Sankt Ingbert
SV Elversberg übernimmt Mühlwaldstadion in St. Ingbert
Es läuft nicht gut für den Sportverein St. Ingbert. Hatte er in den 1990er-Jahren noch 400 Mitglieder gezählt, so ist diese Zahl bis heute auf knapp 100 gesunken. Fußball gespielt wird im Mühlwaldstadion von 1954 schon lange nicht mehr. Wie der SVI-Vorsitzende Michael Graf erläutert, existiert sein Verein in einer Spielgemeinschaft mit dem SV Oberwürzbach zwar weiter. Training und Spielbetrieb wurden aber schon vor Jahren nach Oberwürzbach verlagert.
Seither liegt das Stadion am Rohrbach brach. Ein großer Erdhaufen bedeckt Teile des Spielfelds, Pflanzen wuchern auf der Tribüne. Weil dem SV St. Ingbert das Geld für notwendige Sanierungen fehlte, drohte schon der Abriss der einst so schmucken Anlage. Als letzter Schritt blieb dem Verein nur, das Stadion altlastenfrei an die Stadt zurückzugeben. Die besitzt einen Steinwurf entfernt noch einen Hartplatz. Auch diesen möchte die Spielvereinigung aus dem nahen Elversberg gerne als Trainingsplatz nutzen, wenn die Braschen erst einmal durch Rasen ersetzt sind.
Zweitliga-Frauen üben künftig in Frankreich
In eine neue Beregnungsanlage für das Mühlwaldstadion hat die Stadt St. Ingbert noch investiert. Den Rest muss jetzt die SV Elversberg übernehmen. Der Fußballclub hat mit dem SV St. Ingbert und der Stadt einen Erbpachtvertrag ausgehandelt. Die Elversberger Regionalligamannschaft, die derzeit noch im französischen Großblittersdorf trainiert, wird ihre Übungseinheiten nach erfolgter Renovierung ins Mühlwaldstadion verlegen. Auf dem Platz in Frankreich sollen dann die SVE-Frauen trainieren, die soeben frisch in die Zweite Bundesliga aufgestiegen sind. Das Mühlwaldstadion ist auch als Spielstätte der Elversberger U-17-Mannschaft im Gespräch. „Wir haben hier viele Optionen, zum Beispiel auch Vorbereitungsspiele“, sagte am Montag vor Ort SVE-Vizepräsident Swen Hoffmann. „Allerdings gibt es von den Verbänden vielfältige Vorgaben für den Spielbetrieb.“ Wie genau die SVE das Mühlwaldstadion in St. Ingbert nutzen wird, müsse sich noch zeigen.
Laufbahn um den Platz darf bleiben
Für die Stadt St. Ingbert sei diese Lösung allemal ein Glücksgriff, findet Oberbürgermeister Ulli Meyer (CDU). Zumal die Laufbahn um den Rasenplatz herum bestehen bleibe. Die stand lange zur Disposition, um aus einem Rasenplatz womöglich anderthalb Trainingsplätze zu machen. Doch diese Idee sei jetzt vom Tisch.
„Die Verhandlungen waren nie eine Frage des Geldes. Im Fokus stand immer die Frage, wie wir den Sportplatz wieder zum Leben bringen“, sagt der Oberbürgermeister. Jede andere Alternative als der jetzt gefundene Weg, so Meyer, hätte ein dauerhaft verfallendes Stadion als Ergebnis gehabt.
40 Jahre Niedergang des SV St. Ingbert
Mit „fünf weinenden Augen“ gibt Michael Graf, der Vorsitzende des SV St. Ingbert, das Mühlwaldstadion ab. „Vor zehn Jahren hätte keiner gedacht, dass es mal so kommt“, ist sich aber auch Graf über den Niedergang des traditionsreichen „Dengmatter Fußballvereins“ im Klaren. Seit 40 Jahren im SV engagiert, hat Graf in dieser Zeit etliche Fehler der wechselnden Vereinsführungen miterlebt. Aber auch die Mentalität der Spieler habe sich gewandelt. „Die fragen heute immer zuerst nach Geld. Geld, dass wir aus den geringen Mitgliedsbeiträgen nicht zahlen können.“ So sei es in den vergangenen Jahren zu vielen Austritten und Abwanderungen gekommen, zahlreiche eigene Jugendspieler hätten den Verein verlassen.