Homburg
Spuk im „Bäckerhaus“ in Wörschweiler könnte bald ein Ende nehmen
Eigentlich müsste man das im Dorf als „Bäckerhaus“ bekannte Gemäuer mit „e“ schreiben. Denn statt einer Bäckerei hatte es einst die Wohnstatt einer Familie Becker beherbergt. Seit Jahren ist die Ruine dem Verfall preisgegeben. Ebenfalls seit Jahren gibt es den Plan, das Grundstück einzuebnen: Die freigemachte Fläche soll als Wanderparkplatz für Besucher der Klosterruine dienen. Längst hat die städtische Stiftung Klosterruine Wörschweiler den Erben der früheren Bewohner das bröckelnde „Bäckerhaus“ abgekauft.
Mit dem Abriss ist es aber so eine Sache. Denn Statiker warnen, dass mit dem Fall des alten Schandflecks die Mauern angrenzender Wohnhäuser gleich mit einstürzen könnten.
Vor einigen Wochen hatte Ortsvorsteher Reinhold Nesselberger enthüllt, dass der Abriss mit allen nötigen Sicherungsmaßnahmen fast 100 000 Euro kosten könnte: Eine solche Schätzung habe man ihm im Homburger Stadtbauamt genannt.
Überraschender Anruf aus dem Ministerium
Jetzt könnte das Problem aber schneller gelöst werden als gedacht. „Entscheidende Leute im saarländischen Umweltministerium haben in der Zeitung vom ,Bäckerhaus’ in Wörschweiler gelesen“, sagte Nesselberger am Montagabend, 28. September, während der jüngsten Ortsratssitzung: „Es kommt ja nicht oft vor, dass eine Behörde von sich aus auf uns zukommt und Fördergelder anbietet.“ Doch genau so sei es nun gekommen. „Ein Sachbearbeiter vom Ministerium hat mich angerufen und erzählt, dass es da einen speziellen Fördertopf für die Dorfentwicklung gibt. Aus diesem Fonds hätten die Kommunen bis jetzt kaum Gelder abgerufen.“ In Zusammenarbeit mit dem Homburger Bauamt und dem Stiftungsgeschäftsführer Klaus Kell werde man nun eine entsprechende Förderung beantragen.
Abriss noch im Jahr 2020?
Wörschweilers Ortsvorsteher hatte an diesem Montag aber noch eine zweite gute Nachricht zu verkünden: Inzwischen habe man bei drei verschiedenen Abbruchunternehmen die Angebote für einen Abriss des „Bäckerhauses“ eingeholt. Und in diesen Offerten ist nach Nesselbergers Worten von einem ungleich niedrigeren Preisniveau die Rede. Dieses beläuft sich nach RHEINPFALZ-Informationen nur auf etwa ein Viertel des ursprünglich geschätzten Betrages.
„Wenn wir Glück haben, klappt’s mit dem Abriss noch in diesem Jahr“, hofft der Dorfchef auf eine rasche Umsetzung, die obendrein vom Saarland großzügig gefördert werde. Frank Missy, der Leiter des Bauamts im Homburger Rathaus, habe versprochen, sich der Sache persönlich anzunehmen.
Die jüngsten Überlegungen zur künftigen Nutzung des „Bäckerhaus“-Geländes, so Nesselberger, gehen von zwei Auto-Stellplätzen sowie einer kleinen rustikalen Sitzecke für Besucher aus. Als Ergänzung soll eine Infotafel aufgestellt werden, die auf die mittelalterliche Historie und die touristischen Reize der Klosterruine verweist. „Aber das ist erst der übernächste Schritt“, betonte der Ortsvorsteher, dass der eigentliche Abriss jetzt das vordringliche Anliegen sein müsse.
Eine Art Klostergarten
In einer späteren Phase, so regte das Ortsratsmitglied Ralf Meisel während der Sitzung im Bürgerhaus an, könnte man auf der umgestalteten Fläche ja eine Art „Klostergarten“ anlegen. Womöglich böte sich auf diese Weise die Chance, sogar noch mehr öffentliche Fördergelder aus Tourismus-Geldtöpfen loszueisen.