Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Sperrung der Salierbrücke: Tag eins bewältigt

Großes Medieninteresse: Ein Kameramann filmt das Aufstellen der Absperrung am Lußhof.
Großes Medieninteresse: Ein Kameramann filmt das Aufstellen der Absperrung am Lußhof.

Zwischen 9 und kurz 12 Uhr wurden am Montag in zwei Schritten die Fahrspuren der Salierbrücke gesperrt – für jetzt 26 Monate.

Montagmorgen, 8.30 Uhr: Bei der Annäherung an die Salierbrücke aus Richtung Germersheim auf der B 9 wenig Neues: Am Straßenrand sind die in den vergangenen Tagen noch als ungültig markierten Hinweisschilder auf die Brückensperrung und die Umleitung im Richtung Heidelberg nun „scharf gestellt“. Ihre Aufschriften gelten jetzt. Je näher es an die Rheinbrücke herangeht, umso mehr fallen Fahrzeuge der Straßenbaubehörde mit Kennzeichen KA sowie Autos der Baufirma BWS aus Heidelberg auf. Der „normale“ Verkehr ist schon deutlich dünner geworden. Im Autoradio ist erstmals bewusst der Hinweis auf die Sperrung im Verkehrsfunk zu hören.

Test für die Ampel

Zwei Fahrräder rollen über die Brücke – eins ins Badische, eins von dort in die Pfalz. Auf der Brücke wird gerade die Ampel getestet, die den Shuttlebus-Verkehr künftig stoppt, wenn ein Einsatzfahrzeug über die Brücke freie Fahrt braucht. Arbeiter in Warnwesten stehen auf dem umgebauten Parkplatz Lußhof, auf dem die Shuttles ankommen und wegfahren. In der eisigen Morgenkälte stapft schon ein Kamerateam in Richtung Brücke – wohl um Bilder vom erwarteten Stau zu schießen. Noch ist die Brücke offen. Die Rückfahrt klappt ohne Probleme – noch.

Die Navi-App meldet plötzlich: Brücke gesperrt

9.45 Uhr: Anfahrt nach Speyer über die A 6 aus Richtung Mannheim. Die Navi-App auf dem Smartphone, die den Autofahrer die ganze Zeit über noch über die Salierbrücke schicken wollte, meldet sich plötzlich: „Die B 39 bei Speyer ist gesperrt. Sie werden über A 61/B 9 umgeleitet.“ Gesagt, getan. Wie gewohnt geht es beim Autobahndreieck Hockenheim von der A 6 auf die A 61. Auch dort sind sie nun deutlich zu sehen: die Hinweisschilder auf die Brückensperrung. Auf dem Autobahnschild an der Ausfahrt zur L 722 ist „Speyer“ dick in Rot durchgestrichen. Also weiter geradeaus, in Richtung Kreuz Speyer, dann runter auf die B 9 und weiter in die Domstadt. Staus oder viel Verkehr: zu diesem Zeitpunkt Fehlanzeige.

Drei Pendelbusse im Einsatz

Drei Stunden später sind sie am Domplatz angekommen, die Kameras der Fernseh-Kollegen. Gleich zwei Teams haben ihre Geräte eingeschaltet, um Fahrgäste der Kleinbusse zu filmen, die den öffentlichen Nahverkehr über die Brücke aufrecht erhalten. Drei Minuten ist ihre planmäßige Fahrzeit vom Lußhof zum Kreisel vor der protestanischen Kirchenverwaltung. Vier Fahrgäste steigen aus, dann steht Wartezeit an. Im 20- bis 30-Minuten-Takt geht es je nach Bedarf über die Brücke. Drei Fahrzeuge sind heute im Einsatz, zwei sollen es immer mindestens sein. Die Herxheimer Firma Hetzler hat sich den Auftrag gesichert und dafür blütenweiße neue Sprinter angeschafft.

"Wie eine Sightseeing-Tour"

Gerade mal 200 Kilometer hat das Gefährt auf dem Tacho, das sich um Punkt 12 Uhr in Richtung Baden in Bewegung setzt. Drinnen: zwei ältere Frauen, zwei Pressevertreter und der Fahrer („Busfahrer haben keinen Namen“). Draußen: die zwei Kamerateams. Renate Schreiber nimmt den Medientrubel gelassen. Sie wird am Lußhof in den regulären Linienbus in Richtung Ketsch umsteigen, wo sie herkommt. „Die Fahrt dauert auch in normalen Zeiten lang, das ist für mich wie eine Sightseeing-Tour“, sagt sie und lacht. In Speyer hatte sie einen Arzttermin, kommt aber auch gerne zum Einkaufen. „Schwetzingen ist unattraktiv, hier ist’s wie Urlaub.“ Die erste Shuttle-Fahrt bringt keine Probleme mit sich, die ihr den Weg verleiden würden. Die zweite Frau kommt aus Hockenheim.

Polizei: "Leute waren gut informiert"

Von 4.45 Uhr bis nach Mitternacht tun fünf Busfahrer im Wechsel Dienst. Am ersten Tag haben sie frühmorgens gut zu tun und dann wieder nach Schulschluss. Dazwischen ist viel Warten angesagt und Zeit für Auskünfte. „Wie ist drüben der Anschluss“, will eine Frau wissen, die ihren Kopf aus der Kälte hereinsteckt. „Wann fahren Sie nach Altlußheim in das Loch rüber“, fragt danach ein Mann und verspricht dem Chauffeur drei Brezeln. „Ich bin nicht bestechlich“, sagt der grinsend und dreht den Zündschlüssel. Um 16 Uhr setzt sich in der Maximilianstraße eine „Krad-Streife“ – Polizisten auf dem Motorrad – in Bewegung. Die Speyerer Polizeiinspektion will an diesem Tag besonders schnell erfahren, ob es im Stadtgebiet irgendwo stockt. Bis 17.30 Uhr sind keine Probleme an die Zentrale durchgefunkt. „Die Leute waren gut informiert“, urteilt der stellvertretende Dienstgruppenleiter Martin Mechnig. „Es war nicht so, dass sie zum Schauen hingefahren sind.“ Von Verkehrsbehinderungen ist bis dahin nichts bekannt. Am Morgen ist die Brücke an diesem Tag ausnahmsweise noch offen, erst ab dem späten Vormittag geht gar nichts mehr. Am heutigen Dienstag werde vor allem der Berufsverkehr zwischen 7 und 8 Uhr zur Nagelprobe, ob alles reibungslos läuft, sagt Mechnig. Mit den Erfahrungen vom Montag tendiere er dazu zu sagen, dass es nicht so heftig wird, wie teilweise erwartet.

"Berufsverkehr ruhig verlaufen"

Entspannt sind am Abend des Auftakttages der Sperrung auch die Beamten in der Polizei-Dienststelle Hockenheim. „Die Tatsache, dass wir bis jetzt in der Sache noch keinen Einsatz hatten, zeigt, dass der Berufsverkehr am Feierabend in Richtung Pfalz auf unserer Seite ruhig verlaufen ist“, sagt ein Sprecher am Telefon um 18.15 Uhr. Eine zufriedene Bilanz von Tag eins der Brückensperrung zieht auch Thomas Wachter. Der Geschäftsführer der verantwortlichen Baufirma Rhein-Neckar GmbH mit Sitz in Heidelberg meldet keine Probleme vom Einsatzort seiner Mitarbeiter im Schatten des Domes. „Nachdem unser Projektleiter von der Baustelle zurückgekommen ist, kann ich Ihnen berichten, dass der Start erwartungsgemäß verlaufen ist – trotz der widrigen Witterungsverhältnisse mit Temperaturen von minus 6 Grad.“ Nach seinen Angaben ist die notwendige Verkehrssicherung am Ende des Tages aufgebaut. „Heute beginnen die Fräsarbeiten.“

Jetzt ist es soweit: Stephan Voskuhl stellt die Ampel auf rot.
Jetzt ist es soweit: Stephan Voskuhl stellt die Ampel auf rot.
Gesperrt: Schilder in Speyer.
Gesperrt: Schilder in Speyer.
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