Homburg
Uni bittet Personal auf Corona-Station, Urlaub zu verschieben
Diese Impfungen sollen „demnächst auch für Klinikumsbedienstete zur Verfügung stehen“, sagte am Mittwoch der Ärztliche Direktor Wolfgang Reith. Am Klinikum gälten „strikte Maßnahmen“, um die Herausforderung zu meistern. Die Verschiebung aller planbaren Operationen soll die zentrale Notaufnahme und die Intensivstationen entlasten. Ausnahmen von dieser Beschränkung würden bei der Akutversorgung und bei Krebspatienten gemacht.
Die Beschäftigten auf den Covid-Stationen wurden gebeten, ihren Urlaub aufzuschieben. Kollegen aus anderen Bereichen wurden ersucht, bei der Corona-Behandlung mitzuhelfen.
Bei bundesweiter Covid-Forschung dabei
An den Homburger Unikliniken, so Reith, seien während der ersten Covid-Welle im Frühjahr 2020 „neue Abläufe entwickelt und stetig angepasst“ worden; parallel dazu seien Forschungsprojekte zu Corona gestartet. Man sei in Forschungen auf Landes- und Bundesebene eingebunden und im Nationalen Forschungsnetzwerk der Universitätsmedizin zu Covid-19 mit allen deutschen Unikliniken vernetzt. „So sind in diesem Jahr bei uns völlig neue Strukturen und innovative Ansätze entstanden, die sich bewährt haben und auf die man jetzt zugreifen kann.“
Fehler beim Umgang mit Missbrauch
In jüngster Zeit habe es sich aber auch gezeigt, „dass in zurückliegenden Jahren ein Assistenzarzt in der Kinder- und Jugendpsychiatrie – geleitet von pädophilen Neigungen – sein berufliches Umfeld genutzt hat, um mit Kindern in Kontakt zu kommen“. Reith: „Als Vater und Ärztlicher Direktor bedauere ich sehr, dass es damals zu Fehleinschätzungen gekommen ist. Im Nachhinein – nach intensiven internen, externen Ermittlungen und Gutachten, ergibt sich ein sehr komplexes Bild einzelner Verdachtsmomente.“
Zur Frage, warum nicht früher etwas unternommen und warum Informationen nicht weitergegeben wurden, sagt der Klinikchef: „Damals hat der Überblick gefehlt, um die Tragweite einzuschätzen.“ Inzwischen habe man gelernt, dass die Zusammenarbeit mit Jugendamt, Polizei und anderen Behörde besser werden muss. Die Homburger Uni habe eine „Task Force Kinderschutz“ etabliert; zudem soll eine saarlandweite Schutzkommission die einzelnen Einrichtungen miteinander vernetzen.
Standleitung zum Jugendamt
Inzwischen habe die Kinder- und Jugendpsychiatrie eine Standleitung zum Jugendamt eingerichtet, über die jedes Kind direkt einen externen Ansprechpartner anrufen könne.
2019 habe man in Homburg ein Schutzkonzept gegen Gewalt und sexuelle Übergriffe erarbeitet. Um Vorfälle besser ahnden zu können, seien die „Meldewege im Klinikum optimiert“ worden, sagt Reith. Ein zentraler Ansprechpartner soll „zukünftig die Bearbeitung dieser Sachverhalte zentral koordinieren und den Stand der Verfahren überwachen“.
Im Februar 2021 werde die Saarbrücker Hochschule der Bildenden Künste erste Entwürfe für ein leicht verständliches Informationsmaterial über das Schutzkonzept und über die Rechte der Patienten vorlegen.