Saarbrücken Medizin, die im Körper hergestellt wird?

Gehören Hustensaft, Nasenspray und Tabletten bald der Vergangenheit an?
Gehören Hustensaft, Nasenspray und Tabletten bald der Vergangenheit an?

Ist man krank, dann greift man zu Tabletten, Hustensaft, Salben und anderen Medikamenten. Aber was, wenn die Arznei direkt im Körper hergestellt und ausgeschüttet wird? Das erforschen Wissenschaftler der Leibniz-Gemeinschaft derzeit mit Saar-Forschern.

1,6 Millionen Euro steuern das Saarland und die Leibniz-Gemeinschaft zu einem Forschungsprojekt bei, in dem an Materialien geforscht wird, die im Körper Medikamente produzieren und kontinuierlich abgeben. Ist man krank, dann nimmt ein jeder Medikamente in Form von Tabletten oder Tropfen, gerne auch mal eine Salbe auf der Haut. Konkret heißt das: Wirkstoffe werden dem Körper von außen her zugeführt. Die Forscher am Leibniz-Wissenschafts-Campus wollen nun herausfinden, ob nicht auch der Körper selbst Medikamente maßgeschneidert herstellen und freisetzen kann. Die Forscher entwickeln hierzu Implantate, in denen spezielle lebende Materialien wie Bakterien oder Pilze medizinische Wirkstoffe produzieren können. „Da die Lebenden Therapeutsichen Materialien (kurz: LTM) ihre Wirkstoffe genau dort produzieren und freisetzen, wo sie therapieren sollen, gibt es so gut wie keinen Wirkstoffverlust“, heißt es vonseiten der Universität.

Aktueller wird vorrangig noch im Labor geforscht. Mit den nun zusätzlichen Fördermitteln soll die Forschung von der Theorie in die Praxis umziehen. „Dazu sollen konkrete medizinische Szenarien bewertet werden, in denen die LTM eine sinnvolle Alternative zum bisher üblichen Weg der Wirkstoffgabe darstellen“. Eine enorme Hürde wird laut Universität die Zulassung der LTM sein. Hierfür müssen „einige regulatorische Hürden“ überwunden werden.

Forscher-Austausch auf Saarbrücker Uni-Campus

21 Doktoranden, drei Forschungsgruppen und 19 Senior-Forschende machen bei der Entwicklung der neuen Therapie-Form mit. Auf dem Saarbrücker Universitätscampus kommen die Wissenschaftler zusammen, tauschen sich mit Fachleuten aus der ganzen Welt über ihre Erkenntnisse aus. Saar-Universitätspräsident Ludger Santen: „Neue Erkenntnisse und Verfahren entstehen heute zumeist an den Schnittstellen einzelner Fachbereiche. Die ’Lebenden Therapeutischen Materialien’ sind ein exzellentes Beispiel dafür und zeigen die Forschungsstärke der Universität und der außeruniversitären Institute im Saarland, die auf dem Gebiet der biomedizinischen Forschung und Materialwissenschaft eng miteinander vernetzt sind und interdisziplinär zusammenarbeiten.“

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