Einöd Otto Stock: Ein Tausendsassa wird 80
Am Montag, 8. November, feiert Otto Stock seinen 80. Geburtstag. Dass er ein „echter Jochnachel“ sei, darauf legt er Wert. Jochnächel lautet die alte Bezeichnung für die Einöder. Aber nur wer in Einöd von der damaligen Hebamme Eis per Hausgeburt auf die Welt gebracht wurde, darf sich nach Stocks Worten auch wirklich mit dem Ehrentitel schmücken. Im Gegensatz zu jenen Einödern, die in Homburg oder Zweibrücken in den Krankenhäusern geboren wurden.
Dass Otto Stock ein waschechter „Enedder Bu“ ist, hat ihn nie daran gehindert, große Teile seiner Zeit in Zweibrücker Dienste zu stellen. 45 Jahre lang arbeitete der gelernte Sparkassen-Betriebswirt „in Zweebrigge uff de Kass“. Zuerst bei der Kreissparkasse, die nach der Fusion mit der Stadtsparkasse zur Sparkasse Südwestpfalz wurde, und anschließend bei ebenjener.
Weihnachtsbeleuchtung und Umzüge
Als langjähriger Vorsitzender der Werbegemeinschaft Zweibrücken in den 1990er-Jahren stellte Otto Stock mit seinen damaligen Mitstreitern die Weihnachtsbeleuchtung der Herzogsnarrenstadt auf finanziell sichere Füße und organisierte große Umzüge am verkaufsoffenen Sonntag. Stock erinnert sich gut daran, dass die Umzüge zigtausende Zuschauer anlockten und dass dabei Musikkapellen und Pferde vom Landgestüt stolz durch die Innenstadt zogen. Später war er maßgeblich an der Organisation der ersten Zweibrücker Flohmärkte beteiligt.
Und auch im Zweibrücker Sport hat Otto Stock seine Spuren hinterlassen. Als Kassierer des SV Niederauerbach hielt er dort die Finanzen zusammen.
Das „Schild an de ,Dasch’“
Über all dem Engagement in Zweibrücken vergaß „de Stocke Oddo“, wie ihn die Einöder nennen, aber niemals sein Heimatdorf. Einöd war und blieb er jederzeit eng verbunden.
Als nach dem Mauerfall Finanzexperten in den neuen Bundesländern gefragt waren, dachte der Saarpfälzer kurz darüber nach, ein Angebot aus Ostdeutschland anzunehmen. „Awwer ich wollt owends uffem Hemmweech eenfach es Karlsberch-Schild an de ,Dasch’ siehn“, nennt er lachend einen wichtigen Grund, der ihn zum Hierbleiben bewegte. Denn bis heute kann man Otto Stock an und zu im Gasthaus „Dasch“ in der Einöder Hauptstraße antreffen.
Tüchtig hat sich der Jubilar in die Kommunalpolitik eingemischt. Er war einer der „Drei Roten“ – jenes Triumvirats mit den inzwischen verstorbenen Bürgermeistern und Ortsvorstehern Theo Greiner und Otto Gravius –, denen es gelang, die frühere Liberalen-Hochburg Einöd in eine kommunalpolitische Heimstatt der SPD zu verwandeln. Sozialdemokrat ist Otto Stock seit 1966. 1972 bis 2001 war er Parteivorsitzender in Einöd.
Die Jungs von der „Rentnertruppe“
Nach Abschluss seiner aktiven Zeit in Beruf und Politik rief Stock im Dorf die „Arbeitsgemeinschaft 60 plus“ ins Leben. „Eine partei- und politikübergreifende Rentnertruppe“, wie er sagt, die in Spitzenzeiten 36 Mitglieder hatte und im Auftrag von Ortsvorsteher Karl Schuberth, der Kirchengemeinden Einöd und Schwarzenacker und der Spielvereinigung Einöd viele Arbeiten im Ortsbild ehrenamtlich umgesetzt hat, die ohne den Einsatz der Truppe nicht möglich gewesen wären. Acht Jahre lang führte Stock Bautagebücher über die Aktivitäten seiner Truppe. Die hat er heute noch, reich bebildert und akribisch vermerkt mit allen Arbeitsstunden jedes einzelnen Mitstreiters.
2002 hat die Einöder SPD ihr verdientes Mitglied zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Und die Bundespartei verlieh ihm 2011 die Willy-Brandt-Medaille: „Das ist natürlich irre.“
Bei den „Hornets“ und beim Roten Kreuz
Seine vielen Ehrenämter und Vereinszugehörigkeiten hat Otto Stock in den vergangenen Jahren zurückgefahren. „Damit die Kinder später mit den Kündigungen nicht so viel Arbeit haben“, scherzt er. Aber zu den Spielen der Zweibrücker Eishockeymannschaft „Hornets“ geht er immer noch regelmäßig. Und macht nach wie vor den Schatzmeister beim Roten Kreuz in Einöd. „Ich kann halt nicht ohne Posten“, gibt Otto Stock zu.
Zu seinem Geburtstag am Montag, 8. November, gratulieren dem Witwer zwei Töchter mit ihren Familien und bestimmt viele Freunde und Weggefährten. „Jetzt muss ich wohl noch mehr Schnittchen und Getränke bestellen, wenn das in die Zeitung kommt“, sorgte er sich vor dem Ehrentag um das leibliche Wohl seiner Geburtstagsgäste.