Saarbrücken
Saarbrücken: Prozess um tödliche Messerstiche gegen die eigene Mutter und den Halbbruder
Wie Oberstaatsanwalt Raimund Weyand ausführte, soll der Mann am 21. September morgens um 7.05 Uhr in der Wohnung seiner Mutter ein Küchenmesser aus der Schublade geholt haben. Mit der 20 Zentimeter langen Klinge habe er der Frau mehrmals in den Bauch und die Brust gestochen. Dann habe er mindestens 20-mal auf seinen 32-jährigen Halbbruder eingestochen. Dieser verstarb noch am Tatort. Die Mutter konnte noch aus der Wohnung flüchten, doch vier Tage später starb sie in einer Saarbrücker Klinik.
Schuldunfähig, weil schizophrene Psychose
Der Oberstaatsanwalt geht davon aus, dass der Beschuldigte an einer schizophrenen Psychose leidet. „Er war daher nicht in der Lage, das Unrecht seiner Tat einzusehen und nach dieser Einsicht zu handeln. Der Beschuldigte ist schuldunfähig.“ Die Persönlichkeit und die begangenen Taten des Mannes ließen darauf schließen, dass von diesem aufgrund seines Zustandes auch künftig „erhebliche rechtswidrige Taten“ drohten. „Er ist für die Allgemeinheit gefährlich“, so Weyand. Nun wird in einem Sicherungsverfahren die dauerhafte Unterbringung des 40-Jährigen in einer psychiatrischen Klinik angestrengt. Der Beschuldigte ließ durch seinen Verteidiger Folgendes erklären: „Ich kann mich nicht erinnern.“
„Gefährlich für die Menschheit“
Als Zeugin meinte die Schwester des 40-Jährigen am ersten Prozesstag vor Gericht: „Er gehört weggesperrt. Er ist gefährlich für die Menschheit.“ Sie zeichnete ein erschütterndes Bild ihres Bruder, der mit stoischem Blick nach vorne schaute und nur zu Beginn ihrer Aussage kurz in Tränen ausbrach. Sie sagte, dass ihr Bruder bereits vor Jahren wegen seiner Drogensucht stationär in der Sonnenberg-Klinik behandelt worden sei. Seine Wutausbrüche habe sie derart „erschreckend“ gefunden, dass sie die Mutter gewarnt habe: „Mama, lass den Schlüssel von innen stecken.“ Eine Woche vor der Tat sei der Bruder mit Scheren und Messern im Rucksack ins Haus gekommen. „Ich brauche die“, habe er gesagt: „Ich muss mich verteidigen.“ Er habe gesagt, er wolle in die Fremdenlegion, um dort zu kämpfen.
„Mutter lief blutüberströmt aus der Wohnung“
Eine Nachbarin schilderte die letzte Stunde vor der Tat am frühen Morgen des 21. September: „Er lief über die Straße, bedrohte meinen Neffen, ging zur Wohnung seiner Mutter.“ Die Hausmeisterin, die zu jener Zeit im Haus war, sagte aus: „Plötzlich hörte ich Schreie aus der oberen Etage. Die Mutter lief blutüberströmt aus der Wohnung. Der Halbbruder lag in seiner Blutlache zwischen der Tür.“
So fand ihn auch die Polizei vor. Der Halbbruder sei noch ein letztes Mal kurz zu sich gekommen, ehe er in den Armen des Notarztes starb.
Der Prozess wird fortgesetzt.