Homburg
Kreissparkasse denkt an Negativzinsen für reichere Kunden
Mit Blick auf das abgelaufene Geschäftsjahr spricht Vorstandschef Armin Reinke von Zuwächsen bei der Bilanzsumme und bei den Kundenkrediten. Mit Krediten habe die Sparkasse mit ihrem Hauptsitz in Homburg dem Mittelstand und dem Handwerk in der Coronakrise mit Krediten helfen können. Bei vielen Firmen habe man die Liquidität zudem mit Fördermitteln vom Saarland, vom Bund und von der Kreditbank für Wiederaufbau (KfW) sichergestellt. „Insgesamt haben wir für Firmenkunden Fördermittel in Höhe von 43,2 Millionen Euro beantragt.“
Beim Beraten von Firmen- und Gewerbekunden gehe es heute vermehrt um Themen wie Ausbau der Digitalisierung und Abwicklung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs.
Ungebrochener Online-Trend
Dass die Welt immer digitaler wird, lässt sich auch daran ablesen, dass bei der Kreissparkasse Saarpfalz die Zahl der Nutzer des Onlinebankings im vorigen Jahr auf exakt 33.428 Kunden angewachsen ist. Inzwischen verfügen 56 Prozent aller Privatgirokonten über einen Onlinezugang. Während es bei der Nutzung der Sparkassen-App einen Zuwachs um 13,2 Prozent auf jetzt 13.666 Kunden gab, seien die persönlich abgewickelten Bankgeschäfte an Geldautomaten und am Sparkassenschalter weiter zurückgegangen. Im Vergleich zu 2019 habe es an den Geldautomaten 100.000 Vorgänge weniger gegeben. „Und die ,bedienten’ Transaktionen sanken von 630.00 auf 47.000“, sagt der Bankier. Reinke räumt ein, dass die Corona-Pandemie diesen Trend wohl noch verstärkt habe. Dennoch gehe die Zahl an Bankgeschäften in den Filialen stetig zurück, was auf ein „sich seit Jahren veränderndes Kundenverhalten“ zurückzuführen sei. Von anstehenden weiteren Filialschließungen will Armin Reinke im Moment aber noch nicht reden.
„Auch unsere Privatkunden haben in der Krise neben Krediten umfangreiche Unterstützungsangebote erhalten“, erläutert der Vorstandsvorsitzende, dass sein Institut anno 2020 mehr als 700 Kreditstundungen mit Kunden vereinbart habe. „Unverändert hoch war die Nachfrage nach Immobilienfinanzierungen. Insgesamt wurden unseren Kunden 70 Millionen Euro an Darlehensmitteln zur Verfügung gestellt.“
Sparkasse muss am Markt selbst Zinsen entrichten
Schon seit Jahren nehmen die Tiefzinsen kein Ende. Trotzdem legen die Leute in Krisenzeiten viel Geld auf die hohe Kante. Zum Stichtag 31. Dezember 2020 lagen bei der Kreissparkasse Saarpfalz 1,03 Milliarden Euro an Sichteinlagen in den Konten, also an Guthaben ohne Kündigungsfrist. Wegen der Niedrigszinspolitik sei es dem Homburger Geldhaus „schon seit Jahren nicht mehr möglich, diese enorm hohe Liquidität in gleichem Maße in Kundengeschäft oder in rentierliche Eigenanlagen zu investieren“, sagt Reinke: „Zumal die Gelder vor allem auf Girokonten liegen und damit auch täglich wieder verfügt werden können.“ Die Sparkasse müsse für kurzfristige Gelder selbst einen negativen Marktzins von 0,5 Prozent entrichten. „Da wird es künftig nicht mehr vermeidbar sein, den vermögenden Kunden mit hohen kurzfristigen Einlagen ein Verwahrentgelt in Höhe dieses negativen Marktzinses in Rechnung zu stellen.“ Der Vorstandschef verspricht: „Der normale Sparer und damit unsere mit Abstand größte Kundengruppe wird davon nicht betroffen werden.“
Weil Sparkonten so gut wie keine Zinsen mehr abwerfen, bleiben Aktien im Trend. Auch bei der Kreissparkasse Saarpfalz: „Der Nettoabsatz bei Wertpapieren lag bei 38,5 Millionen Euro und erhöhte sich nochmals leicht gegenüber 2020.“
Zudem gebe es eine „unverändert hohe Nachfrage nach Immobilien“. Reinke: „Unsere Tochtergesellschaft Finanzkonzept Saarpfalz konnte in diesem Bereich ein Rekordjahr verzeichnen. 115 Objekte mit einem Volumen von rund 19,8 Millionen Euro wurden verkauft oder vermittelt.“