Homburg
Zweibrücker Gewobau verkauft Häuser in Erbacher Böcklinstraße
Die Gewobau hat die stark sanierungsbedürftigen Mehrfamilienhäuser in der Nähe der Erbacher Langenäcker-Grundschule an eine Firma aus Baden-Württemberg weiterverkauft, die sich auf den sozialen Wohnungsbau spezialisiert hat.
Die Böcklinstraße gilt als soziale Brennpunktsiedlung. Laut Jörg Eschmann, Geschäftsführer der Zweibrücker Gewobau, hat seine Gesellschaft sehr darauf geachtet, dass die Häuser in gute, fachkundige Hände kämen. Das Zweibrücker Unternehmen sieht sich offenbar allein nicht dazu in der Lage, den millionenschweren Sanierungsstau in den angejahrten Wohnblocks aufzulösen. Zum Teil soll dort noch mit Ölöfen geheizt werden.
„Kein Verkauf an ,Heuschrecken’“
„Selbstverständlich kommt es für uns nicht infrage, Wohnhäuser an ,Heuschrecken’ zu veräußern, bei denen die pure Rendite im Vordergrund steht“, betont Eschmann. Im gleichen Sinne äußert sich auch der Geschäftsführer des neuen Eigentümers aus Baden-Württemberg: „Zum Beispiel haben wir im Kaufvertrag eine Sozialklausel stehen. Demnach wird bei uns niemand aus seiner Wohnung rausgekündigt. Außer, er hat seine Miete wirklich schon seit sehr vielen Monaten nicht mehr bezahlt.“ Man wolle „nicht mit Härte durchgreifen“ und biete Mietern in Not Unterstützung an. Etwa wenn es schwer fällt, den Gang zum Sozialamt oder Jobcenter zu beschreiten. „Manche Leute haben mit Sprachproblemen zu kämpfen oder trauen sich einfach nicht, sich zu melden. Deshalb haben wir unter anderem Dolmetscher unter Vertrag. Einige von denen können Arabisch.“
„Keine Luxussanierungen“
Über den Kaufpreis für die Immobilien haben beide Vertragsparteien Stillschweigen vereinbart. Zum Wochenende hat die Gewobau die Bewohner der Böcklinstraße brieflich über den bevorstehenden Vermieterwechsel informiert. Auch die neuen Eigentümer hätten sich mit den Mietern bereits in Verbindung gesetzt.
Konkret geht es in Homburg-Erbach um neun Wohnblocks mit zusammen knapp 80 Wohnungen. Am 22. Dezember fand der Notartermin für den Immobilienverkauf statt, der zum 1. Juli 2021 wirksam werden soll. In den kommenden Jahren will der Erwerber die Wohnungen schrittweise auf einen zeitgemäßen Stand bringen. „Teure Luxussanierungen kommen für uns nicht infrage. Die Leute brauchen sich da keine Sorgen zu machen. So lange ich lebe, wird es mit mir so etwas nicht geben.“
Der Geschäftsführer aus Baden-Württemberg erläutert, dass sein Unternehmen bereits mehrere Gebäude mit insgesamt 200 Wohnungen in Pirmasens aus dem Bestand der dortigen Wohnungsgesellschaft Bauhilfe erworben habe. Man bewirtschafte diese Immobilien jetzt. „Einer der Hausmeister, die wir dort angestellt haben, wohnt in Homburg. Er hat uns auf die Böcklinstraße in Erbach aufmerksam gemacht; so ist es zum Kontakt zur Gewobau gekommen.“
Mit straffen Strukturen effektiver wirtschaften
Aber wie kann man mit Wohnungen in der Böcklinstraße Geld verdienen?„Das ist nicht das primäre Thema“, beteuert der Baden-Württemberger, der seinen Namen derzeit – ein halbes Jahr vor dem Eigentumsübergang – noch nicht in der Zeitung veröffentlicht sehen möchte. „Mit unserem Konzept, das in dieser Sparte Erfolg hat, haben wir auch die Gewobau überzeugt. Entscheidend ist, dass vernünftig gewirtschaftet wird. Mit den Strukturen, die wir für unser Unternehmen aufgebaut haben, können wir finanziell mitunter günstiger arbeiten als öffentliche Gesellschaften.“ Denn diese seien noch mehr angehalten, etwa Handwerksbetriebe aus dem jeweils eigenen Ort für Unterhaltungsarbeiten anzuheuern. „Das soll aber nicht heißen, dass wir nur mit Firmen von außerhalb arbeiten. Zum Beispiel haben wir einen Heizungsbauer in Pirmasens gefunden, der bei uns jetzt regional eingesetzt wird.“
Den Mietern in der Böcklinstraße verspricht er, „dass wir die Gebäude halten und bewirtschaften wollen. Auch an den Wochenenden steht ein Ansprechpartner parat, wenn mal etwas kaputtgegangen sein sollte.“