals bei einem Tag des Rettungswesens über die Arbeit des Opferhilfevereins Weißer Ring. „Wir arbeiten ehrenamtlich, sind aber zur Verschwiegenheit verpflichtet“, sagte Horländer. Häufige Anlässe für ein Hilfegesuch seien häusliche Gewalt und Sexualdelikte, informierte Wöhlert. „Wir beraten und begleiten Verbrechensopfer“, teilte sie mit. Mit 14 Helfern und drei Fahrzeugen war das Technische Hilfswerk (THW) trotz Nachteinsatzes bei einem Großbrand dabei. Die Vorführung einer Trümmerrettung fiel aus Sicherheitsgründen – Stichwort Übermüdung – aus, wie Gruppenleiterin Nicole Lutz sagte. Bei der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) wurden für Wachdienste im Binsfeld so viele Mitglieder gebraucht, dass das Dunkingboard-Spiel gestrichen wurde, informierte Sprecher Robert Tiesler. Er und seine Mitstreiter informierten etwa über die Tauchausbildung. Reger Betrieb herrschte im Blutspendebus des DRK. Mitarbeiter Michael Jäger erwartete bis zum Abend bis zu 40 Spender. Das DRK, die Johanniter, Polizei und Feuerwehr zeigten verschiedene Einsatzfahrzeuge. Carmen Werre. die Organisatorin vom Technik-Museum, freute sich über den „sehr guten Zuspruch“ für die Veranstaltung. Besondere Vorfälle habe es keine gegeben, auch hätten keine Retter zu einem Einsatz ausrücken müssen. Sie lobte die THW-Helfer für ihre Beteiligung trotz des vorausgegangenen Ernstfalls.