Saarbrücken
Tag der Schiene: Von Horrortunneln am Saarbrücker Bahnhof
Für die meisten Reisenden ist der Saarbrücker Hauptbahnhof lediglich ein Drehkreuz, ein Abfahrts- oder Ankunftsort mit dem Zug. Hinter den Kulissen wird jedoch fleißig gearbeitet. Was alles passiert, zeigte die Stations- und Service AG am Freitag als eine von vielen Aktionen zum „Tag der Schiene“.
Die Stations- und Service AG ist eine von zahlreichen Unterfirmen der Deutschen Bahn, sagt Jennifer Sauer, Stations- und Service-Chefin in Saarbrücken. Deren Hauptaufgabe ist es, den Bau und Betrieb von Bahnanlagen und Bahnhöfen sicherzustellen, vor Ort das Bahnhofsmanagement zu betreiben und den Bahnreisenden einen möglichst angenehmen Aufenthalt im Bahnhof zu gewährleisten. Mit Blick auf die gesamte Republik eine Herkulesaufgabe, sagt Sauer. Jeden Tag fahren 21 Millionen Menschen mit dem Zug, halten sich also auch an einem Bahnhof auf. „Die Stations- und Service AG der Deutschen Bahn ist also der größte deutsche Gastgeber“, kommentiert sie.
Obdachlose, Suchende und Fragesteller
Das Saarbrücker Bahnhofsmanagement ist der Stations- und Service AG untergeordnet. 119 aktive Verkehrsstationen betreuen Sauers Mitarbeiter jeden Tag, 77 davon im Saarland, die anderen 42 in Rheinland-Pfalz. Das Einsatzgebiet erstreckt sich übers ganze Saarland bis in Richtung Trier. „Und jeden Tag haben wir hier so 120.000 Reisende. Manche davon sind Bahnexperten, andere eher Amateure, die unsere Hilfe brauchen.“ Die Hilfe kann dabei ganz unterschiedlich ausfallen. Manch einer braucht mal schnell eine Auskunft, auf welchem Gleis sein Zug abfährt, andere haben ihren Anschluss verpasst und brauchen Hilfe beim Umplanen ihres persönlichen Fahrplanes, und wieder andere Fahrgäste haben ihren Geldbeutel verloren oder sind aufgrund persönlicher Lebensumstände ganz am Bahnhof gestrandet – wobei Letztere eher keine Zug-Reisenden sind. Für Sauer steht fest: An jedem Bahnhof kommen Menschen aus den unterschiedlichsten sozialen Schichten an.
Live-Demonstration während der Führung
Die Bahnhofsführung am Freitag nimmt ihren Lauf. Erste Station ist ein Bahnsteig. Die Stations- und Service-Mitarbeiter erklären, worauf sie achten müssen. Jede Scheibe der Fahrplan-Auskunft wird überprüft. Ist sie sauber oder hat ein Rüpel dagegen gespuckt oder die Scheibe gar eingeschlagen? Liegt Müll auf dem Bahnsteig herum, sind die Mülleimer geleert? Funktionieren die Anzeigetafeln richtig? All das haben die Mitarbeiter ständig im Blick. Fällt etwas auf, wird eine Meldung erstellt. Wie das funktioniert, demonstrierten die Mitarbeiter ganz passend während der Führung: Während der fiel nämlich die dreckige Scheibe eines Wartehäuschens auf.
Alte Tunnel wie aus einem Horrorfilm
Die Tour geht weiter, der Bahnsteig wird wieder verlassen – allerdings über eine andere Route als sonst. Im Saarbrücker Bahnhof gibt es nämlich ein besonderes Relikt aus alten Zeiten: die Posttunnel. Das sind Unterführungen, die damals von den Postmitarbeitern genutzt wurden, um die Güterzüge mit Briefen zu beladen. Heutzutage werden die Tunnel von der Post nicht mehr verwendet, weil die Briefe und Pakete per Laster innerhalb Deutschlands transportiert werden. Die Tunnel wirken wie in einem Horrorfilm: Lange, enge Gänge, an der Decke Neon-Leuchtstoffröhren. Einen Nutzen haben die Tunnel laut Bahn-Mitarbeiter aber heute noch: Bei krawallverdächtigen Spielen des FC Saarbrücken werden Fans von der Polizei durch die alten Tunnel zum Stadion eskortiert. Da wundert es nicht, dass an den Wänden viele Fußballsticker kleben, dazu kommen Schmierereien, welcher Verein denn nun der beste sein mag. In den bei der Führung mucksmäuschenstillen Tunneln kann man sich den Lärm der Fußballfans an Spieltagen kaum vorstellen.
Notfallmanagement und Computerstimmen
Die Tour führt zum Herzstück des Saarbrücker Bahnhofsmanagement: Die sogenannte 3-S-Zentrale. An zwei großen Schreibtischen sitzen hier Mitarbeiter und haben über viele Bildschirme das Geschehen am Bahnhof rundum im Blick. Die Bildschirm-Wand sieht aus wie auf der Frankfurter Börse, nur laufen auf den Schirmen keine Aktien-Grafiken, sondern unter anderem Bilder von den Überwachungskameras. Auch das Notfallmanagement ist in der dauerhaft besetzen 3-S-Zentrale untergebracht. Passiert auf einer der Strecken im Zuständigkeitsbereich etwas, dann wird der Notfall-Einsatz in der Saarbrücker Zentrale koordiniert.
Ein Raum weiter ist dann noch die Ansagenzentrale. Bis vor einem Jahr wurden Informationen zu Verspätungen und Co. hier direkt ins Mikrofon gesprochen. Das ist jetzt anders: Ein Sprachcomputer wird mit Textschnipseln gefüttert, die dann am Bahnsteig vorgelesen werden.
Die Elektriker-Werkstatt im Waggon und der Zug aus DDR-Zeiten
Beim „Tag der Schiene“ waren auf einem Gleis zwei besondere Züge ausgestellt: ein Gleisarbeitsfahrzeug und ein Zug, mit dem die Oberleitungen repariert werden. Der hat einen interessanten Hintergrund. Das Gleisarbeitsfahrzeug ähnelt einem Baustellen-Lkw, kann auf seiner offenen Ladefläche Material und Maschinen transportieren. Die Maximallast: 25 Tonnen. Betrieben wird die Lok mit Diesel, ist bei den Gleiseinsätzen im Saarland und der angrenzenden Pfalz im Einsatz.
Zu Gesicht bekommen ihn Fahrgäste aber eher selten, weil die Arbeiten hauptsächlich in die Nacht gelegt werden. Der andere Zug, der für die Oberleitungsreparaturen zuständig ist, hat in seinem Inneren eine vollständig eingerichtete Elektriker-Werkstatt. An der einen Bordwand hängen fingerdicke Kabel, gegenüber ist eine große Werkbank eingerichtet. Darauf sind auch die Schaltpläne ausgelegt. Bei Reparaturen an der Oberleitung muss der Strom dort abgestellt werden – normalerweise beträgt die Spannung 15.000 Volt. Damit nicht das ganze Netz vom Strom geht und woanders Züge stehenbleiben, ist die Oberleitung in Abschnitte eingeteilt, die einzeln gesteuert werden können. Übrigens: Das knallgelbe Oberleitungsfahrzeug stammt aus der ehemaligen DDR, ist also seit Jahrzehnten im Einsatz.
Tag der Schiene
Mit dem „Tag der Schiene“ hat die Deutsche Bahn die Eisenbahn in Deutschland gefeiert. Vom Freitag, 15. September bis Sonntag, 17. September fand das Feier-Wochenende mit vielen Aktionen und Führungen in ganz Deutschland statt. Dieses Jahr ging der „Tag der Schiene“ zum zweiten Mal über die Bühne.