Niederwürzbach
Nachruf: Abschied von Pressefotograf Sepp Allgayer
Er war bekannt und beliebt, auch wegen seines einzigartigen Humors. Und nicht zuletzt als „Ami-Fänger“ erlangte er in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs deutschlandweit Aufmerksamkeit. Als 15-Jähriger Bub, der schon damals mit einer saftigen Prise Humor gesegnet war, traf er in der Backstube seiner Eltern am 18. März 1945 auf den ersten amerikanischen Soldaten, der Würzbacher Boden betrat, und nahm ihn kurzerhand gefangen. Politische Motive dürften bei dem gefährlichen Streich kaum eine Rolle gespielt haben. Wobei „de Seppl“, wie ihn nahezu jeder nannte, kurz vor dem Einmarsch der Amerikaner nur knapp zwei schwere Bombenangriffe der Alliierten überlebte. Jedenfalls ging Allgayer als „Ami-Fänger“ in die Annalen ein. War Allgayer zunächst noch selbst Gegenstand der Zeitungsberichterstattung, zog es ihn später als Fotoreporter auf die andere Seite, die der Berichtenden. Nach einer kaufmännischen Lehre in St. Ingbert baute „de Seppl“ ein Netzwerk für die in der Nachkriegszeit auferstehende Presselandschaft auf. Seit 1970 lieferte Sepp Allgayer aus Niederwürzbach Fotos an verschiedene Zeitungen, vor allem an die „Saarbrücker Zeitung“, die damals noch eine eigene Blieskasteler Redaktion unterhielt. Im gesamten Bliestal war er bekannt, teils beliebt, teils gefürchtet.
Besonders an den Wochenenden war er der berühmte rasende Reporter, der von einem Fototermin im Blieskasteler Rathause zu einer Ehrung in Gersheim eilte und direkt danach in Altheim ein Fußballspiel fotografierte. Überliefert ist von Sepp Allgayer auch einer seiner schönsten Antworten. Als er bei öffentlichen Anlässen, zu denen er dienstlich kam, gefragt wurde, ob er denn etwas trinken möchte, antwortete der kleine Mann mit dem markanten Kinnbart mehr als nur einmal: „Gebsch ma es Geld, ich trink dehemm was.“
Sepp Allgayer zeigte seine Arbeiten nicht nur in der Zeitung, sondern auch in mehreren Fotoausstellungen. Gesundheitlich angeschlagen, fuhr er gegen Ende seiner Laufbahn nicht mehr selbst zu Terminen, sondern ließ sich in seinem Audi TT-Sportwagen chauffieren. Auf den Auslöser drückte er aber noch immer selbst. Sepp Allgayer, das Niederwürzbacher Original, starb am vergangenen Samstag in einem Seniorenwohnheim in Ormesheim.