Homburg
Impfgegner grölen und pfeifen vor der Inneren Medizin
Am Mittwochabend haben sich Impfgegner zu einem so genannten Spaziergang in der Homburger Innenstadt versammelt. Doch die Strecke dort und die Aufmerksamkeit reichten den Querdenkern vermutlich nicht aus. Ein auf Facebook veröffentlichtes Video zeigt eine pfeifende und grölende Personengruppe vor dem Eingang der Inneren Medizin des Uniklinikums (UKS).
Wie eine RHEINPFALZ-Anfrage bei der Polizei in Homburg ergab, war der so genannte Spaziergang mit zirka 180 Teilnehmenden am Mittwochabend nicht als Versammlung angemeldet. Gleichwohl hatte die Polizei Kenntnis von der Protestaktion. Dennoch zogen die Impfgegner nach Einbruch der Dunkelheit offensichtlich unbehelligt durch die Innenstadt. Laut Polizei führte der Weg der Gruppe durch die Talstraße zum Zweibrücker Tor und sollte auf dem Christian-Weber-Platz enden. Doch der von der Polizei beschriebene Spaziergang fand seine Fortsetzung auf dem Gelände des Uniklinikums. Wie in einem Video auf dem Facebook-Konto einer mutmaßlich zur Querdenker-Szene gehörenden Person zu erkennen ist, sind die vorgeblichen Spaziergänger bis zur Inneren Medizin weiter gezogen. Dort versammelte sich eine größere Gruppe von Impfgegnern vor dem Eingang des Gebäudes 41, auf dessen Stationen Covid19-Kranke behandelt werden, Ärzte und Pflegekräfte um Gesundheit und Leben der Betroffenen ringen.
Wo die Kranken zur Genesung Ruhe brauchen, grölen die Querdenker auf dem Video lautstark, blasen ihre Trillerpfeifen und manche tragen auf T-Shirts den Slogan „Wir sind die rote Linie“ zur Schau.
Klinikleitung sieht keine Handhabe
„Die Leitung und die Mehrheit der Beschäftigten des UKS sind bestürzt über diese Aktion im medizinischen Umfeld vor unserem Gebäude für Innere Medizin. Werden doch gerade dort in der Inneren seit Beginn der Pandemie viele schwerst an Covid-19 erkrankte Patienten behandelt“, sagt UKS-Sprecherin Marion Ruffing am Donnerstag auf Anfrage. Am UKS habe man zwar von der Aktion gewusst, aber keine Möglichkeit gesehen, dagegen etwas zu unternehmen, denn „der Campus ist öffentlicher Raum, so dass das UKS keine Handhabe hat, hier einzuschreiten“. Die Leitung des Uniklinikums vermutet „eine örtliche Gruppe, die regelmäßig zu ähnlichen Aktionen aufgerufen hat“ als Initiatorin. Zwar seien dem UKS keine Teilnehmenden mit medizinischer Berufskleidung gemeldet worden. Dass eigenes Personal teilgenommen hat, könne das UKS jedoch „nicht grundsätzlich ausschließen“, so Ruffing. Es gebe am Homburger Uniklinikum vereinzelt Mitarbeitende, die der Corona-Schutzimpfung kritisch gegenüber stehen.
Im Umgang mit so genannten Querdenkern setzt das Uniklinikum auf Dialog und Information
„Wir möchten diese Menschen nicht pauschal verurteilen. Oft sind es sehr individuelle Gründe und Ängste, die diese von der Impfung abhalten“, sagt Ruffing.
Ein weiteres Video, das auf dasselbe Konto hochgeladen wurde, zeigt so genannte Spaziergänger beim Überqueren der Straße vor der Homburger Tourist-Info. Womöglich ist im Film zu sehen, wie sich die Gruppe auf den etwa 20-Minütigen Weg zum Uniklinikum macht. Unklar ist, ob dieser „Spazierweg“ geplant war oder spontan eingeschlagen wurde. Polizeikräfte sind auf keinem der beiden Videos zu erkennen. Dem Video beigefügt ist ein Link zur Kontaktaufnahme über den Kurznachrichtendienst Telegram, der als bevorzugte Plattform von Impfgegnern und Querdenkern gilt.