Bexbach
Protest statt Sonntagsbrötchen bei Bäckerhaus Ecker
Laut Mark Baumeister, Saarland-Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung - Genuss - Gaststätten (NGG), will der Offenburger Lebensmittelkonzern Edeka Südwest bis 2023 alle Filialen seiner Bäckerei-Tochterfirmen K & U und Bäckerhaus Ecker abgeben. Meist befinden sich diese Filialen im Eingangsbereich südwestdeutscher Edeka-Supermärkte. „Die wollen die Filialen nicht einfach zumachen und die Leute entlassen“, stellte Baumeister klar: „Vielmehr sollen sie in den Edeka-Geschäften dem jeweiligen Inhaber zur eigenen Übernahme angeboten werden.“ Damit drohten den Brötchenverkäuferinnen schlechtere Arbeitsbedingungen. Baumeister: „Viele Edeka-Einzelhändler sind weder tarifgebunden noch haben sie einen Betriebsrat.“ Dies hätte dann auch Folgen für die vier Produktionsbetriebe der Bäckerbub GmbH: Eine davon befindet sich am Ecker-Sitz im Bexbacher Industriegebiet BIG, vor dessen Toren am Sonntagnachmittag demonstriert wurde.
Ecker-Verkauf an Edeka im Jahre 2010
2010 hatte Edeka Südwest das Homburger Traditionsunternehmen Bäckerhaus Ecker übernommen und in seine Tochterfirma K & U Bäckerei eingegliedert. Die 1949 von Hans Ecker in Erbach gegründete Bäckerei war nach Baumeisters Worten „immer ein hochanständiger Handwerksbetrieb gewesen. Mitarbeiter konnten mit ihren Problemen stets zur Familie Ecker kommen. “ Vor dem Verkauf an Edeka habe die Inhaberin Margot Ecker noch aktiv geholfen, einen Betriebsrat zu gründen. „Leider ist das Bäckerhaus Ecker bis heute das einzige im saarländischen Bäckerhandwerk, das einen Betriebsrat hat. Da müssen wir als Gewerkschaft noch viel Gas geben“, sagte der Landesvorsitzende. Baumeister warnte davor, dass die Firma zerschlagen und die Filialen jeweils einzeln an die verstreuten Edeka-Einzelgeschäfte abgegeben würden. „So machen die das jetzt überall in Deutschland“, sprach der NGG-Funktionär von der früheren Edeka-Tochter Schäfers-Brot im westfälischen Minden: „Dort war die Zerschlagung ja komplett schiefgelaufen, was von den Managern heute auch zugegeben wird. Und genau dasselbe soll jetzt hier auch passieren.“
Mehr als 4000 Beschäftigte betroffen
Unmittelbar betroffen seien aktuell 460 Ecker-Mitarbeiter in bis zu 80 Filialen sowie 3800 Beschäftigte bei K & U an 400 Verkaufsstellen.
„Nehmt diesen Beschluss zurück!“, rief Uwe Hildebrandt, Chef des NGG-Landesbezirks Südwest, am 21. Februar in Bexbach an die Adresse der Edeka-Konzernspitze in Offenburg. Die Ecker-Demonstranten seien mit ihrem Protest nicht allein: „Am heutigen Sonntag gehen die Leute an allen Standorten lautstark auf die Straße. Auch in Baden-Württemberg: in Neuenburg, Reutlingen und Mannheim. Dort überall kämpfen wir heute gemeinsam. Anschließend wird mit der Konzernspitze verhandelt, um sie von ihrem Vorhaben abzubringen.“ Erst kämpfen, dann verhandeln: Das, so Hildebrandt, sei die richtige Reihenfolge. „Damit nicht erst dann miteinander geredet wird, wenn alles schon zu spät ist.“ Baumeister und Hildebrandt sagten den Betriebsräten im Saarland und in Baden-Württemberg Unterstützung bei den anstehenden Verhandlungen zu einem Interessenausgleich und Sozialplan zu.
„Kerngesunde Betriebe“
„Die haben das mit der Zerschlagung zwar vor“, sagte Mark Baumeister zur RHEINPFALZ: „Aber definitiv sind bei Edeka solche Beschlüsse nicht. Die Konzernspitze muss wissen, dass die Beschäftigten diese Politik nicht hinnehmen. Das Bäckerhaus Ecker und K & U sind kerngesunde Betriebe, die Gewinn machen. Jeder kennt den Edeka-Werbeslogan ,Wir lieben Lebensmittel’. Die Verantwortlichen müssen aber auch ihre Mitarbeiter lieben, die einen erstklassigen Job machen – gerade jetzt, unter schwierigen Corona-Bedingungen.“