Saarbrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Nach Geburt auf Saarbrücker Disco-Toilette: Ermittlungen, Wut und viele Fragen

Manche entscheiden sich bewusst für eine Geburt in der Klinik, manche für eine Hausgeburt – und eine Frau hat in der Nacht zum S
Manche entscheiden sich bewusst für eine Geburt in der Klinik, manche für eine Hausgeburt – und eine Frau hat in der Nacht zum Samstag ihr Kind in der Saarbrücker Disco A8 zur Welt gebracht. Die Polizei ermittelt, um Licht in die noch rätselhaften Umstände zu bringen.

Dass eine Frau ihr Baby auf einem Saarbrücker Disco-Klo zur Welt gebracht hat, sorgt für Schlagzeilen und teils für Fassungslosigkeit und Wut. Warum die Polizei ermittelt.

So etwas hat er in den über 20 Jahren, in denen er bei der Polizei ist, noch nicht erlebt, sagt ein Sprecher des Saar-Landespolizeipräsidiums. Er ist angesichts des Vorfalls, der sich in der Nacht zum Samstag in der Saarbrücker Disco A8 zugetragen hat, verblüfft: Eine Frau hat ihr Baby auf einer Toilette zur Welt gebracht – und zwar im Discoplex A8 in Saarbrücken, nahe Saarlandhalle und Ludwigsparkstadion.

Das Kind habe in der Nacht zum Samstag auf dem Disco-Klo gelegen, wo es von Clubgästen gefunden worden war. Diese riefen die Polizei. Laut der Berichterstattung einiger Medien sollen die Baby-Finder gedacht haben, die Mutter sei nicht auffindbar, und das Neugeborene sei womöglich tot. Das konnte der Polizeisprecher der RHEINPFALZ am Montagmittag jedoch nicht bestätigen. Auch die Polizei hat von verschiedenen Versionen und Gerüchten gehört, die derzeit im Umlauf sind. Das müsse jetzt aufgearbeitet werden. Fest steht aber, dass es der frischgebackenen Mama und ihrem nun zwei Tage jungen Baby gut geht. Von der Disco seien die beiden in ein Saarbrücker Krankenhaus gebracht worden, wo sie versorgt worden waren. Details zur Identität der Mutter und des Neugeborenen wolle man aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht mitteilen.

Polizei prüft strafrechtliche Relevanz

Auch wegen der Art und Weise des Ereignisses, und weil viele Clubgäste von der Geburt im Feiertempel mitbekommen hatten, sei der Fall besonders brisant, und man wolle keinem etwas unterstellen – sondern nur Informationen herausgeben, die durch mehrere Quellen bestätigt sind, erklärt der Sprecher uns.

Auch die Frage, weshalb die Schwangere in dem Saarbrücker Club war, sei Teil der Ermittlungen, die sicher mehrere Tage dauern würden. Zuvor hatte die Deutsche Presseagentur (DPA) am Sonntagmorgen gemeldet: „Zunächst hatte die Polizei Ermittlungen aufgenommen, auch weil unklar war, wie es zu dem ungewöhnlichen Geburtsort kam. Die Ermittlungen seien aber mittlerweile beendet, teilte die Polizei mit – ohne nähere Angaben zu machen.“ Der Sprecher des Saar-Landespolizeipräsidiums widerspricht: Die Ermittlungen sind „de facto nicht abgeschlossen. Es sind zu viele Leute, zu viele Beteiligte. Wir müssen gucken, was die Hintergründe waren, wie das passiert ist, und ob es einen relevanten Fall für die Polizei gibt – oder auch nicht“, berichtet der Polizeisprecher.

Viele Befragungen stehen nun an

Viele Ermittler seien nun bei den sogenannten Vorermittlungen damit beschäftigt, die Mutter zu befragen, ebenso die Clubgäste, und auch die Betreiber der Disco A8. Wie viele Besucher zum Zeitpunkt der Geburt im Club waren und wie viele genau den ungewöhnlichen Vorfall mitbekommen haben, könne man momentan noch nicht sagen. Das seien die ersten Schritte der Vorermittlungen. Wenn klar ist, wer an jenem ungewöhnlichen Geburtstag da war, befrage die Polizei diejenigen, „die man als mögliche Zeugen in Betracht ziehen kann. Das sind die nächsten Schritte, die jetzt kommen. Dann versuchen wir, damit Licht ins Dunkel zu bringen.“

Wie findet die Polizei heraus, wer überhaupt im Club war? „Da hat die Polizei ihre Möglichkeiten, Auswertungen zu machen, um an die Personalien zu kommen“, sagt der Sprecher. Die genaue Vorgehensweise könne er aus ermittlungstaktischen Gründen nicht mitteilen. „Ob man alle rauskriegt, das werden wir sehen. Da werden unsere Ermittler in ihrem Baukasten mit Sicherheit das ein oder andere Tool haben, um das hinzukriegen.“

Clubbetreiber greifen ein

Unterdessen haben sich die Clubbetreiber auf ihrer Instagramseite zu Wort gemeldet. Die Geburt auf der Disco-Toilette sei „ein Moment voller Angst und Ungewissheit für uns, unser Team sowie auch für die Rettungskräfte“ gewesen. In den Kommentaren der sozialen Plattformen wie etwa Facebook, finden sich einige Beiträge, die mit der Mutter hart ins Gericht gehen und sie zum Teil auch verurteilen. Die Clubbetreiber bitten die Verfasser solcher Beiträge, „die teils bösartigen Unterstellungen der Mutter gegenüber“ zu unterlassen.

Die Betreiber wollen keine weiteren Details über das, was vorgefallen ist, veröffentlichen, schreiben sie. „Doch statt Unmut, Halbwahrheiten und Lügen zu verbreiten, sollten wir doch lieber das Positive sehen.“ Auch wenn die Geburt „wohl absolut nicht die Norm ist, so geht es doch nicht darum, wieso, weshalb, warum, sondern darum, dass ein kleines Baby das Licht der Welt erblickt hat und zum Glück gesund und unversehrt ist.“

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