Kirkel / Homburg RHEINPFALZ Plus Artikel Saarpfälzische Metallindustrie stellt sich auf Streiks ein

Im Oktober demonstrierte die IG Metall in der Bexbacher Straße in Homburg-Erbach mit einer Menschenkette gegen Stellenabbau-Plän
Im Oktober demonstrierte die IG Metall in der Bexbacher Straße in Homburg-Erbach mit einer Menschenkette gegen Stellenabbau-Pläne in den Betrieben Casar Limbach sowie Bosch-Rexroth und Schaeffler in Homburg. Jetzt stehen in der Tarifrunde 2021 die Zeichen auf Warnstreik.

Die Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie bleiben vorerst ergebnislos. Den Industriebetrieben im Saarpfalz-Kreis und in Zweibrücken steht in den kommenden Wochen ein Tarifkonflikt mit Warnstreiks ins Haus. Die IG Metall fordert vier Prozent mehr Lohn.

Bevor sich die Tarifparteien voraussichtlich am 12. März zur nächsten Verhandlungsrunde treffen, kündigte Ralf Reinstädtler, Chef der Gewerkschaft IG Metall Homburg-Saarpfalz, am Donnerstag, 25. Februar, eine regionale Serie von ein- bis zweistündigen Warnstreiks kurz nach dem Monatswechsel an. „Wenn das nichts hilft, können wir in einer späteren Phase mit 24-stündigen Warnstreiks die Schraube anziehen. Bis hin zum großen Erzwingungsstreik, wenn gar nichts anderes mehr hilft.“

„Mit Ausnahme von Tadano in Zweibrücken, wo leider ein Insolvenzverfahren läuft, herrscht eine sehr gute Auftragslage“, erklärte Reinstädtler. Bei einer Pressekonferenz in der saarländischen Arbeitskammer in Kirkel sprach er am Donnerstag von „hoher Streikbereitschaft“ unter den rund 13.000 Beschäftigten der Metall- und Elektroindustriebetriebe im Raum Homburg/ Zweibrücken/Blieskastel/Pirmasens. In der Branche herrsche Vollbeschäftigung; coronabedingte Schließungen habe es nicht gegeben. „Stattdessen wird die Produktion hochgefahren. Die Unternehmen müssen zusätzliche Leute einstellen, um den Arbeitsaufwand zu bewältigen.“

Vor diesem Hintergrund – und angesichts der Tatsache, dass die Arbeit seit Monaten durch Schutzmaskenzwang, geschlossene Kantinen und gesperrte Duschen zusätzlich erschwert werde – sei die aktuelle Tarifforderung der IG Metall nach vier Prozent mehr Lohn „äußerst moderat“. Reinstädtler erinnerte daran, dass es zuletzt bei der Lohnentwicklung eine „Nullrunde“ gegeben habe.

Vier-Tage-Woche als Option für den Krisenfall?

Doch die Arbeitgeber lehnten diese Gehaltserhöhung ebenso ab wie den Ruf nach mehr Mitgestaltungsmöglichkeiten für die Beschäftigten – etwa wenn es darum gehe, in den saarpfälzischen Werken neue Technologien wie die Brennstoffzelle in der Kfz-Zulieferindustrie einzuführen.

„Außerdem schlagen wir intelligente Modelle zur Beschäftigungssicherung vor“, rät Reinstädtler zur Vorsorge für den Fall, dass Betriebe in die Krise geraten: Man könne etwa eine Vier-Tage-Woche als feste Option in den Tarifvertrag hineinschreiben.

„Von alldem wollen die Arbeitgeber nichts hören“, sagte der Gewerkschafter am Donnerstag. In Firmen wie Bosch, Bosch-Rexroth, Schaeffler und Thyssen-Krupp-Gerlach in Homburg, bei John Deere und Pallmann in Zweibrücken, bei Hager in Blieskastel und Casar in Limbach sei das Personal dementsprechend „stinksauer“ und „dazu bereit, ihren Ärger durch Warnstreiks auf die Straße zu tragen“. Oliver Simon vom Homburger Bosch-Betriebsrat: „Indem die Arbeitgeber bislang noch nicht einmal ein Angebot auf den Tisch legen, zwingen sie uns zu Kampfmaßnahmen.“

Durchatmen bei Bosch-Rexroth

Angesichts prallvoller Auftragsbücher und regelmäßiger Sonderschichten scheint sich derweil bei Bosch-Rexroth die allergrößte Alarmstimmung aktuell gelegt zu haben. War dort im Herbst 2020 noch vom Abbau von 155 Arbeitsstellen und der Verlagerung der Industriehydraulik-Sparte in das Werk im fränkischen Lohr die Rede, so sei dieses Szenario derzeit „ruhend gestellt“, sagte jetzt der Betriebsrat Alex Kreutz. „2020 haben unsere Leute durchgearbeitet. Und in der Sparte, die verlagert werden soll, hatten wir elf Prozent Zuwachs.“ Im Homburger Rexroth-Bereich Landmaschinen-Mobilhydraulik betrage die Zuwachsrate gar 20 Prozent.

Gute Kunde bei Hager und Casar

Auch im Limbacher Drahtseilwerk Casar scheint der Stellenabbau vorerst gestoppt. Der Betriebsratsvorsitzende Joaquin Moreno de la Cruz sprach dort von einer „neuen Lage“ und Mehrarbeit. Daher würden jetzt wieder neue Mitarbeiter eingestellt, und im Corona-Jahr 2020 habe man den zuvor gesteckten Jahresplan lediglich um zwei Prozent verfehlt.

Nach Aussage von Cornelia Keßler, Chefin des Betriebsrats bei Hager Electro in Blieskastel, wird in jenem Werk im Bliesgau bis zum Jahr 2023 die Summe von 34 Millionen Euro für neue Anlagentechnik investiert. Für die Produktion sollen dort „so schnell wie möglich“ 250 Mitarbeiter neu eingestellt werden.

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