Saarbrücken
Max Ophüls und das Saar-Bier: Von der Gulaschkanone zur eigenen Brauerei
Wenn man die Räume von Zum Wøl Brauart betritt, wirkt im ersten Moment alles wie in einem Wohnzimmer. Ein Sofa, ein dekorierter Tisch mit Snacks und Musik im Hintergrund. Erst wenn man den Blick auf die andere Seite in Richtung der Braukessel wendet, sieht man die entscheidende Besonderheit. Mitten in einem ursprünglichen Wohnzimmer hat sich das Paar Laura Weber und Lennart Köhl eine kleine Brauerei gebaut.
Schon seit einigen Jahren kann man im Bier-Land Deutschland einen Trend beobachten. Anstelle von Bier aus großen Brauereien erfreut sich Craft Beer vor allem unter Kennern wachsender Beliebtheit. Nach der Definition des Oxford-Wörterbuchs beschreibt die Bezeichnung ein Bier, das von einer kleinen Brauerei auf traditionelle oder nicht mechanisierte Weise hergestellt wird. Das Wohnzimmer in der Mainzer Straße in Saarbrücken ist daher so etwas wie ein Musterbeispiel für diese neue Bier-Entwicklung.
„Du Geila“ und Hommage an Max Ophüls
Über die Experimentierphase sind Laura Weber und Lennart Köhl längst hinaus. Mitte des Jahres erschien in ihrer Brauerei Zum Wøl ihr erstes Bier; es trägt den dialektbehafteten Namen „Du Geila“. Ihr zweiter Streich folgt nun: Mit ihrer Biersorte „Max O-Pils“ geht nun pünktlich zu Weihnachten die zweite Sorte in Anlehnung an den in Saarbrücken geborenen Filmregisseur Max Ophüls (1902-1957) in den Verkauf.
„Wir wollten etwas machen, das uns wirklich Spaß macht“, sagt Laura Weber. Während der Corona-Zeit sei in ihr und ihrem Partner die Idee gereift, Bier, Kunst und Geselligkeit zu vereinen. Beide kommen aus der Kreativbranche und beschreiben sich als „Kreative mit turbulenten Lebenswegen“. Über viele Umwege und Herausforderungen habe man sich in der Wahlheimat Saarland vor einigen Jahren letztendlich gefunden und sich „nie unterkriegen lassen“. Mit ihrer kleinen Brauerei hat das Paar, das spürt man, nun eine Gelegenheit gefunden, die Vielzahl an kreativen Ideen gepaart mit ihrem Interesse am Brauen auszuleben. Schon am aufwendigen, farbenfrohen Design der Dosen, auf denen verschiedene Sehenswürdigkeiten Saarbrückens zu sehen sind, wird das deutlich.
„Bier“ auf Schwedisch
Kreativ ist auch die Namensgebung, die sich die beiden für ihre Brauerei überlegt haben. „Øl“ heißt im skandinavischen Sprachraum nämlich „Bier“. In Kombination mit dem W entstand der Name „Wøl“, der ausgesprochen klingt wie „Zum Wöhl!“. Und das ist wiederum eine Kombination aus ihren beiden Nachnamen Weber und Köhl.
Das Interesse am Brauen entdeckte Lennart Köhl vor rund 15 Jahren, kurz nach seinem Umzug nach Saarbrücken. Hobbymäßig habe er im Keller regelmäßig mit zwei Freunden gebraut. Anfangs mit einer Gulaschkanone, später habe er sich eine bessere Ausstattung zugelegt. Nachdem sein Interesse an diesem Hobby etwas abflachte, habe er es dann während der Corona-Zeit wiederentdeckt – diesmal mit seiner Frau.
Softwareunternehmen und Bierbrauer
Eine Partnerin zu haben, die Spaß an dem Hobby habe, sei wichtig. Allein Brauen mache nämlich keinen Spaß. Heute kümmert sich Laura Weber in Vollzeit und Lennart Köhl neben seinem Halbtagsjob für ein Softwareunternehmen um die Entwicklung ihrer Brauerei.
An den Moment, als ihre Biersorte „Du Geila“ im September erstmals verkauft wurde, erinnern sich beide gerne zurück. Etwa 1500 Liter ließen sie bei einer Brauerei von ihrem ersten eigenen Bier produzieren. Eine beachtliche Menge, die sie viel Überwindung kostete. Schließlich musste man mit einer hohen Summe in Vorleistung treten.
Die Entschleunigung am Bierbrauen liebt er
Doch der Verkaufsstart wurde zum vollen Erfolg. Als man auf dem Parkplatz beim Edeka-Markt – übrigens in derselben Straße, in der die beiden ihre Brauerei betreiben – gemeinsam mit dem bekannten Saarbrücker Imbiss Kalinski das fruchtig-herbe Bier erstmals verkaufte, sei man von dem Ansturm überrascht worden. „Wir hatten den Stand gemacht und zwei Fässer mitgenommen, nach einer Stunde mussten wir nachholen“, erinnert sich Laura Weber.
Ein schöner Erfolg. Erst recht, wenn man die Komplexität bedenkt, die für Lennart Köhl die Brauleidenschaft so besonders macht. „Sind die Zutaten im Topf, ist man für einige Wochen erst mal im Blindflug“, sagt er. Erst ab rund 6 Wochen könne man das Endprodukt probieren. In einer schnelllebigen Zeit wie heute sei es aber genau diese Entschleunigung, die ihn begeistere.
Aus Fehlern zum guten Produkt
Dazu gehöre auch die Bereitschaft, Fehler zu machen. „Nur dadurch, dass du immer wieder ausprobierst und Fehler machst, entsteht ein gutes Produkt“, erzählt er. Ohnehin gehöre ein hohes Maß an Experimentierfreude dazu, um die Grundidee Stück für Stück zu verfeinern, ergänzt seine Partnerin. Die größte Herausforderung ist laut Köhl dabei die Reproduktion. „Ein gutes Bier zu brauen, kann jedem gelingen“, meint er. Schwierig sei es dagegen, die Qualität sicherzustellen. Zudem brauche man ein Gespür für die Zutaten und die Zielgruppe.
All das ist den beiden offensichtlich gelungen. Inzwischen sind schon rund drei Viertel der produzierten 1500 Liter für das Bier „Du Geila“ verkauft, welches unter anderem im Edeka-Markt in der Mainzer Straße oder per Direktnachricht über die sozialen Medien an die beiden erworben werden kann. Mit dem Max O-Pils geht nun das zweite Bier an den Start, das laut den Machern etwas würziger schmecken soll.
Sie möchten Frankreich und Belgien mit ihrem Bier erobern
Im neuen Jahr soll das Sortiment unter anderem um die Sorte Black Ipa (eine Biersorte mit dunklerem Malz und höherem Alkoholgehalt) sowie ein Mexican Lager Bier erweitert werden. Stück für Stück möchten sich die beiden professionalisieren und nach der Erschließung des Saarbrücker Heimatmarktes auch in Nachbarländern wie Frankreich oder Belgien, wo es eine große Craft-Beer-Kultur gibt, aktiv werden.