Kirkel / Saarpfalz-Kreis
Jugendvertretung IG Metall: Wie sie junge Menschen für Industriejobs begeistern will
Die Wirtschaft des Saarpfalz-Kreises ist zu einem nicht unerheblichen Teil von Industrie geprägt. Von Bosch bis Thyssen Krupp Gerlach befinden sich zahlreiche Betriebe in der Region, die mitten in einer Phase der Transformation stecken. Für junge Menschen in der Industrie bedeutet das: Sie müssen sich mit der Frage auseinandersetzen, wie sicher ihre Arbeit in diesem Bereich zukünftig ist.
Mit der Ortsjugendkonferenz der IG Metall Homburg-Saarpfalz gibt es ein Gremium, das sich für die Belange und Sorgen der jungen Menschen befasst. Anfang Dezember trafen sich die Delegierten der rund 1200 Mitglieder starken Gewerkschaft zur jährlich stattfindenden Ortsjugendkonferenz in Kirkel. Eines dieser Mitglieder ist Gewerkschaftssekretär Viktor Koslow. Er erzählt, dass die Konferenz jährlich zwei zentrale Schwerpunkte setze. Zum einen die Planung fürs kommende Jahr, zum anderen die Schaffung eines Diskussionsforums mit Politikern oder Betriebsratsvertretern. Am Ende steht darüber hinaus die Präsentation des sogenannten Geschäftsberichts. Auch das sogenannte Leitungskollektiv, das sich aus jungen Mitgliedern aus dem Saarpfalz-Kreis bis nach Pirmasens zusammensetzt, wird gewählt.
Jugendvertretung ist Sprachrohr in Betrieben
Zu den klassischen Aufgaben der Vertreter gehören dabei die Organisation der Jugendarbeit oder die Planung von monatlichen Sitzungen zu verschiedenen Themen. Darüber hinaus seien sie Multiplikatoren und Sprachrohre in die Betriebe, erzählt Koslow.
Fürs neue Jahr habe man sich viel vorgenommen. Ein zentraler Punkt sei, den Kontakt zwischen den unterschiedlichen Jugendvertretungen der Industrie zu intensivieren. Dazu gehöre es nach seiner Auffassung auch, Einblicke in andere Betriebe und Ausbildungsansätze – zum Beispiel durch Betriebsbesichtigungen – zu erhalten.
Koslow: Qualität der Berufsschulen gesunken
Gesellschaftspolitisch gelte es auch, sich auf die anstehende Kommunal- und Europawahl im kommenden Jahr vorzubereiten. Die IG-Metall vertrete hierbei einen klaren politischen Standpunkt gegen rechts. „Da muss man die jungen Menschen mitnehmen. Gerade mit Blick darauf, dass das Wahlalter sinkt“, betont Koslow. Ein weiteres wichtiges Thema sei der Zustand der Berufsschulen. „Wir haben festgestellt, dass seit Corona die Qualität der Berufsschule nicht mehr auf dem Niveau ist, wie wir es uns wünschen würden“, sagt er. Um die strukturellen Gegebenheiten zu ändern, wolle man daher einen Bildungsgipfel initiieren, um alle Verantwortlichen und Betroffenen an einen Tisch zu bringen.
Koslow: Jungen Menschen glaubhaft erklären, „dass Industriearbeitsplätze etwas Gutes sind“
Thema Nummer eins der gesamten Industrie bleibe aber nach wie vor das Stichwort „Transformation“, betont Koslow. „Wir sind als Geschäftsstelle für sehr viele Betriebe zuständig, die Automobilzulieferer sind“, sagt er. Dementsprechend präsent sei die Thematik, in der man die Positionen vertrete, dass diese nicht auf Kosten der Belegschaft vollzogen werden darf. Kürzlich hat Michelin verkündet, in ihrem Werk in Homburg über 800 Stellen streichen zu wollen. Genau das möchten die Jugendvertreter der IG Metall verhindern. „Man muss die Leute abholen, wo sie stehen und Belegschaften auch noch mal neu qualifizieren, wenn dies notwendig ist“, erklärt er. In Zukunft müsse daher stärker in neue Produktionsfelder sowie die Ausbildung investiert werden.
Als ein positives Signal für die Zukunft der Industriearbeitsplätze wertet er die von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck angekündigte Milliardeninvestition in sogenannten Grünen Stahl aus dem Saarland. Dies sein ein „Dickes Ding“, für das man nun auch in der Automobilindustrie kämpfen müsse. Dürfen Hersteller irgendwann keine Diesel mehr bauen, sollten sie neue Projekte anstoßen, findet Koslow. Wenn das der Fall sei, könne man den jungen Menschen auch weiter glaubhaft erklären, dass Industriearbeitsplätze etwas Gutes seien.