Speyer / Frankenthal / Ludwigshafen
Öffentliche Trinkwasserspender kommen nur tröpfelnd
Im Vergleich zur Bilanz in Ludwigshafen und Frankenthal – bis dato null öffentliche Wasserspender – ist die Situation in Speyer komfortabel. Vier Anlagen sind inzwischen in Betrieb: 2019 kam die erste am Geschirrplätzel in Dom-Nähe als Spende der Stadtwerke, inzwischen sind weitere am Berliner Platz, auf dem Platz der Stadt Ravenna sowie auf dem Alla-hopp-Spielplatz im Einsatz – gut verteilt in den Stadtteilen West, Süd und Ost. Zwei weitere kommen auf dem Gelände der Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende mit 1400 Bewohnern hinzu, das nicht öffentlich zugänglich ist.
Bei dieser Ausstattung soll es nicht bleiben, wenn es nach der Stadtpolitik geht. Drei Fraktionen haben einen beschleunigten Ausbau beantragt. „Viel zu wenige“ Trinkwasserbrunnen gebe es in der Stadt, so ein CDU-Sprecher. Die Stadt und die Werke prüfen aktuell, ob Standorte hinzukommen oder bestehende Brunnen umgerüstet werden können. Nach der Premiere 2019 habe zunächst die Pandemie ausgebremst, so die Stadtwerke, die jeweils um die 10.000 Euro investiert haben. Im Rathaus ist man stolz auf die Erleichterungen in der Kommune, die künftig mit den bundesweit meisten Hitzetagen für Schlagzeilen sorgte. Per Pressemitteilung wurde dafür geworben, mit ihrer Nutzung „einer Dehydrierung oder anderen gesundheitlichen Beeinträchtigungen wie einem Sonnenstich oder einen Hitzeschlag“ vorzubeugen.
Die EU treibt an
Die Bemühungen stehen im Einklang mit der EU-Trinkwasserrichtlinie. Sie verpflichtet Mitgliedstaaten, Bürgern im öffentlichen Raum Zugang zu qualitativ hochwertigem Trinkwasser zu ermöglichen. Seit Januar sind deutsche Kommunen gesetzlich dazu angehalten – sofern technisch machbar und dem lokalen Bedarf entsprechend – Trinkwasserbrunnen aufzustellen. Das Land hat bereits 2019 ein Förderprogramm namens „100 Trinkwasserbrunnen für Rheinland-Pfalz“ aufgelegt. Einem Zuschuss von 4000 Euro stünden Kosten von 7000 bis 15.000 Euro gegenüber, heißt es aus Mainz.
Die Kosten spielen tatsächlich eine Rolle, heißt es in Ludwigshafen, wo die Kommune besondere Sparauflagen erfüllen muss: „Auch wenn dies wünschenswert wäre, besteht vonseiten der Stadt derzeit kein finanzieller Spielraum, Trinkwasserbrunnen zu erstellen“, so Verwaltungssprecher Christophe Klimmer. Der Aufwand sei nicht ohne: Die Wassersysteme müssten auf ihre Tauglichkeit hin geprüft, womöglich ausgebaut und technisch unterhalten werden. Hohe Hygieneauflagen machten eine regelmäßige Beprobung notwendig. Trotz eines Antrags der Linken im Ortsbeirat Nord gebe es derzeit keine Ausbaupläne.
Frankenthal hat schon Ideen
Auch in Frankenthal macht die Kommunalpolitik Druck – und hier bewegt sich etwas: Auf Anfrage der SPD hat die Verwaltung Anfang Juli in Aussicht gestellt, dass der erste Brunnen 2024 stehen soll. Eigen- und Wirtschaftsbetrieb (EWF) und Stadtwerke sollen Kosten und Aufwand prüfen, man hofft zudem, von der Landesförderung profitieren zu können. Denkbar seien solche Wasserspender am Rathausplatz, außerdem will man nach Umbauten am Hauptbahnhof ebenso wie im Ostpark ein Modell installieren. Auch die 14 öffentlichen Brunnenanlagen in Frankenthal, die über Sommer in Betrieb sind, werden laut Stadt mit Trinkwasser gespeist. Ausguss und Leitungen entsprächen aber nicht den Vorgaben für den Konsum.