Blieskastel
Kolumbarium: Ein Begräbnisort mitten in der Webenheimer Lutherkirche
Als erste Kirche im Saarland erhält die Martin-Luther-Kirche im hinteren Saalbereich ein Kolumbarium. Das ist ein Begräbnisort für Urnen; ein offizieller Friedhof inmitten des Gotteshauses. Bestattungen werden hier überkonfessionell möglich sein. Und das nicht nur für Webenheimer Bürger, sondern auch für Interessenten aus dem gesamten Saarland, der Pfalz und dem angrenzenden Frankreich.
Dem Presbyterium kann man nur gratulieren“, sagt der Zweibrücker Dekan Peter Butz. Seinem Dekanat untersteht die Webenheimer Gemeinde als Teil der pfälzischen Landeskirche. Dem Kolumbarium müssen im rückwärtigen Kirchenschiff zehn hölzerne Kirchenbänke weichen. Das überzählige Gestühl wird von der Gemeinde gegen Spenden an private Interessenten abgegeben.
Kirche bleibt ein Jahr lang geschlossen
Am Sonntag, 1. November, findet in der Webenheimer Lutherkirche der letzte Gottesdienst vor der Umbaupause statt. „Schön, dass es an diesem Tag eine Taufe gibt“, freut sich Angelika Kreutz, die stellvertretende Vorsitzende des Presbyteriums. Die Kirche bleibt ein ganzes Jahr lang geschlossen. „Wir nutzen diese Zeit, um auch einen barrierefreien Eingang anzulegen und die Orgel zu überarbeiten“, erklärt Pfarrerin Ines Weiland-Weiser. Die Webenheimer Gemeinde muss ihre Gottesdienste in nächster Zeit im Dorfgemeinschaftshaus oder in Mimbach feiern. „Heiligabend sind wir vielleicht in der Reithalle am Bauernfestgelände“, sagt die Pfarrerin.
Die Bauarbeiten – allem voran die Installation der Urnenbegräbnisstätte – werden nach Weiland-Weisers Worten mit 750.000 Euro zu Buche schlagen. Gleichwohl soll das Kolumbarium der Kirchgemeinde dauerhafte Einnahmen liefern, die letztendlich den Erhalt der großräumigen Webenheimer Lutherkirche sichern. „So können wir unsere Kirche im Dorf lassen“, spricht die Pfarrerin von voraussichtlich 15-jährigen Urnen-Ruhezeiten, die gegen eine anschließende Nachgebühr verlängert werden können. In den Einstellnischen im Kolumbarium haben 600 Urnen Platz – ein Kontingent davon bleibt Doppelgräbern für Paare vorbehalten.
Asche ruht für immer in der Kirche
Ist die Liegezeit verstrichen, wird die Asche der Verstorbenen in einem eigens dafür eingelassenen Schacht im Altarraum des Gotteshauses zur endgültigen Ruhe beigesetzt. „Die Asche verlässt unsere Kirche also nie mehr“, stellt die Pfarrerin klar.
Die äußere Form der Urnen-Stellwände soll an aufgeschlagene Bücher erinnern. Das Konzept stammt aus dem Atelier der Künstlerin Madeleine Dietz aus Landau-Godramstein. Dietz hat „zwölf Buch-Skulpturen“ entworfen. Verschlossen werden die Nischen mit Steinplatten, von denen die Künstlerin jede einzelne mit einer anderen Erdfarbe individuell bemalt.
Der Webenheimer Auftrag ist nicht die erste Arbeit von Madeleine Dietz für die Landeskirche der Pfalz: Unter anderem hat sie bereits ein großes Portal für ein Gotteshaus in St. Ingbert sowie eine Begräbnisstätte im Freien an der Klosterkirche Seebach bei Bad Dürkheim gestaltet.
Im Vorfeld hatten sich die Webenheimer Presbyter zusammen mit Dekan Butz und der Pfarrerin im Ruhrgebiet informiert: Dort gibt es mehrere ehemalige Kirchen, in denen jetzt Kolumbarien stehen. „Wir haben uns dort die Konzepte angeschaut“, weiß Ines Weiland-Weiser stolz zu berichten, dass man in Webenheim aber einen anderen Weg geht: „Hier bleibt unsere Kirche weiterhin ein Ort des Gottesdienstes. In Zukunft können wir hier also alle menschlichen Lebenssituationen würdig feiern – von der Taufe über Hochzeiten bis hin zu Begräbnissen.“