Saarbrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Kaufhof-Filiale wird geschlossen: „Ein rabenschwarzer Tag“

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m Dienstag wollten viele Kunden zur Galeria-Kaufhof-Filiale in der Bahnhofstraße. Am Tag zuvor gab der Konzern die Schließung des Geschäfts bekannt. Für 80 Mitarbeiter bedeutet das die Kündigung.

Die Kaufhof-Filiale in der Bahnhofstraße wird geschlossen. 80 Mitarbeiter sind betroffen. Was die Grünen von OB Conradt fordern.

Kaufhäuser? Das sind doch die ganzen Shops im Internet! Was für viele Teenager wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten wirkt, war früher Normalität. Galeria Karstadt-Kaufhof ist so eine Kaufhauskette – die letzte große in Deutschland. Jetzt steht fest: In Saarbrücken wird eine von zwei Filialen dichtgemacht.

Schon vor vier Monaten hat die insolvente Kaufhauskette angekündigt, rund ein Drittel der Filialen schließen zu wollen. Bisher war nicht klar, welche Standorte es treffen wird. Der Montag brachte nun Gewissheit: 52 von 129 Läden sollen weg. Für 5000 der 17.400 Beschäftigten bedeutet das den Verlust ihres Arbeitsplatzes. „Dies ist ein rabenschwarzer Tag“, so der Gesamtbetriebsrat von Galeria.

Geschäft wird zum 30. Juni dichtgemacht

In Saarbrücken trifft es laut Verdi 80 Mitarbeiter, denn die Kaufhof-Filiale in der Bahnhofstraße wird zum 30. Juni geschlossen, während das größere Karstadt-Geschäft am St. Johanner Markt erhalten bleibt. Für die 80 betroffenen Mitarbeiter gebe es laut Verdi höchstens Abfindungen in Höhe von 7500 Euro pro Kopf – der Grund liegt im laufenden Insolvenzverfahren. Deshalb sei der Betrag gedeckelt.

Saarbrückens Oberbürgermeister Uwe Conradt (CDU) meinte, Saarbrückens Innenstadt sei stark genug, um die Schließung des Kaufhof-Geschäfts zu kompensieren. Er sehe „gute Entwicklungsmöglichkeiten“ für das Gebäude – es sei in einer hochattraktiven Lage für etwaige Investoren.

Conradt: „680 Millionen Euro Staatshilfe verbrannt“

Am Montag sprach er den betroffenen Mitarbeitern sein Mitgefühl aus. Sie hätten „in den vergangenen Jahren alles gegeben für ihr Unternehmen“. Aber Warenhäuser seien in großen Städten keine Innenstadt-Magnete mehr. Deshalb stelle sich die Frage „wofür 680 Millionen Euro Staatshilfe verbrannt und die eigenen Beschäftigten ausgepresst wurden, wenn gleichzeitig nicht an zukunftsfähigen Konzepten gearbeitet wurde“, kritisierte Conradt. Wichtig sei nun, dass rasch die Zukunft der Beschäftigten gesichert werde. Angesichts des Fachkräftemangels könnten die meisten Beschäftigten optimistisch in die Zukunft schauen – allein in Saarbrücken seien mehrere Hundert Stellen im Einzelhandel frei. Der Konzern sei jedoch „in der Pflicht, seiner Verantwortung gerecht zu werden“ – es müsse „gute Lösungen für die Menschen geben“.

Barke: Einzelhandel kein Selbstläufer mehr

Auch Wirtschaftsminister Jürgen Barke zeigte sich zuversichtlich, dass die Mitarbeiter „zeitnah“ neue Jobs finden. Er mahnte aber: „Keiner darf auf der Strecke bleiben.“ Wie Conradt sprach auch er davon, dass sich die Situation geändert habe: Der stationäre Einzelhandel sei „kein Selbstläufer mehr“, so Barke. „Um den Handel im Saarland fit für die Zukunft zu machen, haben wir das ’Zukunftskonzept für den Handel im Saarland 2030’ entwickelt.“ Dabei spielen auch Innenstädte und Ortszentren, Management und die Belegung von Leerständen eine Rolle. Er kündigte an, ein Förderprogramm für Kommunen zur Stärkung des Einzelhandels aufzulegen.

Und wie soll es mit dem Gebäude weitergehen, in dem sich die Kaufhof-Filiale befindet? Conradt erwartet jetzt, dass Investitionen in die Immobilie getätigt werden.

Grüne: „Schwerer Schlag für den Einzelhandel“

Die Grünen sprechen von einer „Hiobsbotschaft“ und einem „schweren Schlag für den Einzelhandel in der Stadt“. Sie fordern von Conradt „sozialverträgliche Lösungen“ für die Beschäftigten. Auch, dass das Gebäude bald wieder genutzt wird, müsse Conradt sicherstellen. Conradt solle ein „zukunftsfähiges Konzept“ für das Gebäude erstellen. In anderen Städten wurden städtische Einrichtungen oder Unternehmen in Galeria-Filialen integriert.

Auch die Saarbrücker CDU-Fraktion warnt, die betroffenen Beschäftigten dürften nicht den „Managementfehler“ ausbaden, die durch die wechselnden Eigentümer in den letzten Jahren gemacht wurden. Dass der Kaufhof geschlossen wird, sei für Saarbrücken und die Beschäftigten „ganz besonders bitter“, so Fraktionssprecher Rainer Ritz. Auch das Land dürfe sich jetzt nicht „vor seiner Verantwortung drücken“, Saarbrücken als Einkaufsstadt attraktiv zu erhalten.

SPD: OB verschließt die Augen

SPD-Stadtratschef Mirco Bertucci kritisiert OB Conradt scharf; er verschließe vor „offensichtlichen Problemen die Augen“: Sein „Schönreden“ der aktuellen Entwicklung im Einzelhandel entspreche nicht dem, was viele Bürger wahrnehmen.

Der Konzern selbst schreibt in einer Stellungnahme, er stelle in seinem Sanierungsplan „die Weichen für eine sichere Zukunft“. Galeria wolle die 77 Standorte, die erhalten bleiben, in den nächsten drei Jahren modernisieren und sich stärker auf die Bereiche Beauty, Kleidung und Deko konzentrieren. So könnten 11.000 Arbeitsplätze gesichert werden.

Galeria: Neues Konzept, Zukunft gesichert

„Das ist zweifellos heute für uns alle ein schwerer Tag. Wir haben in den vergangenen Wochen intensiv um jeden einzelnen Standort gerungen und sind in harte interne wie externe Gespräche gegangen“, sagt Galeria-Generalbevollmächtigter Arndt Geiwitz.

Die betroffenen Mitarbeiter bekämen das Angebot, in eine Transfergesellschaft zu wechseln. Die soll dabei helfen, sich weiter zu qualifizieren und eine neue Stelle zu finden. Der Konzern möchte den Filialen zudem mehr Eigenständigkeit geben, so Galeria-Chef Miguel Müllenbach. Die Basis für eine wirtschaftliche Perspektive sei gelegt, und Galeria habe dadurch „in Deutschland eine Zukunft.“

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