St. Ingbert
Von Ecuador nach St. Ingbert: Wer schnitzt am besten mit der Kettensäge?
Kettensägen und feinste Schnitzarbeit. Was im ersten Moment nach zwei konträren Welten klingt, passt sehr wohl zusammen. Schon zum zweiten Mal treffen sich am Samstag und Sonntag die besten Kettensägenschnitzer aus Deutschland, Österreich und Belgien in St. Ingbert, um bei einem Schnitzwettbewerb am Wombacher Weiher gegeneinander anzutreten. „Spänefliegen“ heißt die Veranstaltung. Die weitesten Teilnehmer legen für den Wettbewerb rund 10.000 Kilometer Luftlinie zurück, denn auch aus Ecuador kommen Kettensägenschnitzer.
Das Prinzip ist simpel. 30 Teilnehmer treten beim sogenannten „Speedcarving“, was so viel wie „schnelles Schnitzen“ bedeutet, unter Zeitdruck gegeneinander an. Das Ziel: Innerhalb von einer Dreiviertelstunde mit der Kettensäge Skulpturen aus Holz erschaffen. Die Besucher können den Holzkünstlern dabei zugucken. Nach Vollendung der Skulpturen können die Zuschauer sie ersteigern. Je höher der gebotene Preis für jedes Werk aus Holz ausfällt, desto höher ist am Ende auch die Punktzahl, die die Skulptur bekommt. Der Sieger ist dann automatisch für die Deutsche Meisterschaft im Speedcarving qualifiziert. Auch die amtierende Deutsche Meisterin Res Hofmann aus Attelsdorf im Landkreis Bamberg wird erwartet.
St. Ingberter Skulpturenschnitzer holte Wettbewerb in die Region
Über ein ganzes Jahr hinweg sammeln die Schnitzer auf diese Art an den unterschiedlichsten Orten Punkte. „Die Wettbewerbe finden meistens an Orten mit hohen Waldbeständen, wie etwa in Thüringen, statt“, sagt Konrad Weisgerber vom Heimat- und Verkehrsverein St. Ingbert, der das Event organisiert.
Schon in der Vergangenheit habe man vonseiten des Vereins immer wieder mit Holzschnitzern zu tun gehabt, die beispielsweise Skulpturen für Wanderwege anfertigten. Durch einen St. Ingberter Schnitzer sei man dann auf den deutschlandweiten Wettbewerb aufmerksam geworden, den man vor zwei Jahren auf der Wiese rund um den Ingobertus erstmals in die Region holte. Da der Wettbewerb immer im Hochsommer über die Bühne geht und es auf der Wiese keine Bäume gibt, wurde es schnell zu heiß. Auch die Infrastruktur sei nicht ideal gewesen, sagt Weisgerber. Deshalb ist man in diesem Jahr auf das Gelände rund um den Wombacher Weiher ausgewichen.
Burger, Eis und Sägespäne
Neben den Speedcarving-Wettbewerben haben die Veranstalter auch darüber hinaus ein buntes Programm auf die Beine gestellt. So können sich die kleinen Gäste auf Baumklettern und eine Kranfahrt freuen. Auch kulinarisch gibt es was auf den Teller, zum Beispiel Burger aus Highlander-Fleisch oder Eis von Nico’s Eismanufaktur aus Saarbrücken.
„Wir freuen uns auf ein außergewöhnliches Event, bei dem Jung und Alt nicht nur hohe Kunst mit harten Geräten bewundern können, sondern auch viel Spaß haben werden“, sagt Konrad Weisgerber. Der Speedcarving-Wettbewerb sei für alle Beteiligten eine gute Möglichkeit, meint er. Die Skulpturen, die dabei entstehen, seien ein echter Mehrwert für die Stadt und noch heute stünden die meisten der letzten Veranstaltung noch an den verschiedensten Stellen im Stadtgebiet.
Aus 285 Jahre alter Eiche wurde eine menschenfressende Sagenfigur
So hatten die Kettensägenkünstler beim Wettbewerb vor zwei Jahren auch Werke geschaffen, von denen heute noch viele den Wanderern auf den St. Ingberter Sagenwegen begegnen. Aus dem Stamm einer 285 Jahre alten Eiche, die in Saarbrücken wuchs, hatte der Pfälzer Kettensägenschnitzer Andy Assmann an den beiden Wettbewerbstagen unter anderem den Riesen Kreuzmann geschaffen. Der Riese ist eine menschenfressende Sagenfigur, deren zweieinhalb Meter hohes Abbild an der Stiefelhütte im St. Ingberter Stadtteil Sengscheid steht.
Feuerwehr-Schutzpatron und Schnurrbart aus Holz
Auch für Privatleute und Vereine bestünde die Möglichkeit, sich von den Künstlern Figuren anfertigen zu lassen. Bei der letzten Veranstaltung habe sich ein Friseur etwa einen großen Schnurrbart schnitzen lassen, erinnert sich der Vorsitzende. Für die Freiwillige Feuerwehr St. Ingbert werde in diesem Jahr zudem eine St.-Florians-Figur, der Schutzpatron der Feuerwehr, angefertigt.
Parken kann man beispielsweise vor der ehemaligen Mühlwaldschule in der Hanspeter-Hellenthal-Straße wie im Schulhof, außerdem auf dem Bolzplatz auf dem Weg zum Wombacher Weiher. Die Organisatoren weisen darauf hin, dass bei der Versteigerung der Holzskulpturen, die beim Wettbewerb entstehen, nur Barzahlung möglich ist.
Info
Das St. Ingberter Kettensägen-Event „Spänefliegen“ findet am Samstag und Sonntag, 24. und 25. August, jeweils ab 10 Uhr rund um den Wombacher Weiher statt. Der Kettensägenschnitzwettbewerb ist am Samstag um 14 Uhr und am Sonntag um 13 Uhr. Die Wettbewerbe dauern jeweils eine Dreiviertelstunde.