Saarbrücken
Saarbrücker Museum will Gemälde aus der Zeit von Kaisers Gloria zeigen – und deren Schrammen
Momentan wird die Zeit im Museum für kleinere Umbauarbeiten genutzt. Zudem soll die bisherige Ausstellung „Die 20er Jahre“ nach Wiederöffnung des Museums eine Zeit lang verlängert werden.
Reiner Jung, stellvertretender Direktor des Historischen Museums, kennt bereits den Titel der nächstfolgenden Ausstellung. Diese heißt „Monumente des Krieges – der Saarbrücker Rathauszyklus Anton von Werners und unser Bild vom Deutsch-Französischen Krieg 1870/71“.
Bei den Bildern, vor 140 Jahren erstmals gezeigt, handle es sich um einen Zyklus aus sieben Monumentalwerken des Malers Anton von Werner. Dieser gilt als einer der bedeutendsten Historienmaler der deutschen Kaiserzeit. Bis heute sehr bekannt ist sein Gemälde, das die Ausrufung des deutschen Kaiserreichs 1871 im Spiegelsaal von Versailles verherrlicht. Als Freund des preußischen Kronprinzen hatte Anton von Werner starken Einfluss auf die Kulturpolitik im Reich.
Monumental-Malereien, fünfeinhalb Meter breit
„In der aktuellen Situation bleibt es für uns schwer, den Zeitplan für kommende Projekte abschließend festzulegen“, nennt Museumsdirektor Simon Matzerath noch kein Datum für die Eröffnung. Dennoch bereite man jetzt die neue Gemäldeschau vor. Deren Schwerpunkt soll auf der zeitgeschichtlichen Bedeutung der Bilder liegen. Ursprünglich befanden sich die jeweils bis zu fünfeinhalb Meter breiten Monumental-Malereien im damaligen Saarbrücker Rathaus-Festsaal – in einem Gebäude am heutigen Nanteser Platz, hinter dem Rathaus Alt-Saarbrücken. Dieser Saal wurde zusammen mit dem Bilderzyklus so ausgestaltet, dass er auf nationalistisch-„heroische“ Weise an den Beginn des Deutsch-Französischen Krieges, an die Schlacht von Spichern und die Gründung des deutschen Kaiserreiches erinnern sollte.
Das Historische Museum Saar befindet sich am Schlossplatz in direkter Nachbarschaft zum Rathaus Alt-Saarbrücken, dem ursprünglichen Standort der Gemälde. Matzerath kündigt an, dass die Sonderausstellung „die Kunstwerke in die Kulturgeschichte einordnen und einer kritischen Analyse unterziehen“ werde.
Nationale Propaganda entlarven
„Ziel einer solchen Ausstellung muss die Dekonstruktion der nationalen Propaganda sein“, stellt der Direktor klar, „eine Darstellung vor dem Hintergrund der realen Ereignisse“. Es gelte „die Subjektivität der Bilder zu entlarven“ und aktuelle Fragen zu stellen, welche gesellschaftlichen Folgen ein übersteigerter Nationalismus haben kann. Mit Bezug auf die deutsch-französische Freundschaft, die ja zurzeit angesichts geschlossener Grenzübergänge auf die Probe gestellt wird. Simon Matzerath will die riesigen Gemälde als „wichtige und aufgrund der nationalistischen Bildsprache inhaltlich schwierige Quelle“ verstanden wissen. Es sei geplant, für die Ausstellung mit französischen Museen zusammenzuarbeiten.
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