Speyer Otterstadt: Ein Fest für einen Vogel
Weißstorch Thilo aus der Gemeinde hat einen Sender angelegt bekommen. Das wurde am Samstag im Schulhof groß gefeiert.
Ungefähr 50 Gäste begrüßte Otto Berthold, Vorsitzender des Vereins für Heimatpflege und Naturschutz Otterstadt (VHNO), am Samstagmittag zum „Storchenfest“. Er bedankte sich bei den Spendern, die den Großteil der 2300 Euro für die Anschaffung und den Betrieb des 25 Gramm schweren Senders aufgebracht haben. Den Restbetrag hat der Verein übernommen. Doch ob das Gerät überhaupt einem der beiden Jungstörche angelegt werden kann, war da noch nicht sicher. „Der Storchennachwuchs muss groß und kräftig genug sein“, sagte Christiane Hilzendegen, frühere langjährige Leiterin des Storchenzentrums der Aktion Pfalzstorch in Bornheim. „Der Tierschutz geht vor“, fügte sie hinzu. Die Aktion Pfalzstorch koordiniert die sogenannte Besenderung von Jungvögeln. „Circa 110.000 Euro sind dafür in den vergangenen fünf Jahren investiert worden“, teilte Hilzendegen mit.
Hoch zum Nest gestiegen
Wolfgang Fiedler, Leiter der Beringungszentrale an der Vogelwarte Radolfzell, sollte am Samstag dem Otterstadter Storch den Sender anlegen, der Signale von GPS-Satelliten zur Positionsbestimmung nutzt. „Wir haben heute schon fünf Jungstörche besendert“, sagte der promovierte Biologe im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Nach Stationen in der Südpfalz und dem Stopp in Otterstadt sollten an dem Tag dann noch 13 weitere Weißstörche mit einem solchen Gerät ausgerüstet werden. Dazu bestimmt, die beiden Otterstadter Jungstörche in ihrem Nest zu begutachten und den stärkeren der beiden herauszuholen, war jedoch ein anderer: Christian Reis, Leiter der Storchenscheune in Bornheim. Er hatte schon bei seiner Ankunft am Schulgebäude einen Klettergurt angelegt. Nach der Begrüßung der Gäste durch den VHNO-Vorsitzenden Berthold, stieg Reis erst die vielen Treppenstufen und dann noch eine lange Leiter im Dachstuhl der Schule bis zum Storchennest hinauf. Unten im Hof wartete neben mehreren Dutzend Gästen auch Thilo Toelle, der in der Gemeinde als „Storchenvater“ bekannt ist. „Das ist jetzt die vierte Brut auf der Schule seit 2016“, sagte Toelle. Er erwartet, dass die beiden Jungstörche in zwei Wochen ausfliegen. „Die kommen dann nicht mehr zum Nest zurück, sondern schließen sich mit anderen Störchen zu einem Pulk zusammen. Oft ziehen sie weg, zu den Queichwiesen bei Offenbach. Ende Juli, Anfang August fliegen sie dann nach Afrika“, berichtete Toelle.
Storchenbeobachtung per App
Der „Storchenvater“ vom VHNO war 1999 beim Nestbau auf dem Schulhaus beteiligt. Doch lange Zeit ließ sich dort kein Storchenpaar nieder. „Störche wollen Gesellschaft, aber in der Nähe gab es die noch nicht“, wusste Toelle. Mehr als 50 Jahre war es zu diesem Zeitpunkt schon her, dass „Meister Adebar“ zuletzt auf dem Schulgebäude gesichtet wurde – bei einer Dachsanierung war das lange dort installierte Nest entfernt worden. „Deshalb haben wir 2003 ein Nest auf der Kollerinsel angelegt. Mit Lockstörchen hatten wir dort 2010 erstmals eine Brut“, erinnerte sich Toelle. Sechs Jahre darauf war es dann auch auf dem Schulhaus soweit. Als Reis die Leiter im Dachstuhl hinabstieg, trug er schwer. In einem Eimer saß der kräftigere der beiden Jungstörche, abgedeckt mit einem weißen Tuch. Sogleich machte sich Fiedler daran, den Sender mit Bändern an dem Storch festzumachen. „Er ist so ruhig, weil er in Akinese verfällt, wenn sich ihm ein größeres Tier nähert“, erklärte Reis die Starre des Storches. Nachdem der Sender saß, wurde der Vogel noch gewogen – 3,9 Kilogramm gelten als sehr guter Wert. Eine Feder musste er zudem lassen. Mit ihrer Hilfe soll sein Geschlecht bestimmt werden. Andreas Blättner, Schriftführer des VHNO, hat die Besenderung gefilmt. „Wir hoffen, dass Thilo, wie wir den Vogel unserem Storchenvater zu Ehren nennen, gut nach Afrika und wieder zurückkommt“, sagte Blättner. Nur zehn bis 20 Prozent schaffen das nach bisherigen Erkenntnissen. Die Sender sollen auch dazu dienen, um mehr über Zugwege und Todesursachen zu erfahren. Beobachtet werden kann Thilo über die kostenlose Smartphone-App „Animal Tracker“.