Homburg / München Limonaden-Streit: Bayern und Saarland im Clinch

Die Etiketten beider Limonaden sehen fast gleich aus, meint Paulaner. Deshalb hat die Münchener Brauerei die Karlsberg verklagt.
Die Etiketten beider Limonaden sehen fast gleich aus, meint Paulaner. Deshalb hat die Münchener Brauerei die Karlsberg verklagt.

Zwischen Bayern und dem Saarland tobt ein Rechtsstreit: Die Münchener Paulaner-Brauerei meint, Karlsberg habe ihr Spezi-Etikett kopiert. Und nicht Karlsberg wurde verklagt.

Die Münchener Paulaner-Brauerei hat die Homburger Karlsberg verklagt. Es geht aber nicht ums Bier, sondern um eine Limonade, besser gesagt deren Etikett. Paulaner ist der Meinung, dass Karlsberg das Etikett der Homburger „Brauerlimo“ extra an das Etikett der „Paulaner Spezi“ optisch angelehnt hat. Bei der auf Marken- und Wettbewerbsrecht spezialisierten 33. Zivilkammer am Landgericht München I. haben die bayerischen Brauer nun Klage gegen Karlsberg eingereicht. Das geht aus einem Bericht der Süddeutschen Zeitung hervor.

Die Gräben zwischen beiden Streitparteien sind tief, zu einer Annäherung kam es bei der Verhandlung am 4. Februar nicht. Das Etikett der „Brauerlimo“ sei bewusst an dem Stil der Siebziger orientiert, die „Spezi“ von Paulaner bediene sich des gleichen Designs, deshalb bestehe Verwechselungsgefahr, wenn beide Sorten im Supermarkt-Regal stehen, meint Paulaner. Die Bayern haben eine klare Forderung an ihren saarländischen Konkurrenten: Das Etikett der „Brauerlimo“ soll so nicht länger verwendet werden dürfen. Aber nicht nur das: Auch die von Karlsberg verwendeten Farben auf dem „Brauerlimo“-Etikett ähnelten stark denen der Paulaner-Limo. Und auch die „geometrische Anordnung“ sei optisch „zum Verwechseln ähnlich“, da sie „wellenförmig“ sei.

Karlsberg: Limo-Etiketten sind nun mal farbenfroh

Anlass, beide Limo-Etiketten mal genauer zu betrachten. Paulaner setzt auf drei Farben, übereinander angeordnet in einer Wellenform: oben gelb, in der Mitte orange-rot und unten blau-violett. Der Aufschrift „Paulaner“ ist in einem dunklen Blau im oberen Abschnitt des Etiketts aufgedruckt, „Spezi“ steht in einer Hippi-70er-Jahre-Schrift im orange-roten Bereich. Karlsberg setzt bei ihrem Etikett ebenfalls auf mehrere Farben, allerdings nicht übereinander, sondern nebeneinander vertikal angeordnet. Ganz außen ist beige, es folgen nach innen gehend gelb, orange und rot. Die drei Striche in der Mitte sind hell- und dunkelblau − beides keine Farben, die im „Spezi-Design“ von Paulaner auftauchen. Zudem verzichtet Karlsberg bei den Farbübergängen auf klare Wellenlinien, vielmehr handelt es sich um Geraden, die nach außen hin gekrümmt sind. In der Mitte des Karlsberg-Etikettes ist das Stern-Logo der Brauerei abgedruckt, darunter steht „Karlsberg Brauerlimo - Cola & Orange“ in klaren Druckbuchstaben.

Rechtsanwalt Jens Petry, Vertreter der Karlsberg-Brauerei, sagte am 4. Februar beim Münchener Landgericht, dass die Etiketten von Cola-Mix-Getränken heutzutage nun mal farbenfroh gestaltet sind. Christian Tenkhoff, Vertreter der Paulaner-Brauerei, habe über diese Aussage erst gestutzt, anschließend entgegnet, dass die dominierende Farbe bei Mixgetränken heute „eher braun“ sei, heißt es im Bericht der Süddeutschen Zeitung. Für Tenkhoff sei klar, dass die Farben nun mal das dominierende Element auf dem Etikett des Konkurrenten seien. „Drei Farben sind meines Erachtens identisch“, so der Paulaner-Vertreter. Das sei von der Karlsberg-Brauerei pure Absicht gewesen, unterstellt er.

Paulaner verklagt auch Berentzen-Gruppe

Schlendert man durchs Spezi-Regal im Supermarkt, dann fallen noch weitere Paulaner-Konkurrenten auf, die auf ähnliche Farben setzen. Allen voran: die Coca-Cola-Gruppe bei ihrer „Mezzomix“. Auch hier sind im Etikett die Farben rot, orange und gelb verwendet, ebenfalls in einer Wellenform. Die Karlsberg ist mit ihrer „Brauerlimo“ nicht das einzige „Spezi-Opfer“, das von der Paulaner-Brauerei wegen ihres Etiketten-Designs verklagt worden ist. Auch die Berentzen-Gruppe mit Hauptsitz in Haselünne (Landkreis Emsland, Niedersachsen) hat’s getroffen. Und auch hier geht es um das Etiketten-Design einer Cola-Orangen-Limonade: Die „Cola + Orange Mische“ von Mio Mio.

Während die Karlsberg-Brauerei zum auf RHEINPFALZ-Nachfrage aktuellen Rechtsstreit keine weiteren Angaben macht, veröffentlichte Berentzen-CEO Oliver Schwegmann kurz vor Weihnachten einen ironischen Beitrag zum Rechtsstreit gegen sein Unternehmen in dem sozialen Netzwerk „LinkedIn“: „In welchem Rabbit Hole (ein aus dem Englischen übernommener Ausdruck für eine Idee oder ein Thema, von dem man sich gedanklich auf Abwege führen lässt, Anm. d. Red) muss man feststecken, bevor man einen solch absurden Prozess lostritt?“ Schwegmann erklärte weiter, wie das Design der Berentzen-Limo entstanden ist. So habe sich Marketing-Chef Frederik Bergmann von der Tapete in seinem Berliner Studentenzimmer inspirieren lassen. Die Farben auf dem Mio-Mio-Mischgetränk seien als Hommage gedacht.

Kommentar: Bayrischer Irrsinn

Die Paulaner-Brauerei macht sich zum Obst der Woche. Wer wirklich meint, beide Flaschen sehen gleich aus, muss zum Optiker!

Meinen die Bayern wirklich, dass die beiden Limo-Etiketten sich gleichen wie ein Ei dem anderen? Das ist doch Humbug. Das Etikett der Karlsberg-Limo sieht vollkommen anders aus. Wer sich im Supermarkt deshalb vergreift, sollte besser eine Brille tragen. Gäbe es Streit zwischen Karlsberg und der Park, weil beide Etiketten grün sind, könnte man das noch halbwegs verstehen. Die Paulaner Spezi ist nun aber wirklich anders designt. Bei der ganzen Geschichte drängt sich der Gedanke auf, dass die Paulaner-Gruppe händeringend nach medialer Aufmerksamkeit sucht. Immerhin ist ja die Karlsberg nicht die einzige Firma, die es getroffen hat. Auch die Berentzen-Gruppe wurde wegen exakt derselben Sache angemahnt. Ein Irrsinn, made in Bayern!

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