Homburg RHEINPFALZ Plus Artikel Zwei Freundinnen und ihr Traum vom eigenen Laden ohne Verpackung

Nadine Meyer (links) und Jessie Platte stellen einen Warenkorb in ihrem Laden zusammen.
Nadine Meyer (links) und Jessie Platte stellen einen Warenkorb in ihrem Laden zusammen.

Jessie Platte und Nadine Meyer verraten, was ihr Laden „Unverpackt mit Herz“ in Homburg mit Köln zu tun hat. Die anfängliche Euphorie ist allerdings gewichen. Woran liegt das?

„Unverpackt einkaufen ist in Homburg einfach noch nicht angekommen, so offen und ehrlich muss man das sagen“, bringt es Nadine Meyer auf den Punkt. Besonders die Samstage laufen aktuell schleppend. „Da merkt man die Nachwehen von Corona“, erläutert sie, „jetzt nutzen die Leute ihre Zeit an den Wochenenden, um mal wieder rauszugehen, auf Konzerte oder andere Veranstaltungen. Da sieht man ja richtige Menschenmassen auf den Fotos in den Medien.“

Seit gut einem halben Jahr gibt es in der Homburger Schanzstraße 4 den ersten Einkaufsladen der Stadt, der überwiegend auf Verpackungen bei Produkten verzichtet. Mit „Unverpackt mit Herz“ haben sich Jessie Platte und Nadine Meyer einen Wunsch erfüllt. Doch sie zeigen sich in gewisser Hinsicht auch ernüchtert.

Lieber in den Discounter statt in den Unverpackt-Laden

Nadine Meyer sagt, sie könne verstehen, dass man den Wocheneinkauf dann schnell beim Discounter erledige, wo man alles bekomme. „Den Unverpacktladen hat man wahrscheinlich nicht direkt im Gedächtnis, weil wir noch zu neu sind.“ Den Laden eröffneten die beiden am 4. Dezember 2021. „Und in den gewohnten Supermärkten weiß man, wo alles steht und muss nur schnell reinspringen, das geht mir doch auch so.“ Im Laden der beiden sieht das anders aus. „Der typische Kunde bei uns bleibt etwa 60 bis 90 Minuten.“ Warum so lange? „Weil er diese Hektik nicht möchte und auf das frische Angebot reagiert – beziehungsweise, weil er sich über die vielen Produkte informieren und dadurch inspirieren lässt.“

Wie kamen die beiden Freundinnen auf die Idee, einen Laden ohne Verpackungen aufzumachen? Die grundsätzliche Idee für „Unverpackt mit Herz“ kam Jessie Platte. „Ich hab’ das Konzept im Internet gesehen, wie Studenten so etwas in Köln aufgebaut haben, und fand die Sache gut“, erläutert die 42-Jährige. Als die Pandemie dazukam und sich der übliche Einkaufsgang bei den meisten Menschen veränderte, erinnerte sie sich ans bewusste Einkaufen mit regionalen Lebensmitteln zurück. „Ich wohne mit meinem Mann und unseren drei Mädels in Mörsbach – wir wurden vom Bauer vor Ort mit Eiern versorgt. Vom Metzger haben wir zusätzlich das Lieferangebot genutzt, da kam das letzte Umdenken bei mir – und die Wertschätzung für die regionalen Anbieter wieder auf.“

Als sie ihrer Freundin von ihrem Einfall erzählte, hatte es gar keiner weiteren Überredungskunst bedurft. Denn Nadine Meyer war direkt begeistert. „Durch den Kauf von Produkten mit wiederverwendbarer Verpackung vermeidet man jede Menge Müll, das tut der Umwelt gut.“

Jessie Platte kommt aus der Gastronomie, während Nadine Meyer kaufmännisches Wissen in das Geschäft einbringt.

Der Umwelt etwas Gutes tun – irgendwie geistert dieser Gedanke in den Köpfen der Homburger noch nicht so herum. Zurück zum Faktencheck: Was die Trägheit, den Homburger Verkaufsraum zu besuchen, weiter beeinflusse, seien Vorurteile. Die breite Bevölkerung verbinde mit einem verpackungslosen Einkaufsmarkt „teuer“ und „Bio“. „Dabei haben wir nicht nur Bio-zertifizierte Waren. Wir sind auch kein reiner Bioladen, sondern legen den Fokus bei unserem Warensortiment auf Nachhaltigkeit und Ehrlichkeit“, erklären die beiden.

„Wir wissen genau, wo die Kaffeebohnen herkommen“

Aber: Es gebe genügend Produkte, bei denen die Ladenbetreiberinnen mit den üblichen Discountern in Bezug auf das Preissegment konkurrieren. Bei anderen stehen der Händler, die Verarbeitung und der Anbau und damit die Qualität über allem. „Wir wissen zum Beispiel genau, wo die Kaffeebohnen herkommen und dass sie mit der nötigen Zeit und Erfahrung geröstet wurden. Das passiert nicht im Eilverfahren wie bei den meisten Großhandelsketten“, klärt Jessie Platte auf, die extra für ihren Unverpackt-Laden eine Weiterbildung zum Kaffeesommelier gemacht hat.

Auf offenen und transparenten Umgang mit den Produkten legen beide großen Wert. Oft scheitere es bei der Kundschaft aber eben schlicht an Unwissen oder der Scheu, mal reinzuschauen in ihr Geschäft mit dem Herz. „Ein weiteres Problem ist, dass die Kunden ihre Verpackung mitbringen müssen“, berichtet Meyer. „Viele haben einfach keine Behälter dabei, oder es ist ihnen von vornherein zu kompliziert, welche mitzubringen.“

Man darf auch gerne seine Gurkengläser mitbringen

Dabei sei das eine einfache Geschichte: Schließlich sollte jeder daheim leere Flaschen vom Spülmittel oder Duschgel haben, die er im Unverpackt-Laden neu füllen lassen kann. Genauso bieten sich gespülte Marmeladen-, Gurken- oder Soßengläser an, in die man etwa Mehl, Nudeln oder Müsli neu einfüllen kann. Vor Ort gibt es auch passende Behälter zum Kaufen, falls man nichts daheim hat oder sich spontan in den Laden verirrt hat.

Eine Abfüllstation mit Müsli und Getreide. Die Lebensmittel kann man sich in mitgebrachte Behälter füllen.
Eine Abfüllstation mit Müsli und Getreide. Die Lebensmittel kann man sich in mitgebrachte Behälter füllen.
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