Saarbrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Zukunft von 5500 Mitarbeitern bei ZF ungewiss

ZF ist der drittgrößte Autozulieferer der Welt. Beim Werk in Saarbrücken könnte die Mitarbeiterzahl von 9000 auf 3500 schrumpfen
ZF ist der drittgrößte Autozulieferer der Welt. Beim Werk in Saarbrücken könnte die Mitarbeiterzahl von 9000 auf 3500 schrumpfen.

Über 9000 Leute arbeiten bei ZF in Saarbrücken. Der Automobilzulieferer ist damit einer der größten Arbeitgeber im Saarland. In der Zukunft könnten es deutlich weniger werden, fürchtet der Betriebsrat. Bei der Betriebsversammlung am Montag nahmen 5000 Mitarbeiter teil. Auch Ministerpräsidenten Rehlinger. Wie geht es im Werk weiter?

Die schlechten Nachrichten bei den Automobilunternehmen reißen nicht ab. Nach dem Homburger Bosch-Werk müssen jetzt auch beim weltweit drittgrößten Automobilzulieferer ZF die Mitarbeiter um ihre Arbeitsplätze bangen.

Die Betriebsversammlung am Montag stand unter einem schlechten Stern: Der Gesamtbetriebsratschef hatte zuvor gewarnt, die Mitarbeiterzahl könnte von 9000 auf 3500 zurückgehen. Allerdings erst nach Ende 2025; bis dahin haben die Mitarbeiter eine Beschäftigungssicherung und dürfen vom Betrieb nicht gekündigt werden.

Auf Dauer können keine 9000 Mitarbeiter beschäftigt werden

Aber was passiert danach? Die 9000 Mitarbeiter am Standort Saarbrücken werde man auf Dauer nicht halten können. Darüber waren sich Betriebsrat und Standortleitung einig. Damit das Unternehmen genug Aufträge generieren und so auch viele der Beschäftigten halten könne, sei es wichtig, dass sich das Werk anders aufstelle. Es müssten weitere Aufträge im Bereich E-Mobilität her, sagte Werksleiter Matthias Gratz. Eine gute Positionierung im internen Wettbewerb ist dafür Voraussetzung.

Auch ZF-Betriebsratschef Mario Kläs in Saarbrücken sagte, man kämpfe jetzt um weitere Aufträge und Produkte. Konkrete Zusagen zur Zukunft des Standorts in Saarbrücken gab es auf der Betriebsversammlung von den Verantwortlichen aber nicht.

Von Getrieben zur E-Mobilität

Momentan werden bei ZF in Saarbrücken Getriebe produziert. Da sei die Auftragslage gut, sagte Gratz. Die Zukunft von ZF wird aber eher nicht in Sachen Getrieben liegen. Im November hatte der Konzern angekündigt, Saarbrücken zum Leitstandort für Elektromobilität zu machen und einen dreistelligen Millionenbeitrag zu investieren. Das Mitte Februar vom EU-Parlament beschlossene Verbrenner-Verbot für Neuwagen, das ab 2035 gelten soll, dürfte diese Entscheidung noch einmal bestätigt haben.

Diese Transformation hin zur E-Mobilität wolle ZF mit Land und Arbeitnehmern gestalten. „Die gemeinsame Absicht aller Beteiligten ist, die Zukunft des Standorts und der Beschäftigten mit wettbewerbsfähigen Strukturen und innovativen Produkten bestmöglich abzusichern„, teilte eine Sprecherin von ZF mit. „Wir sprechen seit Jahren ganz transparent über die Tatsache, dass der Standort Saarbrücken aufgrund der geringeren Wertschöpfung bei den Produkten der E-Mobilität nicht mehr wachsen, sondern schrumpfen wird.“ Aufgrund der mittelfristig „sehr guten Auslastung“ mit den elektrifizierten Automatikgetrieben habe ZF „aber genügend Zeit, diesen Prozess sozialverträglich zu gestalten“.

Neun Millionen E-Antriebssysteme müssen her

Um die momentane Getriebeproduktion zu kompensieren, brauche es bei den E-Antriebssystem aber eine Stückzahl von neun Millionen – das sei aber faktisch nicht möglich, so Gratz. ZF, das seinen Sitz im baden-württembergischen Friedrichshafen hat, bietet aber eine Perspektive für Mitarbeiter: Der Konzern ist an der künftigen Fabrik des US-Chipherstellers Wolfspeed in Ensdorf beteiligt. Diese Kooperation würde es einigen ZF-Mitarbeitern ermöglichen, zu Wolfspeed zu wechseln – dafür seien entsprechende Zusatzqualifikationen nötig, sagte eine ZF-Sprecherin.

Rehlinger: „Wir sollten keine Angst haben“

Auch die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) war zur Betriebsversammlung gekommen. Sie sicherte ZF Unterstützung zu: „Wir sollten keine Angst haben, aber wachsam diesen Wandel mitgestalten. Dafür haben Sie die saarländische Landesregierung immer an Ihrer Seite“, sagte sie laut Teilnehmern der Versammlung. „Wir haben es mit dem größten Wandel in der Industriegeschichte zu tun.“

ZF möchte zwar die Zukunft des Saarbrücker Standorts „bestmöglich absichern“ – inwieweit das aber nach der Beschäftigungssicherung ab 2026 gelingen wird, bleibt abzuwarten.

x