Saarbrücken / Saarland RHEINPFALZ Plus Artikel Krimineller Kopf aus dem Saarland gefasst – Polizei: Sechs Millionen erbeutet

Mehr als 190 Polizisten haben 25 Wohnungen in Deutschland durchsucht – zwölf davon im Saarland, auch im Saarpfalz-Kreis.
Mehr als 190 Polizisten haben 25 Wohnungen in Deutschland durchsucht – zwölf davon im Saarland, auch im Saarpfalz-Kreis.

Eine kriminelle Organisation soll insgesamt sechs Millionen Euro von Tausenden arglosen Menschen erbeutet haben. Am Donnerstag wurden fünf Menschen festgenommen.

[aktualisiert 16.51 Uhr] Am Donnerstagmorgen ist der Polizei unter anderem im Saarland ein Schlag gegen die Bande von Anlagebetrügern gelungen. Der Kopf der Organisation wurde auch gefasst. Er stammt laut der Staatsanwaltschaft aus dem Saarland. Mehr als 190 Beamte durchsuchten in sieben Bundesländern 25 Objekte, darunter zwölf im Saarland, wie das Landespolizeipräsidium in Saarbrücken mitteilte. Bei dem Zugriff, den die Saar-Polizei und die Staatsanwaltschaft Saarbrücken federführend leiteten, seien fünf Haftbefehle vollstreckt worden. Die fünf Hauptbeschuldigten seien zwischen 42 und 76 Jahre alt.

Auch der mutmaßliche Kopf der kriminellen Organisation ist bei dem Einsatz gefasst worden. Das berichtet Thomas Schardt, Oberstaatsanwalt und Sprecher der Staatsanwaltschaft Saarbrücken, auf Nachfrage der RHEINPFALZ am Donnerstagnachmittag. Der Bandenchef stammt laut Schardt aus dem Saarland. Ein weiterer Beschuldigter wohne im Regionalverband Saarbrücken, ein weiterer im Saarpfalz-Kreis, die anderen beiden Gefassten wohnen in Hessen und Baden-Württemberg, berichtet Schardt uns. Vier der fünf Festgenommenen seien noch am Donnerstag dem Haftrichter vorgeführt worden; die Haftbefehle seien in Vollzug gesetzt, und die vier mutmaßlichen Täter sitzen in Untersuchungshaft. Schardt sagt, dass der fünfte Hauptbeschuldigte voraussichtlich am Freitag dem Richter vorgeführt wird.

Kriminelles „Schneeballsystem“ seit 2020

Die Ermittlungen richteten sich insgesamt gegen 19 Beschuldigte: Sie sollen in unterschiedlicher Funktion über mehrere Jahre hinweg ein großangelegtes Schneeballsystem betrieben haben, teilte die Polizei mit. Die fünf Festgenommenen sollen seit dem Jahr 2020 – unter Führung des Bandenkopfs aus dem Saarland – Geld „im hohen einstelligen Millionenbereich“ – die Polizei spricht konkret von sechs Millionen Euro – von Anlegern eingesammelt haben.

Die Anleger sollten einen monatlichen „Beitrag“ oder auch einmalige Summen an die Betrüger zahlen und auch selbst neue Anleger werben. Die Kriminellen versprachen ihren Opfern laut Schardt hohe Rendite und eine garantierte Rückzahlung ihrer Einlage – „selbst bei vorzeitigem Ausstieg im Tatzeitraum“. Das Geld, das ihre Opfer überwiesen, sollen die Mitglieder der Bande nicht investiert haben. Sie hätten das Geld dazu benutzt, ihr falsches Anlagesystem aufrechtzuerhalten.

Staatsanwalt: Betrüger haben sich mit Geld auch Luxusreisen geleistet

Auch eigene Dinge sollen sich die Betrüger mit dem Geld geleistet haben – „unter anderem Luxusreisen“, teilt Schardt mit. Um das Geld annehmen und weiterleiten zu können, hätten die Betrüger im Lauf der Zeit diverse Firmen und Konten im In- und Ausland genutzt.

Ermittelt werde wegen des Verdachts des gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs, illegaler Bankgeschäfte, des Verstoßes gegen das Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz sowie der Geldwäsche.

Bargeld, Fahrzeuge, Edelmetalle und Unterlagen sichergestellt

Bei dem Einsatz seien unter anderem Unterlagen und Datenträger sichergestellt worden, die nun ausgewertet würden. Auch Bargeld, Fahrzeuge, Edelmetalle und andere Wertgegenstände seien sichergestellt worden. Wie hoch der Wert dieser Dinge und des Bargelds ist, werde momentan ausgewertet.

„Der heutige Einsatz war ein bedeutender Schlag gegen Kriminalität im Bereich des Finanzbetrugs“, sagte der saarländische Innenminister Reinhold Jost (SPD). Er dankte der Saar-Polizei, die den Einsatz leitete. Der Einsatz schütze die Geschädigten „und stärkt das Vertrauen in unseren Rechtsstaat“, so Jost. Mit dabei waren auch Polizeibeamte in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Sachsen, Niedersachsen und Hamburg.

Was passiert jetzt? Vor allem die Gegenstände, die man bei den Durchsuchungen gefunden habe, werden nun ausgewertet, sagt Thomas Schardt. Die Ermittlungen dauern weiter an.

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