Reinheim RHEINPFALZ Plus Artikel Mit dem Rollstuhl ins Kanu

Rollstuhlfahrerin und Sozialarbeiterin Dunja Fuhrmann paddelt mit ihrem Mann zum ersten Mal auf einem Fließgewässer. Das zwölf K
Rollstuhlfahrerin und Sozialarbeiterin Dunja Fuhrmann paddelt mit ihrem Mann zum ersten Mal auf einem Fließgewässer. Das zwölf Kilometer lange Abenteuer auf der Blies beginnt.

Sanfter Tourismus soll im Saarpfalz-Kreis auch für Menschen mit Behinderungen angeboten werden. Das ist das Ziel von Organisator Patric Bies. Eine Möglichkeit ist eine Kanutour auf der Blies. Doch diese Sportart hält für Rollstühle eine Reihe von Herausforderungen bereit. Am Samstag haben Rollstuhlfahrende die erste Fahrt auf der Blies gewagt.

Angst hat Dunja Fuhrmann nicht. Die junge Frau ist Sozialpädagogin und Sozialarbeiterin im Gesundheitsamt Saarbrücken, dort im sozial-psychiatrischen Dienst tätig und Rollstuhlfahrerin. Doch am Samstag hat sie den Schreibtisch mit dem Kanu getauscht, das sie mit ihrem Mann zusammen auf der Blies bei Bliesbrück mit kräftigen Ruderzügen gegen die Strömung manövriert.

Dunja Fuhrmann hat zusammen mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung am Samstag die erste inklusive Kanutour auf der Blies organisiert, die sich explizit an Menschen mit Behinderung richtet. 13 Teilnehmer mit verschiedensten Beeinträchtigungen, darunter neben Fuhrmann ein weiterer Rollstuhlfahrer, sind mit ihren Betreuern gekommen. Der Einstieg war ursprünglich in Reinheim an der Bliesbrücke geplant, doch dort erschwert eine Treppe das Zuwasserlassen der Kunststoffkanus des Saarbrücker Anbieters Freizeit Aktiv.

Also fahren die Kanuten ins nahe gelegene französische Bliesbrück, wo vor einigen Jahren eine flache Anlandestelle gebaut wurde. „Da ist es einfacher“, sagt Patric Bies von der Rosa-Luxemburg-Stiftung, muss sich aber von den Mitarbeitern von Freizeit Aktiv korrigieren lassen. Zwar führt eine schöne, flache Rampe ins Blieswasser, doch das bedeutet auch viel Schlick und wenig Tiefgang. Nicht so gut, schon gar nicht für Personen, die motorisch eingeschränkt sind und sich nicht mit den Beinen abstoßen können. Also doch die Treppe. Aber die ein paar Meter nebenan. Zurückfahren auf die deutsche Seite muss die knapp 20 Leute große Truppe nicht.

Dunja Fuhrmann und ihr Mann werden als erste gewassert. Zusammen mit einer wasserdichten Tonne und dem zusammengeklappten Rollstuhl legen sie ab und machen die ersten Paddelzüge gegen die Strömung. „Hier ist die Blies am schönsten. Die obere Blies ist nicht so schön. Auch die Wasserqualität ist hier super, das haben mir gerade Insektensammler bestätigt, die wir in Reinheim getroffen haben“, schwärmt Mitorganisator Patric Bies.

Er hat schon öfter Kanutouren organisiert, Bies will den sanften Tourismus fördern. Aber bislang immer nur Kanutouren, an denen fast ausschließlich Menschen ohne Handicap teilgenommen haben. Diesmal ist es anders. Zwölf Kilometer lang ist die Strecke, welche die Gruppe am Samstag in gut vier Stunden auf der Blies bewältigen will. Der Fluss ist breit und fließt nicht allzuschnell, zudem ist die Blies nicht sehr tief in diesem Abschnitt. Ideal also fürs Paddeln. Nur zwei Wehre sind als Herausforderungen zu überwinden.

Eins, das so flach ist, dass man darüber rutschen kann, aber dann folgt das Wehr in Habkirchen, wo es schwierig wird. „Mal sehen, wie wir das machen, eventuell aussteigen und drumherumtragen“, sagt Patric Bies vor der Abfahrt. Er wünscht sich eine Kanurutsche dort, eine Art Umgehungsrinne, in der man im Kanu sitzend am Wehr vorbeirutschen kann. „Das macht nämlich auch noch Spaß“, weiß er. Spaß macht auch das Picknick, das die Organisatoren in Frauenberg für alle Teilnehmer organisiert haben. Besonderes Augenmerk der Tour liegt natürlich auf den beiden Rollstuhlfahrenden. Neben Dunja Fuhrmann ist das Sven Koepke. Während Dunja Fuhrmann zum ersten mal in einem Kanu sitzt, aber schonmal auf einem See gepaddelt ist und auch schon Rafting erlebt hat, hat Sven Koepke bereits Kanu-Erfahrung. Und zwar auf der Donau.

Trotzdem ist er vorsichtig. Schließlich kann man im Kanu leicht umkippen. „Da ist es von Vorteil, wenn man schwimmen kann“, scherzt er. Trotz der Schwimmwesten, die alle anhaben, keine schlechte Idee. Fürs Kanufahren können die Rollstuhlfahrer nicht in ihren Rollis sitzen bleiben, auch wenn das vom Platzangebot in den Kanus ginge. Doch dann wäre der Schwerpunkt der Boote so hoch, dass sie beim kleinsten Bisschen Schlagseite bekommen und direkt kippen. Zu gefährlich. Also werden die beiden Rollis verstaut, die Wertsachen kommen in wasserdichte Tonnen, die verzurrt werden auf den Kanus, und dann geht es auch schon los.

Erst am Nachmittag steigen die Teilnehmer bei Bliesmengen-Bolchen wieder aus den Kanus, um tolle Natureindrücke und etliche Erfahrungen reicher.

Bevor das Kanu ablegen konnte, wurde die Rollstuhlfahrerin von Helfern im französischen Bliesbrück die Treppe hinab zum Kanu get
Bevor das Kanu ablegen konnte, wurde die Rollstuhlfahrerin von Helfern im französischen Bliesbrück die Treppe hinab zum Kanu getragen.
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